Kokainhandel in der Schweiz: Diese Clans haben das Sagen

Macht durch Kokshandel

Diese Clans haben in der Schweiz das Sagen

Die italienische Mafia, nigerianische Schmuggler, Balkankartelle und Dominikaner – in der Schweiz mischen viele mit, wenn es um das lukrative weisse Pulver geht. Von kolumbianischen Kartellen waren bisher keine direkten Verbindungen in die Schweiz bekannt.

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2014 filmte die Bundespolizei Frauenfeld TG eine mutmaßliche Zelle von ‘Ndragheta bei einer Versammlung. Die italienische Mafia gilt als einer der grössten Akteure auf dem Coca-Markt in der Schweiz.

Die Waffen der kolumbianischen Drogenbarone gelangen in die Schweiz. Ein wichtiger Mann im Ort war Alvaro H.* (47). Von Basel aus sorgte er dafür, dass das Kokain für den Clan del Golfo, Kolumbiens mächtigstes Verbrechersyndikat, nach Europa gelangte, und verkaufte es gleichzeitig selbst in großem Stil – und machte damit Millionen.

Am 7. April 2021 klickten in Basel die Handschellen. Alvaro H wird am 16. Januar vor Gericht gestellt. Die Kolumbianer sind für die Produktion von Kokain verantwortlich, aber in der Schweiz haben andere Clans die Macht übernommen.

Viele Akteure sind hierzulande am Kokaingeschäft beteiligt. Keine dominante kriminelle Organisation kontrolliert oder dominiert den lokalen Kokainhandel: Jede hat ihren eigenen Einflussbereich. Aber es zeichnet sich ein neuer Trend ab: Kartelle arbeiten manchmal zusammen, anstatt zu konkurrieren. Bundesanwalt Sergio Mastroianni sagt gegenüber Blick: «Dass verschiedene kriminelle Organisationen punktuell zusammenarbeiten, ist ein neuer Trend.»

Die folgenden Kartelle sind derzeit am lokalen Kokainhandel beteiligt.

Drogen und Geldwäscherei bleiben eines der Hauptgeschäfte der Mafia in der Schweiz. Von allen italienischen Gruppierungen sei die ‘Ndrangheta hierzulande am stärksten vertreten, sagt Fedpol-Sprecher Florian Näf gegenüber Blick. „Die ‘Ndrangheta ist auf allen Ebenen aktiv, im Groß-, Zwischen- und Einzelhandel. Einerseits werden die Strukturen der ‘Ndrangheta für den Drogenmarkt in der Schweiz genutzt, aber auch Vereinbarungen mit Albanern, Dominikanern oder Nigerianern getroffen.»

Auch Bundesanwalt Sergio Mastroianni bestätigt gegenüber Blick: In der Schweiz spielt die ‘Ndrangheta eine wichtige Rolle im Kokainhandel. „Aber es gibt auch Organisationen aus Südosteuropa, der Türkei, Afrika und natürlich Südamerika.“

In Italien gelten sie seit langem als „fünfte Mafia“, die sogenannte Bruderschaft der Schwarzen Axt. Die ehemaligen nigerianischen Rebellen gelten wegen ihrer grausamen Riten als äußerst brutal.

Afrikaner gehören im Drogengeschäft längst zu den Global Playern, auch in der Schweiz. Noch vor zehn Jahren teilte die nigerianische Mafia den nicht von Italien kontrollierten Kokainmarkt mit dominikanischen Banden; Heute regieren die Nigerianer. Anfang Dezember 2020 wurde in Zürich ein nigerianischer Drogenring aufgeflogen. An der «Operation Wave» beteiligten sich die Polizei des Kantons Zürich sowie Eurojust, Europol und Interpol. Insgesamt gab es 200 Festnahmen, davon allein 130 in der Schweiz. 115 Kilo Kokain wurden beschlagnahmt.

Syndikate in Südosteuropa, insbesondere auf dem Balkan, arbeiten manchmal eng mit der italienischen Mafia zusammen. Auch die türkische Mafia kooperiert mit der ‘Ndrangheta. Das zeigt eine umfangreiche Verbindung mit der Türkei im deutschen Ruhrgebiet, die 2018 aufgedeckt wurde.

Ein Kreuzritter des Balkankartells wurde 2019 in Basel festgenommen. Nicht irgendjemand, sondern der Kopf des Kartells. Er hatte sich offensichtlich unantastbar gefühlt. Mit 21 Koffern voll 603 Kilo Coca-Cola flog er in seinem Privatjet von Südamerika über Nizza nach Basel-Mulhouse (F). Fedpol erhielt einen Hinweis und nahm den Mann in der Tiefgarage des Basler Casinos fest.

Dominikanisches Drogenkartell

Auch das dominikanische Drogenkartell hat mafiöse Strukturen. Seit den 1980er-Jahren transportiert er kolumbianisches Kokain per Container oder Privatjet von Santo Domingo nach Europa, traditionell über Spanien. Aber auch durch die sogenannten Bodypacker. Kuriere mischen sich im karibischen Urlaubsparadies unter Touristen und schmuggeln die Substanz in deren Darm oder ins Gepäck. Inzwischen schickt die dominikanische Mafia auch immer mehr nach Nordeuropa, zu Häfen in Holland oder Belgien und zu Flughäfen in Deutschland. Das Kartell ist auch in der Schweiz aktiv. Zum Beispiel in Basel. Kokain wurde früher in dem Restaurant in Punta Cana verkauft. Die ehemalige Gastfamilie aus der Dominikanischen Republik wurde wegen Handels mit 14 Kilo Kokain verurteilt.

* Der Name hat sich geändert

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