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Stand: 01.12.2022 18:18
Hinter den Anschlägen auf Synagogen in Nordrhein-Westfalen vermuten Ermittler die iranischen Revolutionsgarden und einen Deutsch-Iraner aus der Rockszene. Das Politmagazin der ARD Kontraste erfuhr davon aus Sicherheitskreisen.
Von Anne Grandjean, Georg Heil, Markus Pohl, Lisa Wandt, rbb
Nach mehreren Anschlägen auf Synagogen in Nordrhein-Westfalen wird die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernehmen, wobei noch nicht klar ist, wann genau dies geschehen wird. Eine Sprecherin konnte weder den genauen Zeitpunkt noch den konkreten Grund für die Übernahme der Ermittlungen nennen. Im Zentrum der Ermittlungen soll nach Kontraste-Informationen der Deutsch-Iraner Ramin Y. stehen. Offenbar ist er im September 2021 in den Iran übergelaufen.
Ermittler sehen einen Zusammenhang zwischen den Schüssen auf die Alte Synagoge in Essen, dem erfolglosen Brandanschlag auf die Synagoge in Bochum und der Anstiftung zu einer Brandstiftung auf der Synagoge in Dortmund Mitte November. „Wir reden hier über Staatsterrorismus“, sagte ein Forscher gegenüber Kontraste.
Zentralratspräsident Schuster im Blick
Den Ermittlungen zufolge besteht derzeit eine wachsende Bedrohung für den Präsidenten des Zentralrats der Deutschen Juden, Josef Schuster. Nach Angaben von Kontraste haben die Ermittler Hinweise darauf, dass die Gruppe um Y. Schuster spionieren wollte. Daher sollten die Behörden von einer wachsenden Bedrohung der Schuhmacher ausgehen.
Der iranische Deutsche an der Spitze des Kommandos
Ramin Y. ist Gründer des Mönchengladbacher Ablegers des Rockclubs Hells Angels und wird mit internationalem Haftbefehl unter anderem wegen Mordes im Rockumfeld gesucht. Nach Angaben von Kontraste gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass Y. für die iranischen Revolutionsgarden ein Einsatzkommando für Anschläge in Deutschland leitet.
In der Nacht zum 18. November wurde in Dortmund ein 35-jähriger Deutsch-Iraner festgenommen. Nach Angaben von Contrast soll er mit Ramin Y in Kontakt gestanden haben. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, einen Molotow-Cocktail auf eine Schule geworfen zu haben, die sich direkt neben der Synagoge in Bochum befindet. Er soll auch versucht haben, einen anderen Mann davon zu überzeugen, einen Brandanschlag auf die Synagoge in Dortmund zu starten. Nach Angaben von Contrast soll er dem Mann gedroht haben, wenn er nicht kooperiere. Dieser Mann stellte sich jedoch als Zeuge bei der Polizei heraus.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, der Generalbundesanwalt habe die Ermittlungen bereits übernommen.