Der Hafenwarnstreik in Hamburg endet am Samstagmorgen Weitere Nachrichten aus Hamburg

Stand: 15.07.2022 21:06

Nach einem 48-stündigen Stopp im Hamburger Hafen und anderen deutschen Häfen endete am Samstagmorgen der jüngste Streik von mehreren tausend Hafenbeschäftigten. Die Gewerkschaft ver.di hatte zu dem Marsch aufgerufen, den Druck auf die Arbeitgeber nach sieben erfolglosen Runden wieder zu erhöhen.

Bei dem Protestmarsch in der Hansestadt gab es zehn Verletzte, nachdem ein Teilnehmer der Kundgebung einem Böller die Augen verbunden hatte. Am Rande der Abschlusskundgebung auf dem Besenbinderhof nahe dem Hauptbahnhof nahmen Polizisten den Böllerwerfer fest, was die Situation verschärfte. Mehrere Docks belästigten Beamte. Laut Polizei flogen die Flaschen aus der Menge der Demonstranten. Die Beamten setzten Pfefferspray ein. Fünf Polizisten und fünf Demonstranten wurden verletzt. Insgesamt verlief die Demonstration recht friedlich. An dem Protestzug vom Hauptbahnhof über den Ballindamm zum Jungfernstieg und dann zum Besenbinderhof beteiligten sich nach Angaben von ver.di rund 5.000 Menschen.

AUDIO: Streik im Hafen: Polizei setzt Pfefferspray gegen Demonstranten ein (1 Min.)

Der stärkste Streik seit über 40 Jahren

Die Hafenarbeiter hielten am Donnerstag zu Beginn der ersten Schicht an. Das Motto seines Protests lautet “Stoppt das Inflationsmonster!” Mit dem ersten Warnstreik in einer Spätschicht und einem 24-stündigen Warnstreik im Juni summiert sich der streikbedingte Arbeitsausfall auf rund 80 Stunden. Damit ist es der längste Arbeitskampf in Häfen seit mehr als 40 Jahren.

Ständige Streiks in den Gerichten

Am Donnerstag versuchte die Arbeitgeberseite vor mehreren Arbeitsgerichten in Norddeutschland, die Warnstreiks mit Hilfe vorübergehender Vorsichtsmaßnahmen zu stoppen. Das hat nicht funktioniert. Die Anhörung vor dem Hamburger Arbeitsgericht hat jedoch gezeigt, dass das Gericht Zweifel hatte, ob alle Formalitäten erledigt waren, als die Arbeitnehmer beschlossen, in den Streik zu treten. Das Ergebnis: ein Vergleich. Nach diesem Streik sind neue Arbeitskämpfe bis zum 26. August ausgeschlossen. In Bremen, Oldenburg und Wilhelmshaven wurde der Streik erstinstanzlich von den zuständigen Gerichten bestätigt.

Westhagemann beantragt ein Schlichtungsverfahren

Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) fordert nun Gewerkschaft und Arbeitgeber auf, sich auf ein Schlichtungsverfahren zu einigen, das ver.di bisher abgelehnt hat. Westhagemann bezeichnet die Streiks als schädlich, die den Standort Hamburg schwächen würden.

12.000 Beschäftigte in den Seehäfen

Rund 12.000 Menschen arbeiten in deutschen Häfen, von Hamburg über Bremerhaven bis Brake. Auch hierher wurden seit Donnerstagmorgen keine Schiffe geschickt. Betroffen waren nicht nur die großen Containerterminals, sondern auch die Stauer und der allgemeine Frachtumschlag.

Arbeitgeber bieten 12,5 Prozent mehr Lohn

Grund für den Streik ist der aktuelle Kollektivkonflikt. Arbeitgeber hatten zuletzt ihre Angebote noch einmal verbessert. Sie bieten bis zu 12,5 Prozent über zwei Jahre verteilt. Ver.di fordert mindestens einen Inflationsausgleich, und das für alle Mitarbeiter. Arbeitgeber hatten bereits vor der Ankündigung des Streiks vor einer neuen Eskalation gewarnt. Verhandlungsführerin Ulrike Riedel sagte NDR 90,3, dass mit immer mehr Schiffen vor den Häfen gestrandet würden. „Die Lieferketten sind extrem angespannt“, sagte Riedel. Christian Baranowski, Vorsitzender des HHLA-Betriebsrats, erklärte: „Der Grund dafür ist, dass der Arbeitgeber nicht mehr bereit ist, sozial mit uns zusammenzuarbeiten.“ Die Hafenarbeiter haben in den letzten zwei Jahren alles gegeben. „Wir wollen jetzt unseren Teil dazu beitragen“, sagte Baranowski.

AUDIO: Der Warnstreik im Hafen wird mit einem gerichtlichen Vergleich fortgesetzt (2 min)

Häfen weitgehend gelähmt

Vor knapp drei Wochen legten Hafenarbeiter mit Beginn der ersten Schicht mit einem 24-Stunden-Warnstreik die Abfertigung von Container- und Frachtschiffen in großen deutschen Nordseehäfen weitgehend lahm. Betroffen waren die Häfen Hamburg, Emden, Bremen, Bremerhaven, Brake und Wilhelmshaven. Davor gab es viele Jahre lang keine Arbeitsniederlegungen bei Stauern.

Mehr Informationen

Die Docks haben ihre Arbeit eingestellt. Die Entscheidungen der Arbeitsgerichte bestätigen den Streik (14.07.2022). Monat

In den Terminals ging nichts mehr: In Hamburg und anderen Häfen beteiligten sich tausende Stauer an einem Warnstreik (23.06.2022). Monat

Am Dock gibt es bereits große Verzögerungen, aber viele Hafenarbeiter sind dem Aufruf von ver.di zu einem Warnstreik gefolgt. (06.09.2022) mehr

Schiffe aus der Deutschen Bucht warten auf ihre Evakuierung nach Hamburg. Ein Streik könnte die Situation verschärfen. (03.06.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 aktuell | 15.07.2022 | 19:00

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