Marktbericht
Stand: 06.01.2023 16:21
Sowohl der DAX als auch der US-Markt können mit den robusten US-Arbeitsmarktdaten gut leben. Denn vor allem die Reduzierung des Lohndrucks mildert die stärksten Inflationssorgen.
Thema des Tages am Nachmittag sind die erwarteten neuen Daten zum US-Arbeitsmarkt, von denen die Anleger auf Informationen zur Zinsentwicklung der US-Notenbank (Fed) warten. Dies zeigt, dass der Arbeitsmarkt in den USA zwar weiterhin angespannt bleibt, aber zumindest der Druck auf die Löhne etwas nachzulassen scheint. Es ist also sowohl für Bullen (Käufer) als auch für Bären (Verkäufer) etwas dabei.
Anleger reagieren gelassen. Der bisher so gut ins neue Jahr gestartete DAX notiert noch moderat im Plus und befindet sich etwa in der Mitte seiner bisherigen Handelsspanne von 14.388 bis 14.518 Punkten.
Zuletzt hatte sich der deutsche Markt besser entwickelt als die Wall Street mit ihren hoch bewerteten Technologieaktien, wo Zinsängste nach wie vor der dominierende Negativfaktor sind. In Deutschland hingegen hat sich vorsichtiger Konjunkturoptimismus breit gemacht und wirkt unterstützend. Ein beachtliches Wachstum von fast 4,0 Prozent wöchentlich wird angezeigt. Allerdings stellt sich nun die Frage, ob Anleger diese Gewinne noch mitnehmen und die Widerstandsmarke von 14.500 Punkten im DAX durchbrechen können.
Wall Street steigt nach Jobdaten
Ein eher seltenes Bild bestimmt zumindest in dieser Woche den Handel in New York, denn die Hauptindizes steigen im frühen Handel. Der führende Dow stieg um 0,8 Prozent. Allerdings fallen die Gewinne an der zinssensitiven Technologiebörse Nasdaq geringer aus, da die Arbeitsmarktdaten nicht das Ende des Zinszyklus der Fed signalisieren.
Die Arbeitsmarktdaten wurden jedoch weitgehend positiv aufgenommen, zumal die Stundenlöhne, insbesondere inflationsbereinigt, im Dezember weniger als erwartet gestiegen sind. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Monatsvergleich um 0,3 Prozent, teilte das US-Arbeitsministerium am frühen Nachmittag vor Börseneröffnung in Washington mit. Volkswirte hatten mit einem durchschnittlichen Plus von 0,4 Prozent gerechnet.
Das jährliche Gehaltswachstum beträgt 4,6 %. Hier wurde ein Plus von 5,0 % erwartet. Viele amerikanische Unternehmen klagen seit langem über Arbeitskräftemangel, weshalb die Löhne stark steigen.
Insgesamt wurden im Dezember mehr Stellen geschaffen als erwartet. Die Lohn- und Gehaltslisten außerhalb der Landwirtschaft haben im vergangenen Monat 223.000 Arbeitsplätze geschaffen, gegenüber 256.000 im November. Befragte Ökonomen hatten im Dezember nur mit 200.000 neuen Stellen gerechnet. Die Arbeitslosenquote sank im Dezember auf 3,5 Prozent. Das ist die niedrigste Arbeitslosenquote seit Februar 2020, bevor die Corona-Krise einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit auslöste.
Expertenstimmen
„Der Arbeitsmarkt in den USA bleibt robust und relativ angespannt. Bisher gibt es keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass sich das Tempo des Beschäftigungswachstums weiter verlangsamt. Die Zahlen sind robust, aber da der Lohndruck nachzulassen scheint, ist mit steigenden Zinserwartungen nicht zu rechnen“, kommentiert Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).
„Trotz aller Zinserhöhungen geht es dem US-Arbeitsmarkt gut. Die Fed konnte die Einstellungslaune der US-Unternehmen mit ihrer Straffung der Geldpolitik bisher nicht bremsen. Auch im Dezember gab es einen kräftigen Stellenaufbau.“ Die Fed werden deshalb die Zinsen weiter erhöhen», sagt VP Bank Chefökonom Thomas Gitzel.
fragte CureVac
Unter den Einzelwerten stiegen die Aktien des Impfstoffentwicklers CureVac an der Nasdaq nach einer positiven mRNA-basierten Impfstoffstudie gegen Influenza und Covid 19 um rund 15 Prozent. Auch der Bund ist an dem Tübinger Unternehmen beteiligt. Das Studium muss fortgesetzt werden. CureVac galt als großer Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid, geriet dann aber ins Hintertreffen, weil der Impfstoff nicht so gut abschnitt wie die Produkte der Konkurrenten Biontech und Moderna.
Gemischte Konjunktursignale aus Europa
Von konjunktureller Seite kommen gemischte Signale für den Aktienmarkt. Die Inflationsrate im Euroraum sank zum Jahresende aufgrund eines verhaltenen Anstiegs der Energiepreise unerwartet. Im Dezember stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 9,2 % nach 10,1 % im November und 10,6 % im Oktober.
Negative Nachrichten kamen dagegen aus der deutschen Industrie: Sie erhielt im November 5,3 Prozent weniger Neuaufträge als im Oktober. „Damit hat sich der Rückgang der Auftragseingänge verstärkt“, erklärt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.
Der Euro bleibt unter Druck
Unterdessen fiel der Euro heute unter 1,05 US-Dollar. Am Mittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0492 $ gehandelt, dem niedrigsten Stand seit etwa einem Monat. Hatte er am Morgen zeitweise 1,0537 Dollar gekostet, zahlt er aktuell 1,0511 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Vortag den Leitkurs auf 1,0601 US-Dollar festgesetzt.
Gegenwind für die Gemeinschaftswährung kam heute von schwächeren deutschen Auftragsdaten, wobei Ökonomen besonders vom Ausmaß des Rückzugs überrascht waren.
Damit basiert der Euro auf den Vortagesverlusten. Der Euro handelte über 1,06 $ pro Tag, bevor stärker als erwartete US-Arbeitsmarktdaten den Dollar ankurbelten. Auch die aktuellen Daten vom US-Arbeitsmarkt deuten nicht darauf hin, dass die Notenbank das Ende ihres Zinszyklus bereits erreicht hat. Dies stützt den Greenback.
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