Proteste gegen Teilmobilmachung: Mehr als 700 Festnahmen in Russland

Mehr als 700 Menschen wurden bei erneuten Protesten in Russland gegen die von Kremlchef Wladimir Putin wegen seines Krieges gegen die Ukraine angeordnete Teilmobilisierung festgenommen. Das Menschenrechtsportal ovd.info berichtete am Abend in Moskau von 747 Festnahmen in insgesamt 32 Städten im ganzen Land. Mindestens 380 Festnahmen wurden in der russischen Hauptstadt Moskau und 125 allein in St. Petersburg gemeldet.

Die russische Polizei ist brutal gegen Teilnehmer an behördlich verbotenen Antikriegsprotesten vorgegangen. In den sozialen Medien in St. Petersburg wurden Videos gepostet, die Männer in Kampfuniformen und Helmen zeigen, die Demonstranten schlagen. Das Portal ovd.info berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass Sicherheitskräfte Elektroschocker eingesetzt hätten.

Proteste nach der Teilmobilmachung

Kremlchef Putin will rund 300.000 Reservisten einberufen, um die nach der Niederlage der russischen Armee noch besetzten Gebiete in der Ukraine zu halten. Dies hatte bereits am vergangenen Mittwoch zu Protesten in rund 40 Städten geführt. Mehr als 1.300 Menschen wurden festgenommen. Am Mittwoch, sieben Monate nach dem Einmarsch in die Ukraine, befahl Putin eine Teilmobilisierung seiner Armee. Dies löste bei vielen Russen Panik aus.

Dutzende Menschen demonstrierten am Samstag bei kaltem und regnerischem Wetter in der russischen Hauptstadt, berichtete ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vor Ort. In zahlreichen Städten protestierten Menschen friedlich dagegen, dass Bürger in Putins Krieg in der Ukraine hineingezogen würden.

Kritik am “Stabsystem”

Offizielle Stellen kritisieren derweil zunehmend den partiellen Mobilisierungsansatz des Militärs. Der Vorsitzende des Menschenrechtsrates des russischen Präsidenten, Valery Fadeyev, forderte Verteidigungsminister Sergej Schoigu auf, das „Putschsystem“ in vielen Rekrutierungsbüros des Landes zu beenden. Sogar Männer ohne Kampferfahrung würden Befehlsentwürfe erhalten.

In der sibirischen Region Jakutien räumt der Chef der Republik, Aissen Nikolajew, ein, dass in den Ämtern des Militärbezirks Fehler gemacht wurden. Männer, die nicht in die Mobilmachung fielen, wurden einberufen. “Die Reservisten wurden falsch rekrutiert, sie müssen zurückgeschickt werden. Die Arbeit hat bereits begonnen”, sagte Nikolajew.

In den russischen sozialen Medien gibt es zahlreiche Fälle, in denen Väter kinderreicher Familien, Männer ohne Kampferfahrung oder ältere und chronisch kranke Reserveoffiziere von Aussonderungen berichten. Nikolajew sagte, dass die Entscheidungen der Militärkommissariate besser kontrolliert werden sollten.

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