Stephan Weil: „Gaspreisobergrenze bis Oktober erwartet“

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) fordert die Bundesregierung auf, den starken Anstieg der Energiepreise in den kommenden Wochen wirksam einzudämmen. „Ich hoffe, dass die Benzinpreisdeckelung im Oktober in Kraft tritt“, sagte Weil der „Bild am Sonntag“. Die Preisobergrenze für Gas – und auch für Strom – solle sowohl für private Haushalte als auch für die Wirtschaft gelten, sagte er.

Außerdem forderte Weil ein wirksames „Paket von Hilfsprogrammen wie Corona“. Klar ist, dass das Geld kosten wird, so viel, dass die Schuldenbremse nicht eingehalten werden kann. „Aber wenn wir die Unternehmen bankrott gehen lassen, wird es am Ende sehr bitter für viele und viel teurer für das öffentliche Erbe.“

Stephan Weil (SPD), Spitzenkandidat seiner Partei für die anstehende Landtagswahl in Niedersachsen und niedersächsischer Ministerpräsident

Quelle: dpa/Michael Matthey

Die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse besagt, dass Bund und Länder ihre Haushalte stets ohne Kreditaufnahme auszugleichen haben. Vor allem Finanzminister Christian Lindner und seine FDP pochen auf die strikte Einhaltung der in der Bundesregierung wegen Corona für drei Jahre ausgesetzten Regel ab 2023.

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Weil, der bei der Landtagswahl am 9. Oktober eine dritte Amtszeit anstrebt, verwies auf den Zeitdruck für die Bürger hierzulande: „Die meisten privaten Verträge mit Zulieferern laufen bis Ende des Jahres, die Menschen brauchen schnell Klarheit.“

Das aktuelle Hilfspaket der Bundesregierung gehe nicht weit genug, sagte Weil. Es fehlt der Begriff der Ökonomie. Viele Unternehmen stehen unter enormem Druck. „Vom kleinen Bäcker bis zum großen Chemiepark. Internationale Unternehmen beginnen bereits damit, die Produktion in Länder mit niedrigeren Energiekosten zu verlagern. Wenn wir nicht gegensteuern, verlieren wir viel Substanz und vor allem Arbeitsplätze.“

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Tempo fordert Weil auch bei der Strompreisbremse. „Wenn die EU nicht sehr schnell einen konkreten Lösungsvorschlag vorlegt, sollte die Bundesregierung alleine vorgehen. Die Strompreisbremse muss im Herbst kommen.“

Die Wirtschaftsministerkonferenz der Länder hat am Freitag in einer Sondersitzung die Bundesregierung einstimmig aufgefordert, eine Gaspreisobergrenze einzuführen.

Lemke: Vermeiden Sie Strom- und Gassperren

Laut Bundesverbraucherministerin Steffi Lemke sollen Strom- und Gaskunden in der Energiekrise nicht ausgesperrt werden. „Die Bundesregierung hat beschlossen, eine Strompreisbremse einzuführen“, sagte der Grünen-Politiker der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. „Dadurch wird die Zahl der Fälle sinken, in denen Menschen ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können“, sagt Lemke. “Außerdem werden wir eine Regelung gesetzlich verankern, die Strom- und Gasabschaltungen verhindert.” Beides zusammen ist ein wirksamer Schutz.

Die Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine für deutsche Verbraucher sind an diesem Montag auch Thema eines Verbrauchertages in Berlin. Lemke will seine Ideen beim Digitalevent der Verbraucherzentralen erläutern.

„Um die Folgen steigender Energiepreise und Inflation abzufedern, sind Sozialpolitik und Verbraucherschutz eng miteinander verzahnt“, sagte der Politiker. “Ich mache mir Sorgen, dass es im nächsten Winter zu sozialen Härtefällen kommen könnte.” Als Verbraucherschutzministerin ist ihr neben der Vermeidung von Strom- und Gasausfällen derzeit auch der Schutz der Mieter vor Zwangsräumungen wichtig. “Diese Maßnahmen wirken wie ein Sicherheitsnetz und nehmen viele Ängste.”

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Hohe Strom- und Gaspreise

Strom- und Gasschleusen sind bereits an bestimmte Bedingungen geknüpft. Energieversorgungsunternehmen sollten Kündigungsfristen einhalten. „Und ein Verbot darf nicht unverhältnismäßig sein“, betonte Lemke. Daher sollten Verbraucher auf besondere Schwierigkeiten hinweisen, beispielsweise wenn im Haushalt kranke Personen oder Kinder leben. Lemke kündigte an: „Jetzt geht es darum, diese Optionen für den kommenden Winter anzupassen. So stellen wir sicher, dass niemand ohne Wärme oder Strom dasteht, weil er seine Rechnungen nicht bezahlen kann.“

Lemke erinnerte an die Kommission zum Wärme- und Gasmarkt, die von der Bundesregierung beauftragt wurde, Lösungen für Gasengpässe und Preissprünge zu finden. „Ich erwarte davon Regelungen, die einerseits die Energiesicherheit garantieren, also die Versorgung der Verbraucher und der Wirtschaft, und andererseits soziale Schwierigkeiten auffangen“, sagte Lemke: „In dieser Kommission muss der Verbraucherschutz mit an den Tisch.

Damit reagierte die Ministerin auch auf die Äußerungen der Präsidentin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Ramona Pop. Pop hatte seine Verwunderung darüber zum Ausdruck gebracht, dass der Verbraucherverband nicht in die Wärme-/Gas-Expertenkommission der Regierung eingeladen worden war. „Die Verbraucher müssen die Auswirkungen der Energiepreiskrise sofort tragen“, betonte Pop.

Unterdessen forderte die Vorsitzende der Grünen-Bundespartei, Ricarda Lang, eine Preisobergrenze für Benzin für den Grundbedarf. „Die Preise müssen runter“, sagte Lang dem „Tagesspiegel“ (Sonntag). FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte der Zeitung: „Wir brauchen schnellstmöglich zwei Dinge: ein höheres Angebot an verfügbarer Energie und eine Deckelung der Strom- und Gaspreise.“ von Finanzminister Christian Lindner. „Im Gegenzug erwarten wir jetzt auch von den Grünen, dass sie endlich zum Thema Atomkraft kommen“, warnte Dürr.

County Council: Gas- und Strompreisbegrenzung, Streichung des Gaszuschlags

Auch der Deutsche Kreisverband forderte eine Deckelung der Strom- und Gaspreise. „Bürger und Unternehmen können steigende Gas- und Stromkosten sowie eine hohe Inflation nicht mehr ertragen“, sagte der Kreistagsvorsitzende Reinhard Sager den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag). Auch die Bundesregierung sollte Energietarife und Steuern auf das europäische Minimum senken.

Sager forderte auch die Abschaffung der Gassteuer. Sie ist ein falscher Weg. Stattdessen ist die Unterstützung einzelner Energieunternehmen mit Bundesmitteln die bessere, unbürokratischere und effektivere Alternative.

„Wir müssen alles tun, um energieautarker zu werden“, warnte Sager. Hierfür sollten alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Sager sprach sich für mehr Solaranlagen auf dem Dach aus. Dabei wurde eine hinderliche Denkmalschutzverordnung auf den Prüfstand gestellt.

Der Vorsitzende des Kommunalverbandes hat sich zudem für einen „vorübergehend begrenzten Weiterbetrieb der noch in Betrieb befindlichen oder stillgelegten, aber noch nicht stillgelegten deutschen Kernkraftwerke“ eingesetzt.

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