Marktbericht
Stand: 30.08.2022 16:16
Nach viel Trübsinn in letzter Zeit nutzen die Anleger jetzt fallende Kurse als Starthilfe. Hier helfen Anzeichen niedrigerer Energiepreise. Aber es ist noch zu früh, alles klarzustellen.
Im Gegensatz zu den jüngsten Verlusten wenden sich die Anleger wieder Aktien zu. Der DAX steigt wieder über 13.000 Punkte. In der Spitze stieg der Leitindex auf 13.154 Punkte. Allerdings sinken die Gewinne derzeit wieder: Der Index kann dieses Niveau nicht halten und kämpft erneut mit der Rundenmarke. Das bisherige Tagestief lag bei 12.919 Punkten.
Zum Handelsstart geht es auch an der Wall Street bergauf, wenn auch nicht so turbulent wie hierzulande. Der führende Dow Jones gewann bescheidene 0,2 Prozent, die Technologiebörse Nasdaq fast ein halbes Prozent. Der Tagestrend steht nicht fest, die Richtung könnte sich auch drehen.
Laut Börsenmaklern ist in einem allgemein düsteren Umfeld nicht viel mehr als eine Erholung zu erwarten. „Die Zentralbanken haben deutlich gemacht, dass die Bekämpfung der hohen Inflation ihre oberste Priorität ist“, sagte Marktanalyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Die sogenannte harte Landung, also das Akzeptieren einer Rezession, könnte der Preis dafür sein.
Inflationsdaten sprechen eine klare Sprache
Höhere deutsche Inflationszahlen treten heute jedoch zumindest kurzfristig in den Hintergrund. Die Botschaft der neuesten Daten ist klar. Denn im August stieg die Inflationsrate deutlich auf die erwarteten 7,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Im Juni und Juli bremsten der Spritrabatt und der Neun-Euro-Schein die Inflation etwas auf 7,6 bzw. 7,5 Prozent. Beide Lockerungsmaßnahmen laufen aus: Experten rechnen im Herbst mit zweistelligen Inflationsraten.
Was den Druck auf die EZB erhöht, am 8. September mit deutlichen Zinserhöhungen zu reagieren. Eine Erhöhung um 75 Basispunkte wird derzeit am Markt für möglich gehalten, 50 Basispunkte sind bereits fest kalkuliert.
Der August sei wohl nur “der Auftakt zu einem warmen Inflationsherbst”, erklärte LBBW-Analyst Elmar Völker. Im September wirken sich das Auslaufen des Pfandrabatts und des Neun-Euro-Tickets preistreibend aus, im Oktober folgt der Gaszuschlag.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte bereits vergangene Woche davor gewarnt, dass die Inflationsrate in den Herbstmonaten auf zehn Prozent steigen werde. Zweistellige Inflationsraten wurden zuletzt vor mehr als 70 Jahren in Deutschland gemessen; im vierten Quartal 1951 seien es nach damaligen Berechnungen elf Prozent gewesen, sagte Nagel der “Rheinischen Post”.
Die Energiepreise fallen
Gewinnmitnahmen am Energiemarkt, der Haupttreiber des aktuellen Inflationsszenarios, tragen jedoch zu einer Entspannung der Situation an den Aktienmärkten bei. Die europäischen Erdgas-Futures fielen um fast ein Prozent auf 265 Euro pro Megawattstunde und blieben damit mehr als 20 Prozent unter ihrem Allzeithoch vom Freitag. Auf der wichtigsten europäischen Handelsplattform TTF ist der Preis für eine Megawattstunde Erdgas seit Ende vergangener Woche um fast ein Drittel auf 250 Euro gefallen.
Ausgelöst wurde der Ausverkauf nicht nur durch überraschend hohe Füllstände bei Gasspeichern in Deutschland, sondern auch durch Meldungen, dass die Bundesregierung einer Gaspreisobergrenze zustimmen könnte. Analysten von EnergyScan, dem Datenlieferanten des Energieversorgers Engie, schreiben, dass besonders spekulativ orientierte Anleger den Markt verlassen, um nach Einführung der Preisobergrenze nicht mit Verlust verkaufen zu müssen.
Wirtschaftsupdate vom 30.08.2022
Stefan Wolff, Personal, 30.08.2022 09:45 Uhr
Die Ölpreise sind etwas gesunken
Nach der Rallye zu Wochenbeginn fällt auch der Ölpreis wieder. Anleger befürchten, dass aggressivere Zinserhöhungen der Zentralbanken eine globale Konjunkturabschwächung auslösen und die Rohstoffnachfrage beeinträchtigen könnten.
Weniger Lieferengpässe in der Branche
Die deutsche Industrie sendet positive Signale für die Konjunktur: Klagen über fehlende Vorprodukte und Rohstoffe gab es im August so wenig wie seit einem Jahr nicht mehr. 62 Prozent der Unternehmen meldeten Engpässe, im Juli waren es 73,3 Prozent, wie das ifo Institut in München heute mitteilte.
„Von einer dauerhaften Lockerung kann leider noch keine Rede sein“, sagte ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe. „Der Rückgang ist noch zu gering, um einen nennenswerten Impuls in der Industrieproduktion auszulösen und damit die Wirtschaft anzukurbeln.“
Der Euro steigt gegenüber dem Dollar über die Parität
Der Euro stieg bis zum Nachmittag leicht an. Derzeit kostet die Gemeinschaftswährung 1,0020 US-Dollar. Damit liegt er leicht über der Parität zur US-Währung. Auch die Inflationserwartungen spielen eine Rolle. Sollte die EZB gezwungen sein, den Leitzins deutlicher als erwartet anzuheben, würde sich dies stützend auf die Gemeinschaftswährung auswirken. Experten führen die Erholung auch auf den deutlichen Rückgang der europäischen Gaspreise zurück.
US-Daten im Fokus
Bevor am Donnerstag und Freitag der vielbeachtete ISM-Industriestimmungsindex in den USA auf sich aufmerksam macht, stehen heute Nachmittag die Daten des privaten Forschungsinstituts Conference Board zum Verbrauchervertrauen im August zur Verfügung. Die Stimmung dürfte sich im Vergleich zum Monat Juli verbessert haben: Das wird…