Doris Pettighofer, Geschäftsführerin der österreichischen Plattform für Alleinerziehende, sagte gegenüber Radio Wien, die maximale Einkommensgrenze liege bei 1.100 Euro netto. Inflationsanpassungen geben Familien mehr Geld und verlieren dadurch ihre Ansprüche.
Dann können die Eltern das Essen oft nicht mehr bezahlen und machen Schulden bei der MA 11. Dadurch „verlieren die Kinder ihr Zuhause, mit allen Konsequenzen für die Eltern“, sagt Pettighofer.
Immer mehr Eltern wenden sich an die Plattform
Laut Pettighofer nutzen seit dem Frühjahr immer mehr Familien die Plattform. Sie beschweren sich, dass sie gegenüber der Stadt Wien Schulden für Lebensmittelspenden haben. „Wegen dieser Schulden werden Betreuungsverträge gekürzt oder gekündigt“, sagt Pettighofer. Als problematisch sieht sie zwei Punkte. Zum einen würde die Grundversorgung der Kinder wegfallen und zum anderen, dass die Kinder den Betreuungsplatz durch die fortdauernde Verschuldung verlieren würden.
Pettighofer betonte, dass sich die Plattform seit Juni mehrfach an die Stadt Wien gewandt habe, jedoch ohne Erfolg. Auf Nachfrage von Regierungsrat Christoph Wiederkehr (NEOS) wurde ihm mitgeteilt, dass sie dafür zuständig seien und das Problem kennen. Immer weniger Anträge werden von der Stadt bewilligt, wie der Jahresbericht des Wiener Kinder- und Jugendwerks zeigt. Seit 2017 haben sich die Anträge auf 7.000 halbiert. „Das heißt aber nicht, dass es immer weniger armutsgefährdete Familien gibt“, sagt Doris Pettighofer, im Gegenteil.
Noch wichtiger ist die Zahl der Genehmigungen: 2020 wurden mit 3.657 Genehmigungen mehr als 60 Prozent weniger Anträge bewilligt als 2017 mit 9.433 Genehmigungen.
Erst wenn die Schulden beglichen sind, wird der Platz zurückgewonnen
Ein weiteres großes Problem ist laut Pettighofer die 2019 eingeführte Regelung, dass auch eine Ratenvereinbarung Kinder nicht auf einen vollen Betreuungsplatz zurückführt. Zunächst müssen die Rückstände vollständig bezahlt werden, dann können die Kinder wieder ganztägig in den eigentlich kostenlosen Stadtkindergarten zurückkehren. Konkret bedeutet dies, so die Geschäftsführerin, dass die verspätete Auszahlung der Essensbeiträge dazu führen würde, dass sich die Betreuungszeiten in der Kita auf den Vormittag beschränken würden.
Pettighofer schilderte Radio Wien einen weiteren besonders dramatischen Fall, in dem die Brüder Schulden machten. “Das letzte Kind von vier Kindern kann sich nicht mehr um die Kita kümmern.” Dies ist also ein spezieller Fall, in dem ein Kind die Armut der Familie berücksichtigen muss.