Zu viel Druck und zu wenig Einschätzung: Dropout nimmt zu

Veröffentlicht am 4. Dezember 2022, 04:26

Betroffene berichten: „Wutausbrüche und verbale Gewalt“ – deshalb brechen Jugendliche ihr Lernen ab

11.810 Lehrlinge, die 2017 ihre Ausbildung begonnen haben, haben ihren Vertrag gekündigt. Vier Aussteiger erklären, was sie zu dieser Entscheidung bewogen hat.

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Noch nie haben so viele junge Menschen ihr Studium abgebrochen: Vier junge Menschen erzählen, was sie dazu bewogen hat.

20min/Anna Bila

Nach nur drei Monaten brach Jannik (18) seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner ab. Der Druck in der Schule war so groß, dass ich einfach alles Lernen akzeptiert habe.

20min/Ella Celik

Auch Allyson (19) erlebte diesen Druck. „Unser Lehrer hat uns einen Kinogutschein gegeben, wenn wir eine Lehrstelle hatten“.

imago images/Geisser

Das ist es, worum es geht

  • 22,4 % aller Lehrlinge brachen die Berufsausbildung ab.

  • Vier Lehrabgänger erklären nun, was sie zu dieser Entscheidung bewogen hat.

Noch nie haben so viele junge Menschen ihre Ausbildung verlassen: 22,4 Prozent aller Auszubildenden, die 2017 ihre Ausbildung begonnen haben, beendeten ihren Vertrag während der Ausbildung, das sind mehr als je zuvor. Vier Lehrabgänger berichten, warum sie ihre Ausbildung nicht beendet haben und was sich ändern sollte, um das Arbeitsklima im Ausbildungsbetrieb zu verbessern.

„Der Druck, sich für eine Ausbildung zu entscheiden, ist einfach zu hoch“

Allyson (19) kennt diesen Druck. Wir haben alle versucht, so schnell wie möglich einen Ausbildungsplatz zu bekommen.”

Privatgelände

Jannik (18) beendete seine Ausbildung nach nur drei Monaten: „Im Sommer 2020 habe ich meine Ausbildung zum Landschaftsgärtner begonnen.“ Er entschied sich dafür, weil er nur einen Job wollte. Die Lehrer der Schule setzten den Schüler so unter Druck, dass er das erstbeste Jobangebot annahm. “Ich wollte nur, dass der ganze Druck aufhört.” Er erhielt wenig Unterstützung von der Schule für seine Entscheidung. „Während der Probezeit habe ich gemerkt, dass mir der Job überhaupt nicht gefällt“, sagt der 18-Jährige. “Nach der Probezeit habe ich meinen Arbeitsvertrag gekündigt.”

Auch Allyson (19) kennt diesen Druck. „Dann hat unser Lehrer jedem Schüler einen Gutschein gegeben, als er einen Ausbildungsplatz bekommen hat. Also haben wir alle versucht, so schnell wie möglich eine Lehrstelle zu bekommen, um belohnt zu werden.“ Wer noch keine Lehre gemacht hat, fühlt sich schlecht.

„Junge Menschen wollen ernst genommen und fair behandelt werden“

Nach nur einem Jahr brach die Zürcherin Lorena (20) im Juli 2018 ihre kaufmännische Lehre bei einem grossen Zürcher Unternehmen ab. «Ich musste während meiner Lehre viele herablassende Kommentare hören. Oft lag es nur an seinem Aussehen. „Nur weil ich mich gerne schminke und lange Nägel trage, musste ich oft das Gefühl haben, dass mir nur mein Äußeres wichtig ist und ich meinen Job nicht richtig machen kann. Das Arbeitsumfeld hat mir überhaupt nicht gefallen.”

Bei ihren Eltern sei die Entscheidung nicht gut angekommen, sagt die 20-Jährige. Er erhielt auch kein Arbeitszeugnis für das ganze Jahr. “Ich hatte Probleme, etwas Neues zu finden.” Als Folgelösung entschied sich Lorena für eine private Business School. „Im letzten Ausbildungsjahr muss man ein Praktikum machen, das mache ich gerade, aber wir stehen auch hier unter großem Druck.“ Geprüft wurde die Zahl der Bewerbungen von Studierenden. In der Berufswelt wünscht sich Lorena mehr Wertschätzung für Auszubildende und Praktikanten. “Junge Leute wollen ernst genommen und fair behandelt werden, dann arbeiten sie gerne für das Unternehmen.” Natürlich spielen auch Ausbildungs- und Ausbildungsvergütungen eine Rolle.

“Aufgrund der geschäftlichen Umstände ging es mir immer schlechter”

Das Verhältnis zu meinem Lehrer war so schlecht, dass ich meine Ausbildung abbrechen musste.

Privatgelände

„Wutausbrüche und verbale Gewalt“ musste der Berner KE (22) während seiner Lehre als Produktionsmechaniker EFZ über sich ergehen lassen. Das Verhältnis zu seinem Lehrer war von Anfang an sehr schlecht und hat sich im Laufe der Zeit nicht verbessert. Der Lehrer hatte oft Angst vor Kleinigkeiten. Das musste KE entschärfen: „Ich habe mich oft selbst beschimpft und bei kleinen Fehlern völlig überreagiert.“ Nach einem halben Jahr musste er seine Ausbildung aufgeben, nicht weil ihm der Beruf nicht gefiel, sondern weil KE durch die betrieblichen Umstände psychisch immer schlechter wurde. „Zunächst habe ich mich für eine Ausbildung zum Produktionsmechaniker entschieden, weil mich der Beruf des Mechanikers fasziniert hat.“ Auch während der sechsmonatigen Ausbildung machte ihm der Job Spaß.

Aus Mangel an Einkommen begann der 22-Jährige eine neue Ausbildung als Gebäudetechniker. „Dort hat es mir viel besser gefallen, aber auch in der neuen Firma musste ich spüren, dass in meiner Grundausbildung etwas schief gelaufen ist.“ Die zweijährige Ausbildung hat KE allerdings 2020 abgeschlossen. Aber es geht ihm noch immer nicht gut: „Aufgrund meiner Erfahrungen befinde ich mich derzeit in psychologischer Behandlung.“

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