Wegen Sabotage: Können die Russen Nord Stream 2 noch starten?

Sabotageaktion als Vorteil

Kann Putin Nord Stream 2 noch mit einem Trick starten?

Der Winter naht, Europa braucht Gas. Ausgerechnet die sanktionierte Gaspipeline Nord Stream 2 hat bei dem angeblichen Sabotageakt in der Ostsee Ende September den geringsten Schaden erlitten. Jetzt könnte es für Russland nützlich sein.

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Am 26. September kam es in der Ostsee zu mehreren Explosionen, die zu unkontrollierten Gaslecks aus den Nord Stream-Pipelines führten.

Russland bemüht sich um eine Aufhebung der Sanktionen nach der angeblichen Sabotage der Nord-Stream-Gaspipelines. Nach Angaben aus Moskau wurde die Pipeline Nord Stream 2 bei den Explosionen Ende September weniger stark beschädigt als Nord Stream 1. Die beiden meist parallel verlaufenden Pipelines bestehen jeweils aus zwei Strängen. Nach Angaben des russischen Staatskonzerns Gazprom war die Kette B von Nord Stream 2 offenbar intakt.

Sowohl Nord Stream 1 als auch Nord Stream 2 werden letztendlich von Gazprom über Betreibergesellschaften kontrolliert. Zu einer möglichen Wiederaufnahme der Gaslieferungen nach Deutschland sagte der russische Energieminister Alexander Nowak am Mittwoch im Staatsfernsehen: „Was Nord Stream 2 betrifft, so ist diese Gaspipeline nach vorläufigen Einschätzungen wirklich in einem technisch ausreichenden Zustand“. Gleichzeitig forderte Nowak Russland auf, sich an der Untersuchung der mutmaßlichen Sabotage zu beteiligen. Nach Angaben des Kremls darf sich Russland nicht an internationalen Ermittlungen beteiligen.

Insolvenz wegen US-Sanktionen

Gazprom teilte am Montag mit, dass man daran arbeite, den Druck auf Zweig B von Nord Stream 2 zu verringern. Dazu entleere der Konzern die mit Erdgas gefüllte Pipeline. „Dies soll es ermöglichen, die Unversehrtheit der B-Leitung sicher zu überprüfen und mögliche Umweltrisiken im Falle möglicher Gaslecks zu reduzieren“, schrieb Gazprom in einer Erklärung. Für den Fall, dass die Regulierungsbehörden diese Möglichkeit bestätigen, ist es nach Prüfung des Systems nun möglich, die Gasversorgung über den Zweig B von Nord Stream 2 aufzunehmen.

Gasleck in der Ostsee: EU geht von Sabotage aus (01:23)

Bundeskanzler Olaf Scholz (64) stoppte am 22. Februar den Nord Stream 2-Zertifizierungsprozess aus Angst vor einer russischen Invasion in der Ukraine. Infolgedessen wurde die fertiggestellte Pipeline nicht in Betrieb genommen. Auch der Betreiber Nord Stream 2 AG wurde von den USA sanktioniert. Das Zuger Unternehmen musste alle Mitarbeiter entlassen und Konkurs anmelden.

Wer hinter dem Angriff steckt, ist unklar

Da Linie B von Nord Stream 2 offenbar in Betrieb ist, will Russland nun die Aufhebung der Sanktionen; schließlich kann die Pipeline nicht in Betrieb genommen werden. Dies wird im Westen mitunter als Hinweis darauf interpretiert, dass Russland selbst hinter der Sabotage der eigenen Gaspipelines stecken könnte. Moskau hat bereits mit Nord Stream 1 in Europa Lobbyarbeit betrieben und technische Probleme angeführt, die aufgrund von Sanktionen gegen Russland nicht gelöst werden konnten, als noch in begrenztem Umfang Gas durch die Pipeline floss.

Allerdings stehen auch die USA im Verdacht, mit den beschädigten Pipelines in Verbindung zu stehen: Im Februar drohte US-Präsident Joe Biden (79) damit, Nord Stream 2 zu beenden, falls Russland in die Ukraine einmarschiert. „Es wird kein Nord Stream 2 mehr geben“, sagte Biden. Er verspricht, dass du es schaffst. Ähnlich äußerte sich seine Staatssekretärin für politische Angelegenheiten, Victoria Nuland (61). Sollte Russland in die Ukraine einmarschieren, werde Nord Stream 2 „so oder so“ gestoppt.

„Er wird es beenden“: Biden droht, Nord Stream 2 vor dem Krieg zu blockieren (00:55)

Aufgrund der Sanktionen gegen Russland werden auch die USA zu einem immer wichtigeren Energielieferanten für Europa. Dass mittlerweile viele europäische Lagertanks mit Flüssiggas aus den USA gefüllt sind, wird unter anderem vom Kreml als Grund dafür angeführt, dass die USA für den Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines verantwortlich sind.

Die Explosionen, die den Bruch der Pipeline in Ostee verursachten, ereigneten sich am 26. September. Nach Angaben des Schwedischen Seismologischen Dienstes erreichten sie eine Stärke von 2,2 auf der Richterskala. Schwedische und dänische Ermittler sagten, die Explosionen entsprachen mehreren hundert Kilogramm des Sprengstoffs TNT.

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