“Wagner-Linie” in der Ostukraine Russen errichteten 50 Kilometer hinter der Front Panzersperren
22.10.2022, 09:49 Uhr
In der Ukraine liegt der Fokus vor allem im Süden, auf Cherson und dem dortigen Staudamm. Aber auch im Osten sichern die Russen ihre Stellungen. Allerdings rund 50 Kilometer hinter der aktuellen Front. Gehen Sie von einem Gebietsverlust aus?
Aktuelle Satellitenbilder zeigen eine neue russische Verteidigungslinie in der Ostukraine. Fotos des Zulieferers Maxar und der Europäischen Weltraumorganisation ESA zeigen Hunderte kleiner Betonpyramiden, die in zwei Linien bei Hirske errichtet wurden. Offenbar sollen sie ukrainische Militärfahrzeuge stoppen. Es ist erstaunlich, wie weit diese Linie von der heutigen Frontlinie entfernt ist. Hirske liegt etwa 25 Kilometer südlich von Lysychansk, das unter russischer Kontrolle steht, und gut 50 Kilometer östlich von Bachmut, wo jetzt die Front ist und wo die Russen angreifen, also vorrücken.
Wie CNN berichtet, sind die in zwei Doppelreihen im Abstand von rund einem Kilometer bei Hirske angelegten Betonblöcke auch als “Wagner-Linie” bekannt und beziehen sich auf russische Söldnertruppen, die heute eine wichtige Stütze des Russlandfeldzugs sind. Auf den nebenstehenden Bildern ist auch ein Graben zu sehen. Laut CNN zeigen ESA-Bilder, dass es zwischen dem 25. September und dem 5. Oktober ausgegraben wurde.
Ein russischer Sender sprach von einer “zweiten Verteidigungslinie”, falls die Ukrainer dort durchbrechen sollten. Kein Wunder, dass die Vorbereitungen laufen: Das ist die Region, in der die Ukrainer im September überraschend stark zugelegt haben. Angesichts der kurzen Dauer könnten sich jedoch Möglichkeiten für ukrainische Streitkräfte ergeben, die Linie zu umgehen. Eine Hauptstraße nach Luhansk, der wichtigen Hauptstadt der Region, verläuft in der Nähe von Hirske. Die gleichnamige Region ist eines der kürzlich von Russland annektierten Gebiete.
CNN zitiert eine russische Zeitung mit der Aussage, es gebe Pläne, die Linie von der russisch-ukrainischen Grenze nach Kreminna und dann nach Süden bis Svitlodarsk zu verlängern. In diesem Fall müsste es allein in diesem letzten Nord-Süd-Abschnitt fast 100 Kilometer lang sein. Laut einer CNN-Berechnung müssten insgesamt 217 Kilometer asphaltiert werden. Auf den Satellitenbildern waren jedoch keine weiteren Bauaktivitäten zu erkennen.