Vizepräsidentin Kaili festgenommen: Korruptionsermittlungen erschüttern EU-Parlament

Ausländischer Einfluss von Katar?

Korruptionsermittlungen erschüttern EU-Parlament, Vizepräsident festgenommen

Stand: 10:44 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Vizepräsidentin Eva Kaili festgenommen

Eva Kaili, eine der Vizepräsidentinnen des Europäischen Parlaments und griechische Europaabgeordnete, wurde in ihrem Haus in Brüssel festgenommen. Der Vorwurf gegen sie: Katar habe sie bestochen, um die EU-Politik in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Katar soll Medienberichten zufolge versucht haben, das Europaparlament beispielsweise mit Geschenken zu beeinflussen. Inzwischen hat es 16 Durchsuchungen und mehrere Festnahmen gegeben, darunter offenbar auch die von Vizepräsidentin Eva Kaili. 600.000 Euro Bargeld wurden beschlagnahmt.

Im Zusammenhang mit den Korruptionsermittlungen in Belgien wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Eva Kaili, festgenommen. Das hatte zuvor die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Kreise gemeldet. Die Griechin war bereits am Freitagabend aus ihrer Partei, der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok), ausgeschlossen worden. Sie wird nun von Ermittlern befragt.

Bei den Ermittlungen gehe es um eine mutmaßliche kriminelle Vereinigung sowie um Korruptions- und Geldwäschevorwürfe, teilte die Behörde mit. Seit einigen Monaten gibt es den Verdacht, dass ein Golfstaat versucht, die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen des EU-Parlaments zu beeinflussen.

Hohe Geldsummen oder Sachgeschenke sollen an Personen im Parlament verteilt worden sein, die eine politische oder strategische Position innehatten. Nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft gab es in dem Fall am Freitag 16 Durchsuchungen und fünf Festnahmen.

Die Staatsanwälte sagten nicht, welcher Golfstaat angeblich versucht, das Parlament zu beeinflussen. Nach Recherchen der Zeitung „Le Soir“ und des Magazins „Knack“ handelt es sich um das Emirat Katar.

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Am 21. November hielt der Grieche Kaili im Europäischen Parlament eine Rede zur WM in Katar. Darin bezeichnete er das Sportereignis als Beweis, “dass Sportdiplomatie in einem Land, dessen Reformen die arabische Welt inspiriert haben, historische Veränderungen herbeiführen kann”. Katar hat zum Beispiel eine Vorreiterrolle bei Arbeitsrechten eingenommen.

Parteichef Nikos Androulakis gab am Freitag Kailis Ausschluss aus der Partei bekannt. Sie ist seit 2014 Europaabgeordnete und seit 2022 eine der 14 Vizepräsidentinnen des Parlaments. Von 2004 bis 2007 war sie laut ihrem Lebenslauf auf der Website des Parlaments Nachrichtensprecherin und Journalistin, später auch PR-Beraterin Griechenland.

Das EU-Parlament steht im Fokus umfangreicher Korruptionsermittlungen belgischer Ermittler

Quelle: dpa/Philipp von Ditfurth

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat die belgische Polizei seit Monaten den Verdacht, dass ein Golfstaat versucht, Einfluss auf die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen des Europäischen Parlaments zu nehmen. Hohe Geldsummen oder Sachgeschenke sollen an Personen im Parlament verteilt worden sein, die eine politische oder strategische Position innehatten.

Unter den Befragten sei auch ein ehemaliger Europaabgeordneter, sagte er. Bei den Durchsuchungen wurden laut Staatsanwaltschaft 600.000 Euro Bargeld und Handys beschlagnahmt.

Geld sollte bei den Entscheidungen von Europas größtem Parlament keine Rolle spielen

Ein Sprecher des Europaparlaments sagte auf Anfrage, es gebe keine Stellungnahme zu laufenden Ermittlungen. Wir werden jedoch uneingeschränkt mit den zuständigen Behörden kooperieren.

Ähnlich äußerte sich die sozialdemokratische Fraktion im Parlament. Die Fraktion hat null Toleranz für Korruption. Gleichzeitig müssten die parlamentarischen Arbeiten zu allen die Golfstaaten betreffenden Themen und die Plenarabstimmungen darüber ausgesetzt werden.

Der Co-Vorsitzende der Anti-Korruptions-Task Force des Parlaments, Daniel Freund, zeigte sich schockiert über die Ermittlungen. „Die Vorwürfe müssen lückenlos aufgeklärt werden“, sagte der Grünen-Politiker. Geld sollte bei den Entscheidungen von Europas größtem Parlament keine Rolle spielen. Es gibt einen enormen Vertrauensverlust.

Die deutsche Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Nicola Beer, erwartet die Konsequenzen. Kaili solle zunächst von ihrem Amt als Vizepräsidentin des Europaparlaments zurücktreten, sagte die FDP-Politikerin am Samstag. Erhärten die Ermittlungen den Korruptionsverdacht, soll auch Kaili als Abgeordnete zurücktreten. Sie haben das Vertrauen der Bürger in das Europäische Parlament erschüttert.

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