Wenn der überwältigte und verwundete Geiselnehmer im Gefängnis Burg Halles Mörder ist
13.12.2022, 06:25 Uhr
In einer Justizvollzugsanstalt bei Magdeburg hat ein Häftling am Montag zwei Bedienstete als Geiseln genommen. Es kann jedoch später gemeistert werden. Der 30-Jährige gilt inzwischen als der Halle-Killer, der 2019 eine Synagoge massakrieren wollte.
Der Geiselnehmer in der Justizvollzugsanstalt Burg bei Magdeburg war der rechtsextreme Mörder von Halle Stephan B. Der 30-Jährige wurde am Montagabend nach weniger als einer Stunde überwältigt. Das Justizministerium bestätigte entsprechende Angaben aus Sicherheitskreisen.
Demnach übernahm der Häftling gegen 21 Uhr abends vorübergehend die Kontrolle über zwei Bedienstete. Der Täter sei von anderen Justizvollzugsbeamten im Gefängnis überwältigt worden, sagte er. B. wurde verletzt. Die Mitarbeiter erlitten den Angaben zufolge keine körperlichen Verletzungen, werden aber behandelt.
Die genauen Hintergründe der Tat sind noch unklar. Dazu gehört, wie genau der Gefangene die Diener gefangen nehmen konnte. Die Geiselnahme löste einen Großeinsatz der Polizei aus. Die Beamten hatten schwer bewaffnet vor dem Gefängnis Stellung bezogen. Das Landeskriminalamt ermittelt in der Justizvollzugsanstalt.
Der Mörder von Halle wurde am 21. Dezember 2020 zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Seine Haftstrafe verbüßt er in der Justizvollzugsanstalt Burg. Es ist das größte und modernste Hochsicherheitsgefängnis in Sachsen-Anhalt.
Unkooperativer und schwieriger Gefangener
B. gilt als unkooperativer und schwieriger Gefangener. Am Pfingstwochenende 2020 versuchte er als Angeklagter im Prozess Halle, aus der JVA Halle zu fliehen. Während eines Spaziergangs im Hof kletterte er über einen 12-Fuß-Zaun und verbrachte fünf Minuten damit, unbeaufsichtigt nach einem Weg aus dem Gefängnis zu suchen, bevor Gerichtsbeamte ihn erneut erwischten.
Am 9. Oktober 2019 versuchte der rechtsextreme Attentäter, am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, die Hallesche Synagoge zu stürmen und ein Massaker anzurichten. Er warf Brand- und Sprengsätze und feuerte auf die Zugangstür. Als er das Gelände nicht betreten konnte, ermordete er vor der Synagoge einen 40-jährigen Passanten und einen 20-jährigen Mann in einem nahe gelegenen Dönerladen. Auf der Flucht verletzte er weitere Personen.
Nach Angaben des Justizministeriums verfügt die Justizvollzugsanstalt Burg unweit der Autobahn 2 über 637 Plätze in einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt. Außerdem sind 18 Plätze für die Untersuchungshaft reserviert.