Todesdrama im Schloss Bellevue | Grünen-Politiker Werner Schulz bricht zusammen und stirbt

Todesdrama im Schloss Bellevue |

Grünen-Politiker Werner Schulz bricht zusammen und stirbt

Trauer im Schloss Bellevue.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler und spätere Grünen-Politiker Werner Schulz starb am Mittwoch im Palais des Bundespräsidenten, wo er als Redner an einer Gedenkveranstaltung am 9. November teilnehmen sollte.

Das gab Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während der Konferenz bekannt. Schulz wurde 72 Jahre alt.

Gegen 12 Uhr brach Schulz auf der Toilette zusammen. Wie BILD weiß, versuchte Josef Schuster (68), Präsident des Zentralrats der deutschen Juden und Arzt von Beruf, Schulz wiederzubeleben. Vergeblich

Schuster soll den Großen Saal des Schlosses Bellevue unmittelbar vor seiner Rede verlassen haben – wegen eines “Notfalls”, wie es der Konferenzmoderator ausdrückte.

2015 erhielt Werner Schulz vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck (l.) im Schloss Bellevue den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Eine gute Stunde später unterbrach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (66) die Trauerfeier, teilte den Gästen die traurige Nachricht mit und hielt eine kurze Ansprache mit einer Schweigeminute für die Verstorbenen. Steinmeier: „Hier gab es eine Notoperation für einen uns lieben Menschen, der mir in allen Belangen zwischen Ost und West ein guter Ratgeber war.“ Schulz war einer von denen, “die die Mauer zum Einsturz brachten”.

Steinmeier: „Wir hatten einen Notarztdienst. Danke auch an Herrn Schuster für die Hilfe bei den Reanimationsbemühungen. Leider blieben sie am Ende erfolglos. Werner Schulz ist verstorben. Ich bitte Sie um eine Schweigeminute.“

Die Veranstaltung beschäftigte sich mit der Ambivalenz des Deutschen Gedenktages und historischen Ereignissen, die auf den 9. November fallen, wie die Ausrufung der Republik 1918, die Reichspogromnacht 1938 und der Fall der Berliner Mauer 1989.

Trauer um Werner Schulz (✝︎72)

Schulz wurde am 22. Januar 1950 in Zwickau geboren. Er studierte Chemie und Lebensmitteltechnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ab 1968 war er in verschiedenen Gruppierungen der DDR-Opposition aktiv. 1989 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Neuen Forums, das er am Runden Tisch vertrat. 1990 wurde Schulz Mitglied der ersten gewählten Volkskammer der DDR. Von Oktober 1990 bis Oktober 2005 war er Bundestagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen und von 2009 bis 2014 im Europäischen Parlament.

Schulz wurde im vergangenen Juni für seinen Einsatz für Demokratie und Widerstand gegen Russland mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet.

Bundespräsident und sein Amtsvorgänger Joachim Gauck lobten ihn als Verteidiger demokratischer Werte. „Unsere Zeit, geprägt von teils hasserfüllten und faktenverleugnenden Debatten und einer bemerkenswerten Zahl wütender Bürger, die die freiheitliche Demokratie ablehnen, braucht Vorbilder“, sagte Gauck damals.

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