Synodenversammlung in Frankfurt Die Bischöfe sorgen für herbe Enttäuschung

Stand: 09.09.2022 01:42 Uhr

Auf der Synodenversammlung in Frankfurt will die katholische Kirche Reformen wirklich vorantreiben. Doch ausgerechnet ein Text zur kirchlichen Sexualmoral scheiterte in einem Votum der Bischöfe. Die Delegierten waren entsetzt.

Auf der vierten Synodenversammlung des Reformprozesses der katholischen Kirche in Deutschland ist am Donnerstagabend ein Grundsatztext zur kirchlichen Sexualmoral nicht zur Abstimmung gelangt. Der Text, der die Sexualmoral der Kirche liberalisieren wollte, fand bei der allgemeinen Abstimmung 82 % Zustimmung. Allerdings wurde die notwendige Zweidrittelmehrheit der Bischöfe verfehlt: Nur 33 Bischöfe stimmten für den Text, bei 21 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Die Entscheidung löste eine Vertrauenskrise aus, und einige Delegierte wollten gehen.

Viele der Delegierten reagierten nach der Abstimmung mit Enttäuschung und Überraschung. „Große Enttäuschung“ sei im Raum zu spüren, sagte der Bischof von Limburg und Präsident der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Diese Mehrheiten der Bischöfe waren in der Debatte nicht erkennbar.

Starke Kritik an den Bischöfen

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, ringt um Fassung. Wenn sich dieses Abstimmungsverhalten im Text zur Rolle der Frau wiederhole, „stehen wir vor einer Katastrophe“, sagte er. „Ich hoffe, dass die Bischöfe mit ihrer Macht offen über ihre Ansichten sprechen werden.“ Das Verhalten der Bischöfe, die sich in der Debatte nicht geäußert und den Text dann abgelehnt haben, ist eine Absage an Dialog und Synodalität.

Bei einer Krisendebatte fielen scharfe Worte: Ein Delegierter warf den Bischöfen Feigheit vor. „Es kann nicht sein, dass die Gläubigen bei den Bischöfen bleiben sollen, aber die Bischöfe werden nicht bei uns bleiben!“, rief Nonne Katharina Kluitmann. Benediktinerin Philippa Rath sagte, sie befürchte, ein solches Verhalten würde die Spaltung zwischen Gläubigen und Bischöfen vertiefen. Vera Scheuermeyer, Vertreterin der jungen Katholiken, war überrascht: „Was soll ich denn sonst erwarten?“, fragte sie. Sie riskieren Freundschaften mit Ihrer Entscheidung, trotz allem in der Kirche zu bleiben.

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