Stand: 05.07.2022 09:35 Uhr
Fast die Hälfte der Stromerzeugung in Deutschland stammt in den ersten sechs Monaten dieses Jahres aus erneuerbaren Energien. Und in Zukunft sollen es noch mehr werden: Wie es aussieht, hat sich die Ampelkoalition auf einen erneuten Ausbau geeinigt.
Von Januar bis Juni deckten erneuerbare Energien 49 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland ab. Das ist das Ergebnis vorläufiger Berechnungen des Branchenverbands BDEW und des Stuttgarter Forschungsinstituts ZSW in Stuttgart. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um sechs Prozentpunkte. Dem Bericht zufolge waren dafür vor allem gute Wind- und Solarerträge im Frühjahr verantwortlich.
Der Landwind trägt am meisten dazu bei
Auf Onshore-Windenergieanlagen entfielen 21 Prozent der deutschen Stromerzeugung gegenüber 17 Prozent im Vorjahreszeitraum. Zwölf Prozent des Stroms wurden mit Solaranlagen erzeugt, ein Jahr zuvor waren es noch zehn Prozent. Zu den genauen Anteilen von Kohle, Gas und Kernkraft macht der Branchenverband noch keine Angaben.
Die Deutschen haben im ersten Halbjahr insgesamt weniger Strom verbraucht. Der Stromverbrauch sank um zwei Milliarden Kilowattstunden auf rund 281 Milliarden. Sonne, Wind und andere erneuerbare Quellen erzeugten 139 Milliarden Kilowattstunden, während konventionelle Energiequellen 159 Milliarden Kilowattstunden ausmachten. Die Differenz zwischen den insgesamt erzeugten 298 Milliarden und den verbrauchten 281 Milliarden Kilowattstunden wurde ins Ausland exportiert.
Es erfordert den Ausbau erneuerbarer Energien
BDEW-Chefin Kerstin Andreae forderte einen raschen Ausbau erneuerbarer Energien: „Sie sind der Schlüssel für die Versorgung mit Strom und grüner Wärme, eine wasserstoffproduzierende Industrie und klimaneutrale Mobilität.“ Vor allem bei der Onshore-Windenergie besteht dringender Handlungsbedarf. Ausgewiesene Bereiche fehlten noch. Der Ausbau der Onshore-Windenergie ist in den letzten Jahren ins Stocken geraten. Auch Branchenvertreter sehen einen Grund dafür in zu langen Planungs- und Genehmigungsprozessen.
Die Koalition will eine Ökostrom-Offensive
Die Koalitionsfraktionen im Bundestag haben sich Medienberichten zufolge gestern Abend auf einen massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien geeinigt. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass mehrere Gesetze den Grundstein für eine langfristig klimaneutrale Stromversorgung legen sollen. Die jüngsten Differenzen zum sogenannten Osterpaket von Wirtschaftsminister Robert Habeck seien im parlamentarischen Verfahren geklärt worden, heißt es später. Das Paket war zuvor im Kabinett gebilligt und im Bundestag beraten worden, doch die FDP hatte einige Änderungen gefordert.
Der Deal werde nun dafür sorgen, dass der zum 1. Juli auf Null gesenkte EEG-Ökostromtarif dauerhaft abgeschafft werde, sagte FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler. “Die Finanzierung erneuerbarer Energien über die Stromrechnung ist endgültig Geschichte.”
Außerdem wurde beschlossen, dass jedes Bundesland etwa zwei Prozent seiner Fläche für Windkraft zur Verfügung stellen soll. Köhler betonte, dass jedes Bundesland selbst entscheiden könne, wie es das Flächenziel erreiche, Mindestabstände zu Wohngebäuden seien also weiterhin möglich.