Stellt Habeck bei der Verstaatlichung von Uniper den Gaszuschlag in Frage?

Stand: 19.09.2022 23:09

Wackelt die Einführung des Gaszuschlags? Die Umlage darf rechtlich nicht mit der Verstaatlichung von Uniper vereinbar sein.

Von Matthias Deiß und Daniel Pokraka, ARD-Hauptstadtstudio

Angesichts der dramatischen Lage bei Uniper scheint Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck den von der Bundesregierung beschlossenen Gastarif in Frage zu stellen. Das machte Habeck in der vergangenen Woche in einer internen Sitzung der Grünen deutlich, wie die Grünen Kreise im Studio der Hauptstadt-ARD berichteten.

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Staatliche Beihilfen statt Gaszuschlag

Im Falle einer Verstaatlichung des Gasversorgers sollte laut Habeck der Idealfall mit einer Ablösung der Gasumlage durch umfassende staatliche Beihilfen einhergehen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die wirtschaftliche Lage des Gasversorgers Uniper durch die erneute Schließung der Gaspipeline Nord Stream 1 nochmals deutlich verschlechtert hat, die Verstaatlichung liegt seit Tagen in der Luft. Habeck machte bei dem Treffen deutlich, dass der Finanzierungsbedarf für Gasversorger deutlich höher sei als bei der Aushandlung des ersten Rettungspakets für Uniper.

Verstaatlichung und Einziehung rechtlich schwierig?

Der Bundeswirtschaftsminister begründete seine Abkehr vom Gaszuschlag auch mit “Zweifeln an der Finanzverfassung”. Wenn die Verstaatlichung von Uniper und die Gasabgabe tatsächlich unvereinbar wären, hätte das für das grün geführte Wirtschaftsministerium einen gewissen Charme: Die ungeliebte Abgabe könnte vor ihrem Inkrafttreten mit der Begründung wieder eingeführt werden, dass es sie nicht gäbe war kein anderes gesetzliches Gesetz. Weg, wenn Uniper wirklich sparen wollte.

Gaskunden würden die Entlastung wenige Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen zu schätzen wissen, und die zweistelligen Milliardensummen zur Rettung von Uniper sollen nicht von Verbrauchern, sondern vom Bundesfinanzminister der FDP aufgebracht werden.

Es gibt also wirklich keinen Gaszuschlag? In der SPD gab es bereits viele Kritiker dieses Instruments, die sich über eine Verstaatlichung von Uniper wohl nicht ärgern würden. Wenn die Gassteuer rechtlich nicht mehr möglich oder nicht mehr notwendig wäre, wäre sie wahrscheinlich zweitrangig.

In der Unions-Opposition würde Habeck mit seiner Idee ohnehin Türen aufstoßen. Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag ist seit langem der Meinung, dass die Steuer nicht in Kraft treten sollte. Über einen entsprechenden Antrag will sie in dieser Woche in ihrem Namen abstimmen.

Union bittet um Alternativen

„Als wichtiger Akteur im deutschen Gasmarkt braucht Uniper konkrete Hilfe“, sagt Andreas Jung, energiepolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Im Interview mit dem Hauptstadtstudio ARD wirft er der Regierung Willkür vor: “Beteiligung ankündigen, Gaszuteilung entscheiden, Verstaatlichung erkämpfen: An der Ampel läuft was schief.” Die Bundesregierung muss nun Alternativen zur Unterstützung von Uniper mit allen relevanten Informationen und Zahlen auf den Tisch legen.

Die Regierung jedoch nicht. Es bezieht sich auf „laufende“ Gespräche, für die nicht immer Zeit ist. Bleibt die Frage, ob eine Verstaatlichung von Uniper unter Beibehaltung der Gasumlage möglich wäre. Das Bundesfinanzministerium zeigt keine Bedenken. Das Ministerium will sich auf Nachfrage nicht äußern und verweist auf die Zuständigkeit des Bundeswirtschaftsministeriums.

„Zweifel aufgrund von Sachverständigengutachten“

Aus Regierungskreisen werden in der ARD-Hauptstadtstudie jedoch Bedenken Habecks laut: „Die Zweifel basierten auf dem Gutachten eines Sachverständigen einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) beauftragten Anwaltskanzlei ., der Justizminister und das Finanzministerium haben den bisherigen Weg bestätigt.

Aber auch Habecks Haus, das die Gage vergangene Woche intern in Frage gestellt hatte, ist offiziell offen und wollte sich zu Habecks Initiative nicht äußern. Auf die Frage, ob es möglich sei, Uniper zu verstaatlichen und gleichzeitig Gassteuerzahlungen zu erhalten, antwortete eine Sprecherin auf der Bundespressekonferenz: “Darauf spekuliere ich nicht.”

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