So feiert Russland Cassis lächelnd, aber falsch

Bundespräsident Ignazio Cassis erhielt nach Angaben der russischen staatlichen Nachrichtenagentur eine Medaille aus Russland.

Hat Bundespräsident Ignazio Cassis hier wirklich eine russische Medaille erhalten? – mid.ru

Bekanntmachung

das Wesentliche in Kürze

  • Der russische Außenminister Sergej Lawrow soll Ignazio Cassis mit einer Medaille ausgezeichnet haben.
  • Diese soll zumindest Aufnahmen der UN-Generalversammlung in New York zeigen.
  • In Wirklichkeit aber ist Cassis’ Lächeln die einzige Freundschaft zwischen ihm und Lawrow.

Der Spitzendiplomat der Schweiz, Aussenminister Ignazio Cassis, wird 2022 auch Bundespräsident und steht immer wieder in der Kritik. Sein diplomatisches Lächeln beim Handschlag mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow wurde ihm diese Woche zum Verhängnis. Dies sei unangemessen und eine Schande für die Schweiz, sagte er in Kommentaren im Internet und im Parlament.

Bundespräsident Ignazio Cassis schüttelt dem russischen Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen am Rande der UN-Generalversammlung am 21. September 2022 die Hand. – Twitter

Es wurde befürchtet, dass Russland es für Propagandazwecke verwenden würde. Doch Cassis gelangt zu ganz anderen und zweifelhaften Ehren. Den „Orden der Freundschaft“ erhielt er von seinem Amtskollegen bei dem Treffen während der UN-Generalversammlung in New York. Das zeigt zumindest die staatliche Nachrichtenagentur Tass auf den von ihr verbreiteten Fotos.

Ignazio Cassis aus… Venezuela?

Tatsächlich zeigt das Filmmaterial, wie Sergej Lawrow nach dem Händeschütteln etwas an das Revers seines Gegenübers heftet. Die Fotos auf der Rückseite zeigen auch, was es ist: der goldene Stern auf dem hellblau-grünen Band mit der von Olivenzweigen umgebenen Weltkugel in der Mitte. Der „Orden der Freundschaft“ wird an Personen verliehen, die sich um die Förderung der Freundschaft und Zusammenarbeit mit Russland verdient gemacht haben.

Mit den hier zu sehenden Bildunterschriften des russischen Außenministers Sergej Lawrow und „Schweizer Präsident Ignazio Cassis“ teilte Tass dieses Bild. – Bildschirmfoto tassphoto.com

Vor allem zeigen die Aufnahmen aber auch, dass Bundespräsident Ignazio Cassis in Russland keinen hohen Stellenwert genießt. Sonst wäre schnell erkannt worden, dass der abgebildete Ordensempfänger dem Tessiner nur entfernt ähnelt.

Nein, auf diesem Abzeichen steht definitiv nicht “Ignazio Cassis”. – mid.ru

Dies ist der venezolanische Außenminister Carlos Faría Tortosa, ehemaliger Botschafter in Russland. Ironischerweise trägt Herr Faría im Gegensatz zu Lawrow sogar sein UN-Zugangsabzeichen direkt unter der Medaille. Der vermeintliche Freund Cassis ist deutlich mit seinem richtigen Namen angeschrieben.

Auf der ganzen Welt verstreut

Das russische Außenministerium veröffentlichte die Fotos zusammen mit Tass. Interessanterweise werden sie auch auf der Website des Ministeriums korrekt angesprochen. Da Tass mit mehreren (westlichen) Fotoagenturen zusammenarbeitet, wurden die fehlerhaften Bildunterschriften auch in anderen Datenbanken abgelegt. Dies ist der Fall bei der Schweizer Agentur Keystone und der deutschen Imago.

Nein, Bundespräsident Ignazio Cassis erhält hier keine russische Medaille, wie Bildagent Imago fälschlicherweise gemunkelt hat. Bei der Agentur Keystone-SDA ist das Bild, das eine Nahaufnahme des Zugangsausweises des venezolanischen Außenministers Carlos Faría Tortosa zeigt, ebenfalls falsch beschriftet

Bundespräsident Ignazio Cassis wird es wohl mit einem Schmunzeln hinnehmen. Das wäre wohl besser, als darauf zu beharren, dass man eine Freundschaftsmedaille definitiv nicht wert ist. Nach anderen Bildern zu urteilen, ich hoffe mit dem richtigen Titel, scheint das Lächeln in Gegenwart von Sergej Lawrow sowieso das Allheilmittel zu sein.

Lachen mit Lawrow bei der UN-Generalversammlung: UN-Generalsekretär Antonio Guterres (Mitte), Naledi Pandor (Südafrika, oben), Peter Maurer (IKRK, unten), Ralph Gonsalves (St. Vincent und die Grenadinen) und Demeke Mekonnen Hassen (Äthiopien). – Twitter/@MID_RF

Ob dies immer „eine gute Seite des schlechten Spiels“ ist, bleibt abzuwarten. Es ist durchaus möglich, dass einige der verzogenen Mundwinkel nur dazu gedacht sind, ein vom starken Händedruck schmerzverzerrtes Gesicht zu bedecken.

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