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An der Spitze des Rankings stehen die Brüder Jonas (55), Peter und Mathias Kamprad (von links), die Erben von Ikea.
Thomas SchlittlerWirtschaftsredakteur bei Sunday View
Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander: Wie wohlhabend sind die Schweiz und ihre Einwohner? Der Bundesrat stellt dieser Diskussion nun zusätzliches Material zur Verfügung.
Vermögen ist ungleich verteilt
Eine Analyse zur «Vermögensverteilung in der Schweiz», die Mitte Dezember klammheimlich von der Landesregierung veröffentlicht wurde, kommt zu folgendem Schluss: Im Zeitraum von 2005 bis 2018 betrug der Vermögensanteil der reichsten 1 Prozent der Schweizer stieg von 38 auf 44 Prozent.
Gemäss Marius Brülhart (55), Wirtschaftsprofessor an der Universität Lausanne, ist das Vermögen in der Schweiz im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern äusserst ungleich verteilt. “Nicht einmal in den USA ist die Vermögenskonzentration des reichsten 1 Prozent so groß wie hierzulande”, sagt der Mann, der seit vielen Jahren die Vermögensverteilung erforscht. Die Konzentration des verfügbaren Vermögens in der Schweiz, also ohne Pensionskassengelder, ist eher vergleichbar mit Ländern wie Brasilien, Mexiko oder Russland.
Mehrere Gründe
Dass der Vermögensanteil der Superreichen seit 2005 deutlich gestiegen ist, hat laut Brülhart viele Gründe. „Ein Grund könnten die niedrigen Zinsen sein. Diese waren für die Superreichen weniger ein Problem als für den Klassendurchschnitt , weil sein Vermögen hauptsächlich aus Aktien und Immobilien besteht, deren Preise stark gestiegen sind.”
Eine Rolle könnte auch spielen, dass die Erbschaftssteuer auf direkte Nachkommen in den letzten Jahrzehnten in vielen Kantonen abgeschafft wurde.
Brülhart: «Jeder zweite Franken Vermögen stammt aus einer Erbschaft.» 1990 musste für jeden geerbten Franken eine Erbschaftssteuer von 4,3 Rappen bezahlt werden. Heute aber gehen für jeden geerbten Franken nur noch 1,6 Rappen an den Staat. “Davon haben vor allem sehr wohlhabende Familiendynastien profitiert.”
Von Ecke zu Ecke unterschiedlich
Allerdings ist der Siegeszug der Superreichen nicht schweizweit gleich. «Die Entwicklung war zwischen den Kantonen sehr unterschiedlich», heisst es im Bericht des Bundesrates, der von der Eidgenössischen Steuerverwaltung und dem Bundesamt für Statistik (BFS) erstellt wurde. Die Vermögensungleichheit ist in den Kantonen der Zentralschweiz besonders ausgeprägt.
Wie gross die kantonalen Unterschiede mittlerweile sind, zeigt das durchschnittliche Nettovermögen pro Passivfach. In den Kantonen Jura, Freiburg, Solothurn und Neuenburg waren es 2019 weniger als 200’000 Franken. Dagegen lag das durchschnittliche Nettovermögen pro Steuerzahler im selben Jahr in drei Zentralschweizer Kantonen bei über 1 Million Franken: in Zuger besitzen die Bürger durchschnittlich 1,1 Millionen Franken, in Schwyz 1,3 Millionen und in Nidwalden fast 1,5 Millionen. Millionen von Millionen Franken.
2005 waren die Unterschiede noch geringer. Damals lag das durchschnittliche Nettovermögen im Jura, Freiburg, Solothurn und Neuchâtel zwischen 112’000 und 155’000 Franken, in Schwyz, Zug und Nidwalden zwischen 471’000 und 729’000 Franken. Für Brülhart ist klar, dass der Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen auch den Reichen zugute gekommen ist. Doch das ist für den Wohlstandsforscher nicht der zentrale Punkt: «Aus Sicht der Schweizer Bevölkerung ist die entscheidende Frage, ob diese Konkurrenz dazu beiträgt, die Reichen aus dem Ausland anzuziehen, oder ob die Kantone sich gegenseitig Steuergelder stehlen . “
Brülhart und sein Team haben diesen Aspekt für den Kanton Luzern untersucht. Das Ergebnis: Internationale Umzüge trugen nach der Halbierung der Vermögensteuer rund ein Sechstel zum Anstieg des Vermögensanteils des obersten 1 Prozent bei.
Einkommen gut verteilt
Anders als Vermögen ist Einkommen vergleichsweise gut verteilt. Im Wohlstandsbericht des Bundesrates heisst es: «Die Einkommensungleichheit lag in der Schweiz unter dem europäischen Durchschnitt.» „Umverteilung in Form staatlicher oder staatlich regulierter Transfers“ habe dazu maßgeblich beigetragen.
In diesem Sinne hält Brülhart die Entwicklung des äquivalenten verfügbaren Medianeinkommens für besonders interessant, also das Einkommen im Verhältnis zur Anzahl der Personen in einem Haushalt. «Seit 2005 hat dieser in den Erwerbstätigenhaushalten stetig zugenommen. Das ist ermutigend und widerspricht der These, dass der Pro-Kopf-Wohlstand in der Schweiz in den letzten Jahren stagniert hat.»
Damit ist Brülhart wieder bei der Wohlstandsdebatte angelangt, in der nicht zuletzt die Vor- und Nachteile der Zuwanderung heiß diskutiert werden. Kritiker weisen im Zusammenhang mit dieser Kontroverse gerne darauf hin, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in den letzten Jahren weniger stark gewachsen sei als in anderen Ländern. Aus diesem Grund hat sich die Situation der einzelnen Bürger ungünstiger entwickelt. Der neue Bundesratsbericht zeigt nun, dass dies nur ein Teil der Wahrheit ist.
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