Scholz sieht Zukunft für Raffinerie Rosneft verteidigt Treuhandmanagement

Stand: 17.09.2022 03:16 Uhr

Die Bundesregierung entzieht Rosneft die Kontrolle über die PCK-Raffinerie und schafft Vertrauen in das Schwedter Unternehmen. Das will der russische Konzern nicht hinnehmen.

Bundeskanzler Olaf Scholz sieht gute Perspektiven für die PCK-Raffinerie in Schwedt. Das machte der SPD-Politiker am Abend bei einer Betriebsversammlung in der Stadt Brandenburg deutlich.

Zuvor hatte die Bundesregierung angekündigt, die Mehrheitseigentümer der PCK-Raffinerie – zwei Tochterunternehmen des russischen Staatskonzerns Rosneft – unter die Aufsicht der Bundesnetzagentur und damit unter staatliche Kontrolle zu stellen. Das will Rosneft nicht hinnehmen.

Eine Milliarde Investitionen

Scholz, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erläuterten das Maßnahmenpaket gestern in Berlin. Als Teil eines Zukunftspakets kündigte die Kanzlerin Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro an. Damit sind Standort und Arbeitsplätze gesichert. Niemand in der PCK-Raffinerie muss sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen.

Am Rande der Betriebsversammlung in Schwedt sagte Scholz, das Unternehmen habe eine lange Tradition, die mit vielen Geschichten verbunden sei. „Deshalb lautet die heutige Botschaft: Es wird auch eine Zeit für die Zukunft geben. Hier wird noch lange Öl verarbeitet“, sagte Scholz. Aber auch angesichts der Entwicklung hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft werde hier gearbeitet, „das dem entspricht, was bisher getan wurde. Das ist eine wichtige Botschaft“.

Woidke und Habecks Staatssekretär Michael Kellner waren am Freitagabend ebenfalls in Schwedt. PCK beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter und ist ein wirtschaftliches Standbein der Region um Schwedt. Die Raffinerie versorgt einen Großteil des Nordostens mit Kraftstoff.

Drei Raffinerien von Rosneft Deutschland stehen unter Vormundschaft

Sebastian Deliga/Julia Cruz, ARD Berlin, Tagesthemen 21:45, 16.09.2022

Rosneft spricht von “Zwangsenteignung”

Hintergrund der Treuhandschaft ist das am 1. Januar in Kraft getretene Ölembargo gegen Russland aufgrund des Krieges in der Ukraine. Auf EU-Ebene hat sich Deutschland verpflichtet, auf Öl aus russischen Pipelines zu verzichten. Bisher wurde PCK über die Druschba-Pipeline mit russischem Öl versorgt. Alternativ muss unter anderem das Öl aus Rostock in Schwedt verarbeitet werden.

Rosneft warf der Bundesregierung “Zwangsenteignung” ihrer deutschen Tochtergesellschaften vor. In einer Erklärung am Abend in Moskau sprach das Unternehmen von „illegalen“ Zugriffen auf sein Vermögen und kündigte an, gegen das Vorgehen Berlins zum Schutz seines Vermögens rechtlich vorzugehen.

„Rosneft sieht dies als Verletzung aller Grundprinzipien der Marktwirtschaft, der zivilisierten Grundlagen einer modernen Gesellschaft, die auf dem Prinzip der Unverletzlichkeit des Privateigentums aufgebaut ist“, heißt es in der Erklärung. Die Gruppe hat betont, dass sie ihre Verpflichtungen jederzeit erfüllt hat. Auch weitere Investitionen und Projekte waren geplant. Die bisherigen Investitionen in Deutschland bezifferte der Konzern auf 4,6 Milliarden Euro.

Der Beauftragte der Bundesregierung für den optimistischen Osten

Gleichzeitig machte Rosneft deutlich, dass mit der Berliner Entscheidung „die industrielle und ökologische Sicherheit der Anlage nicht mehr gewährleistet“ werden könne. Der Konzern ist auch bereit, einen möglichen neuen Vertrag auszuhandeln – unter der Bedingung, dass es eine Zahlungsgarantie für Öllieferungen, Investitionen und die Rechte der Mitarbeiter des Unternehmens gibt.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, sagte, bei Rosneft sei es am Standort nicht weiter vorangegangen. Handelspartner hätten sich zurückgezogen, Rosneft hingegen habe große Brachflächen nicht für andere Investoren freigegeben, sagte der SPD-Politiker dem Deutschen Redaktionsnetzwerk.

Mit der Entscheidung der Bundesregierung sieht er nun eine Perspektive für Schwedt. „Ich wage sogar die Prognose, dass es in Schwedt in ein paar Jahren viel mehr Arbeitsplätze geben wird als heute“, sagte er. Auf die Frage, ob er Mitarbeitern guten Gewissens sagen könne, dass sie eine berufliche Zukunft haben, antwortete der Ostbeauftragte: „Auf jeden Fall ja!“.

Die Bundesregierung stellt Rosneft unter Vormundschaft

Björn Dake, ARD Berlin, 16.09.2022 um 09:33 Uhr

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