Schlagen? Ein langjähriger Schweizer Pilot erklärt, was im Cockpit geändert werden muss

Ein langjähriger Schweizer Pilot erklärt, wie sein Familienleben leidet

„Seit Mai hatte ich kein Wochenende mehr frei“

Ein Pilot kennt Weihnachten nicht, sagt Markus G.* Der Familienvater flog für die Swissair und jetzt für die Lufthansa-Tochter Swiss auf der Langstrecke. Warum er nach über zwei Jahrzehnten streikbereit ist und wie seine Arbeitszeiten sind.

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Schweizer Piloten und die Pilotengewerkschaft Aeropers demonstrierten im September vor dem Schweizer Hauptsitz in Kloten ZH.

Schweizer Piloten und Mitglieder der Pilotengewerkschaft Aeropers haben am Sonntag dem historischen Streik zugestimmt. Wenn Swiss-Chef Dieter Vranckx, 49, und Aeropers-Chef Clemens Kopetz am Wochenende keine Lösung am Verhandlungstisch finden, bleiben die Swiss-Flugzeuge voraussichtlich in der letzten Oktoberwoche am Boden

Diskussionspunkt ist ein neuer Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Piloten fordern höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. “Wir haben jahrzehntelang alles durchgemacht. Rabatte zahlen nach der Landung. Katastrophenmanagement bei Crossair. Die Corona-Pandemie. Genug!”, sagt der Schweizer Pilot Markus G.* Der Familienvater saß bereits in den 1990er-Jahren im Swissair-Cockpit gibt Blick Einblick in seinen Arbeitsalltag, möchte aber aus Angst vor Repressalien anonym bleiben.

„Seit Mai hatte ich kein einziges Wochenende mehr frei“, sagt G. Sein Arbeitsplan sieht normalerweise so aus: Sonntags fährt er nach Südamerika. Wir kehren am Dienstag in die Schweiz zurück. Donnerstag nach Asien, Samstag zurück. Dann hat ein Pilot drei Tage frei. Bevor das ganze Spiel von vorne beginnt. „Ich werde nur fürs Fliegen bezahlt. Wenn ich mich auf den Heimflug vorbereite, mache ich das umsonst. Und wenn ich mich im Simulator auf die Semesterprüfung vorbereite, mache ich das umsonst.“

“Die ganze Familie leidet unter meiner Arbeitszeit”

Markus G. erhält am 25. des Vormonats seinen Arbeitsplan für die nächsten vier Wochen. Nur dann können Sie Pläne mit Familie und Freunden schmieden. „Vorher macht es keinen Sinn. 80 Prozent müsste ich sowieso stornieren.» Feiertage in der Schweiz wie Ostern, 1. August oder Weihnachten kennt der Pilot nicht. «Ich fliege Heiligabend und Nacht, aber ich gewinne gleich viel und es wird nicht einmal kompensiert ich in den Urlaub.”

Auch Alltägliches wie mit der Frau ins Konzert gehen oder in einem Sportverein aktiv zu sein, passt nicht ins Leben eines Schweizer Piloten. „Das Schlimmste ist die Entfernung zu meiner Familie“, sagt G. „Es ist traurig, wenn ich während der Schulferien meiner Kinder keinen Urlaub nehmen kann. Die ganze Familie leidet unter meiner Arbeitszeit.“ Das geht an die Psyche.

„Pilot ist kein Beruf, sondern Berufung“, erklärt G.. Das nutzt die Geschäftsführung bewusst aus. “Sie denken, wir machen trotzdem weiter, weil wir unsere Jobs lieben.” Lange Zeit war das so. “Die Schweizer halten unsere Fäuste in der Tasche, aber wir werden niemals streiken.” Die deutschen Piloten des Korps haben ihre Kollegen in den letzten Jahren erschüttert. „Und die jüngere Generation“, sagt G. „Die machen das nicht mehr. Sie wollen auch ein Leben haben!”

Aeropers Mediensprecher: „Wir suchen am Verhandlungstisch nach einer Lösung“ (02:06)

Alle sechs Monate könnte Markus G. seinen Job verlieren

Finanziell sieht Markus G. mit einem Jahresgehalt von rund 200’000 Franken auf den ersten Blick gut aus. „Aber am Ende der Karriere verdient man in der Schweiz nur so viel“, stellt er fest. Zudem hören Piloten in der Regel im Alter zwischen 58 und 60 Jahren auf. “Dann haben wir fünf oder sieben Jahre eine Lücke in der Pensionskasse und eine viel geringere Rente.”

Hinzu kommt die enorme Verantwortung eines Piloten für Hunderte von Passagieren. „Deshalb müssen wir alle sechs Monate wieder zur Theorie- und Praxisprüfung“, sagt er. „Wir könnten alle sechs Monate unseren Job verlieren, und dann stünden wir vor dem Nichts. Ein riesiger Stressfaktor.“ Aus diesen Gründen fordert Aeropers nicht nur bessere Arbeitsbedingungen, sondern auch höhere Löhne. G.: „Piloten verdienen auch ein soziales Leben. Wenn wir es nur mit einem Schlag bekommen können, müssen wir es bekommen.“

*Name den Verlegern bekannt

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