teile diesen Artikel
Doch laut Management rund um Chef Christian Klein laufe der Alltag vor allem mit Cloud-Software für den Einsatz im Web so gut, dass Walldorfer am Donnerstag eine Anhebung der Ziele für 2025 ankündigte. Vorerst sei der Konzern aber dran immer noch mit Sonderkosten durch den Ukrainekrieg, hohen Investitionen in das Cloud-Geschäft und dem eingetrübten wirtschaftlichen Umfeld zu kämpfen, das die Gewinne einbrechen lässt.
Das Nachrichtenpaket kam im Markt schlecht an, die Aktie verlor zeitweise 3,94 Prozent zu XETRA auf 87,15 Euro. Die starke Erholung der letzten vier Handelstage kam zum Stillstand. Die Aktie fiel erneut unter den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt, den sie sich vom Vortag erholt hatte, und auch unter den gleitenden 21-Tage-Durchschnitt, was aus technischer Sicht ein Hinweis auf die mittelfristige Entwicklung ist. Im bisherigen Jahresverlauf steht aktuell ein Minus von rund 30 Prozent, womit SAP bisher unterdurchschnittlich gewachsen ist.
Ein Händler sprach am Donnerstag davon, nach einem enttäuschenden Ausblick Gewinne zu machen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs schrieb in einer ersten Stellungnahme, SAP habe im zweiten Quartal gemischte Ergebnisse erzielt. Die neuen Aussichten für das Betriebsergebnis 2022 seien eher gering, sagte er.
Ein aktuelles Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro, mit dem SAP Aktien für eine aktienbasierte Vergütung erwerben will – und damit den Kursverfall der vergangenen Monate nutzt – blieb erfolglos. Mit dem Einbruch der Technologiewerte vor allem in diesem Jahr geriet auch der Kurs von SAP unter Druck: Anfang Januar war das Papier noch rund 125 Euro wert, in den letzten Wochen schwankte es um die 90 Euro.
Bereinigt um Währungseffekte soll das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr um 4 bis 8 Prozent zurückgehen, so der Konzern. Klein und Finanzvorstand Luka Mucic hatten zuvor von einer Stagnation oder einem Rückgang des Betriebsgewinns um bis zu 5 Prozent gesprochen. Gründe für den schwächeren Ausblick sind zum einen die Kosten der Geschäftseinstellung in Russland und Weißrussland, aber auch ein möglicher deutlicher Umsatzrückgang bei Softwarelizenzen. Auch die Steuerquote dürfte in diesem Jahr höher ausfallen als bisher angenommen.
JPMorgan-Analyst Varun Rajwanshi bleibt skeptisch: „Obwohl SAP angesichts des schwachen makroökonomischen Umfelds in der zweiten Jahreshälfte und des Drucks auf die IT-Budgets das Betriebsergebnis im Jahresvergleich gesenkt hat, sehen wir, dass die Prognose völlig risikofrei ist.“ er erklärte.
Deutlich optimistischer ist Baader-Bank-Analyst Knut Woller. Er argumentierte, dass die Reduzierung des Betriebsgewinnziels von einem moderateren Rückgang der Erwartungen als in früheren Rezessionsszenarien spreche. “Wir glauben, dass dies den Erfolg des Übergangs zu einem vorhersehbareren Geschäftsmodell widerspiegelt.” Und während der Markt wahrscheinlich negativ reagieren wird, sagt er, dass der Schritt bereits einen Preis für die Aktienbewertungen hat.
Hinsichtlich Umsatz und Free Cash Flow hält SAP für 2022 an den oben genannten Annahmen fest. Das Tagesgeschäft laufe laut Management gut und Cloud-Software für den Einsatz im Web sei deutlich gewachsen. Der Gesamtumsatz stieg um 13 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, auch dank des schwachen Euro. Die Cloud rückt um ein gutes Drittel vor.
In einer Telefonkonferenz führten Klein und Mucic dies auf den Erfolg des Produktpakets „Rise“ für eine schnellere Migration von Kunden in die Cloud zurück. Was die mittelfristigen Ambitionen für 2025 betrifft, die ein jährliches Wachstum der Cloud-Umsätze auf mehr als 22 Milliarden Euro (2021: 9,4 Milliarden Euro) prognostizieren, kündigte Mucic ein „positives Update“ für die kommenden Quartale an. Eine Rolle soll laut Finanzvorstand auch die vorteilhafte Wechselkursentwicklung spielen: SAP bietet mittelfristig Perspektiven, Währungseffekte inklusive. Auch bei der Umstellung der Kunden auf die Cloud macht der Konzern laut Klein Fortschritte.
Im Herbst 2020 beschleunigte Klein die Bemühungen von SAP in Richtung Cloud in einer für Investoren sehr schmerzhaften Umstrukturierung erheblich. Renditen opfert das Unternehmen auch, weil herkömmliche Lizenzierungssoftware dank ihrer hohen einmaligen Verkaufspreise zunächst rentabler ist: Cloud-Verträge werden erst nach längerer Zeit über Abo-Beträge abbezahlt. Da sich auch die Technologie für einen Strategiewechsel ändert und der Umsatz mit finanziellen Anreizen für den Verkauf von Produkten in der Cloud schrumpft, kostet dies Geld.
Die Investitionen dafür beliefen sich laut Mucic im zweiten Quartal auf rund 100 Millionen Euro. Und die dauern bis Mitte 2023, ab wann will der Konzern die Ernte einfahren. Im Gesamtjahr 2023 soll das bereinigte operative Ergebnis im zweistelligen Prozentbereich wachsen, wie Mucic bestätigt.
Bisher befindet sich das Unternehmen noch ganz unten. Das bereinigte operative Ergebnis sank im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 1,680 Milliarden Euro und war damit schwächer als von Experten im Durchschnitt erwartet. Die Unterbrechung des Geschäfts in Russland und Weißrussland hatte einen Wert von 160 Millionen Euro, hauptsächlich aufgrund der „ironischen“ Aufwertung des russischen Rubels, so Mucic. Aufs Jahr gesehen dürfte der russische Angriffskrieg in der Ukraine rund 350 Millionen Euro kosten, das sind im zweiten Halbjahr weitere 120 Millionen Euro.
In der aktuell schwierigen Wirtschaftslage griffen die Kunden vor allem auf Cloud-Software zurück, was für Kleins Reiserichtung gut ist, aber auch die Margen belastet. Noch schwächer als befürchtet entwickelte sich die Lizenzierungssoftware. Goldman-Sachs-Analyst Mohammed Moawalla schrieb, dass das unerwartet schwache Lizenzgeschäft durch eine gute Performance in der Cloud kompensiert wurde. Das schnell wachsende Auftragsbuch für die Hana S4-Kernsoftware deutet auf eine schnellere Abwicklung der Kunden in diesem Bereich hin.
Fazit: Auch die wirtschaftliche Lage macht sich bemerkbar, der Nettogewinn ging um 86 Prozent auf 203 Millionen Euro zurück. Nicht nur der Aktienkurs von SAP, sondern auch die Marktbewertung der kleinsten Technologie-Startups litt in den ersten Monaten des Jahres deutlich. SAP investiert nur in diese Unternehmen über seine Beteiligung an Sapphire Ventures Venture Capital. Hatte dies vor einem Jahr dank der höheren Bewertungen aussichtsreicher Unternehmen noch beachtliche Gewinne gebracht, war die Bilanz dieser Investments diesmal sogar negativ.
Schließlich spielt der schwache Euro den Walldorfern derzeit in die Hände. Während SAP den Jahresausblick ohne Wechselkurseffekte bietet, erwartet das Unternehmen von der nun günstigeren Umrechnung von Fremdwährungen in Euro Gegenwind für die ausgewiesenen Zahlen. Das Cloud-Umsatzwachstum soll dadurch um weitere 7 bis 9 Prozentpunkte höher ausfallen und die Veränderung des bereinigten operativen Umsatzes wird sich um 2,5 bis 4,5 Prozentpunkte verbessern.
WALLDORF (dpa-AFX)
Ausgewählte Hebelprodukte der SAP SE Mit Knock-Outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel aus und wir zeigen Ihnen die passenden offenen Produkte in SAP SE
Der Hebel sollte zwischen 2 und 20 liegen
Keine Daten
Weitere Neuigkeiten zur SAP SE
Bildquellen: SAP AG, Gil C / Shutterstock.com