Regierungskrise in Italien Draghis Regierung droht der Anfang vom Ende zu werden

Stand: 14.07.2022 13:52

Italien droht weiterhin eine Regierungskrise: Die Bemühungen einiger Parteien, eine Vertrauensabstimmung zu vermeiden, sind gescheitert, die Fünf-Sterne-Bewegung hatte angekündigt, eine Mehrparteienregierung nicht zu unterstützen.

In Italien droht der Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi nach wie vor der Bruch. Bemühungen einiger Parteien, die für heute im Senat angesetzte Vertrauensabstimmung über ein Konjunkturpaket zu vermeiden, seien gescheitert, sagte der Parlamentarische Staatssekretär für Bundesangelegenheiten Federico D’Inca. In einem Gespräch mit D’Inca von der Fünf-Sterne-Bewegung bemerkte Draghi, dass er die Abstimmung im Senat als die einzig gangbare Option erwäge. Dies wird nach einer Debatte später am Tag stattfinden.

Aus Parteikreisen hieß es zuvor, einige Parteien versuchten, einen Zusammenbruch des Regierungsbündnisses zu verhindern. Es gebe Überlegungen, nicht über das Paket als Ganzes abzustimmen, sondern über einzelne Artikel, sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen. Das hätte aber auch bedeutet, dass die Fünf-Sterne-Bewegung ihre Forderungen an die Bedingung für den Verbleib in der Koalition zurückziehen würde. Das Konjunkturpaket soll Familien und Unternehmen bei der Bewältigung der Energiekrise unterstützen. Würde die Fünf-Sterne-Bewegung nicht wie angekündigt am Mittwoch abstimmen, hätte die Regierung keine Mehrheit. Die Folge wäre ein Bruch der Koalition.

Die Fünf-Sterne-Bewegung fordert großzügigere Erleichterungen

Seit Wochen kritisiert die Führung der Fünf-Sterne-Bewegung die Prioritäten der Regierung bei der geplanten Verteilung der Hilfsgelder. Die Partei fordert großzügigere wirtschaftliche Entlastungen für Familien und Unternehmen, die besonders von hohen Energiekosten betroffen sind. Die Fünf-Sterne-Bewegung setzt sich auch für eine neue Zahlung eines garantierten Monatsgehalts an diejenigen ein, die keine Arbeit finden.

Am Montag enthielt sich die Partei bei der Abstimmung über den Gesetzentwurf im Repräsentantenhaus, unterstützte die Regierung aber bei der vorangegangenen Vertrauensabstimmung. Im Senat können Entwurf und Vertrauensvotum jedoch nicht getrennt abgestimmt werden.

Andere Parteien könnten Draghi die Unterstützung entziehen

Lega-Chef Matteo Salvini hatte angekündigt, Draghi nicht mehr zu unterstützen, wenn die Fünf-Sterne-Bewegung die Koalition verlässt. Vorgezogene Neuwahlen sind die beste Lösung. Auch die Demokratische Partei ist laut Parteikreisen nicht bereit, ohne die Fünf-Sterne-Bewegung eine neue Regierung zu bilden. Draghi selbst hatte seinen Rücktritt angekündigt, sollte die Fünf-Sterne-Bewegung die Koalition beenden.

In Italien wird in der ersten Hälfte des nächsten Jahres ein neues Parlament gewählt. Wahlen könnten auf den Herbst vorgezogen werden. Das wäre allerdings ungewöhnlich, denn es ist die Zeit, in der traditionell der Haushalt aufgestellt wird, der am Ende des Jahres verabschiedet werden muss.

Italien droht Regierungskrise

Elisabeth Pongratz, ARD Rom, 14.7.2022 8:50 Uhr

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