- Startseite
- Politik
Erstellt: 22.07.2022, 04:46
Von: George Anastasiadis
Teilt
Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur, kommentiert Putins Drohungen im Gasstreit und die Reaktion der Bundesregierung. © Alexander Zemlianichenko/Pool AP/dpa/Klaus Haag
An diesem Montag schließt Moskau Deutschland den Gashahn für Wartungsarbeiten an der Gaspipeline Nord Stream I. Wird sie in ein paar Tagen wieder auftauchen? Die Bundesregierung befürchtet das Schlimmste. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.
Im Ukrainekrieg feuern Geschütze aus vollen Kanonen. Und Putins Geschosse treffen Deutschland jeden Tag bedrohlicher. Der Kreml-Machthaber prognostiziert “katastrophale Folgen”, wenn die Sanktionen andauern. In wenigen Tagen wird sich zeigen, ob die Drohgebärden wegen der jetzt beginnenden Wartungsarbeiten an der Gaspipeline Nord Stream I nur das Vorgeplänkel für einen noch intensiveren Gaskrieg zwischen Russland und Deutschland waren. In Berlin befürchten die Menschen das Schlimmste. “Wir werden unsere Eingeweide nicht kaufen lassen”, sagte die Kanzlerin trotzig. Wirklich?
Sicherheit war in der Geschichte der Menschheit noch nie frei verfügbar
Putin weiß, wo er vermögensverwöhnte Deutsche bekommt. Sie waren die Profitmaximierer der Globalisierung, die immer über Moral redeten und sich gleichzeitig den menschenverachtenden Regimen von Moskau und Peking hingaben. Bis heute wollen viele nicht eingestehen, dass Sorglosigkeit ihren Preis hat und Sicherheit in der Menschheitsgeschichte nie frei verfügbar war. Sie sind verärgert über den Freiheitskampf der Ukrainer. Und die Ärmsten müssen sich nicht fragen, ob sie jetzt die Rechnung für die Party bezahlen müssen.
AfD und Linke fordern bereits unverblümt die Opferung der Ukraine auf dem Altar eines mit Putin diktierten Friedens, und in München werden bereits die großen Geschütze eingesetzt. Markus Söder wirft der Regierung vor, ihren Auftrag, „warme Wohnungen, Energie und bezahlbare Lebensmittel bereitzustellen“, grundlegend zu verfehlen. Das ist mutig, schließlich waren es 16 Jahre unionsgeführter Regierungen, die das Land in diese Situation gebracht haben, und Bayern war Vorreiter bei Denuklearisierung und anderem Wahnsinn. Doch der CSU-Chef hofft, dass die Öffentlichkeit nach einem (anderen) Sündenbock sucht, nachdem das nicht mehr tragfähige deutsche Geschäftsmodell zusammenbricht und die vom Philosophen König Habeck prophezeite „Tortur“ beginnt.