Stand: 17.11.2022 16:17
Acht Jahre nach dem Absturz des Passagierflugzeugs MH17 über der Ukraine hat ein niederländisches Gericht zwei Russen und einen Ukrainer wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein weiterer Angeklagter wurde freigesprochen.
Ein niederländisches Strafgericht hat drei ehemalige pro-russische Separatisten für schuldig befunden, im Jahr 2014 den Passagierflug MH17 über der Ostukraine abgeschossen und dabei 298 Menschen getötet zu haben. Ein Ukrainer und zwei Russen wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein vierter Angeklagter wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Tobias Reckmann, ARD Brüssel, derzeit Badhoevedorp/Niederlande, zum Urteil zum Abschuss von Flug MH17
Tagesschau 16:00, 17.11.2022
Die vier Männer befinden sich nicht in den Niederlanden und hatten sich geweigert, in dem seit März 2020 laufenden Verfahren vor Gericht zu erscheinen. Bei den Verurteilten handelt es sich um die beiden Russen Igor Girkin und Sergey Dubinsky sowie den Ukrainer Leonid Chartschenko. Der ebenfalls angeklagte Russe Oleg Pulatov wurde freigesprochen.
Der Vorsitzende Richter Hendrik Steenhuis sagte, die vom Staatsanwalt vorgelegten Beweise zeigten, dass eine Boeing 777 der Malaysia Airlines auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur am 17. Juli 2014 von einer Buk-Rakete abgestürzt war, die von pro-russischen Rebellen in der Ukraine abgefeuert wurde. Das Gericht stellte außerdem fest, dass die Konfliktregion in der Ostukraine und die Rebellen seit Mai 2014 faktisch unter russischer Kontrolle standen.
Russland bestreitet seine Beteiligung an dem Angriff
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde das Flugabwehrsystem, das die Boeing zerstörte, von einem russischen Stützpunkt in der Nähe von Kursk in die Ukraine geflogen und nach dem Start einer Abwehrrakete nach Russland zurückgeflogen. Russland bestreitet jegliche Beteiligung an dem Angriff.
Der Prozess fand in den Niederlanden statt, weil die meisten Morde von dort kamen. Mehrere hundert Familienmitglieder nahmen an der Urteilsverhandlung in der Nähe des Amsterdamer Flughafens Schiphol teil. Das Gericht tagte unter hohen Sicherheitsvorkehrungen.