Nachdem Biden geheime Dokumente gefunden hatte, brauchte er eine Erklärung

Stand: 01.11.2023 02:34 Uhr

Zusammenarbeit und Hoffnung auf schnelles Ende der Ermittlungen: US-Präsident Biden hat in seinem Privatbüro über geheime Dokumente gesprochen. Er selbst war von dem Fund überrascht. Den Inhalt der Papiere kennt er nicht.

US-Präsident Joe Biden äußerte sich schockiert über geheime Regierungsdokumente, die in seinem Privatbüro entdeckt wurden, und versprach seine “volle Zusammenarbeit” bei den Ermittlungen.

Seine Anwälte taten, was sie tun mussten, als sie die Entdeckung schnell dem Nationalarchiv meldeten, sagte Biden gegenüber Reportern in Mexiko-Stadt, wo er Teil eines US-Mexiko-Kanada-Gipfels war. Er war überrascht, dass Regierungsakten ins Büro gebracht worden waren und wusste nicht, was darin war. Seine Anwälte hatten ihm geraten, nicht nach dem Inhalt zu fragen. Das Justizministerium untersucht den Fall. Biden sagte, er rechne mit einem schnellen Abschluss der Ermittlungen.

Offenbar bewahrte er zehn vertrauliche Dokumente auf

In den privaten Büros des Penn Biden Centers in Washington sind geheime Dokumente aus seiner Zeit als US-Vizepräsident unter Barack Obama aufgetaucht. Biden bestätigte, dass seine Anwälte bei der Räumung seines Büros in einem „verschlossenen Schrank“ eine Kiste mit Papieren gefunden hätten, die geheime Dokumente enthielt. Dies sind 10 vertrauliche Dokumente, einige mit der höchsten Geheimhaltungsstufe. Darunter sind laut CNN auch Papiere des US-Geheimdienstes zu anderen Ländern wie der Ukraine, dem Iran oder Großbritannien.

Wie das Weiße Haus mitteilte, wurden die Dokumente am 2. November gefunden und dem Nationalarchiv übergeben. Sie waren nicht Gegenstand einer früheren Archivanforderung. In den Vereinigten Staaten müssen Regierungsdokumente im Allgemeinen archiviert und für die Nachwelt aufbewahrt werden. Das Justizministerium untersucht den Fall.

Biden nutzte das Amt nach dem Ende seiner Vizepräsidentschaft im Jahr 2017 bis weit vor Beginn seiner Präsidentschaftskampagne 2019, so Sonderermittler Richard Sauber.

Republikaner: „Er muss Biden anklagen“

Der Befund ist besonders brisant, weil auch Bidens Vorgänger Donald Trump nach seiner Amtszeit geheime Regierungsdokumente aufbewahrte und deshalb ins Visier der Ermittler geriet. Im Sommer beschlagnahmte das FBI Tausende Dokumente aus Trumps Privathaus Mar-a-Lago im Bundesstaat Florida. Die Ermittlungen gegen Trump laufen seit Monaten. Damit hätte sich der Ex-Präsident selbst bestrafen können. Biden hatte Trumps Verhalten im September als “unverantwortlich” kritisiert.

Für die Republikaner sind die jetzt vorliegenden Dokumente zu Biden ein Segen: Biden habe genau dasselbe getan wie sein Vorgänger Trump, so der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Steve Scalise. „Wenn der damalige Vizepräsident geheime Dokumente nahm und sie jahrelang aufbewahrte und gleichzeitig Trump dafür kritisierte, dasselbe zu tun, muss man sich fragen, warum die Presse ihm nicht die gleichen Fragen stellt wie Trump.“

Seine rechtsextreme Parteikollegin Marjorie Taylor Greene, eine von Trumps engsten Mitarbeiterinnen im Kongress, geht noch einen Schritt weiter. Der Vorfall zeugt von einem Justizministerium, das mit zweierlei Maß misst: „Biden muss seines Amtes enthoben werden.“

Republikaner im Kongress wollen den Vorgang nun selbst untersuchen. Sie haben das Weiße Haus gebeten, alle relevanten Dokumente bis zum 24. Januar freizugeben.

Unterschiede zwischen den Fällen

Unklar bleibt, wie geheim die Dokumente waren, was sich darin befand, wer im Laufe der Jahre Zugang zu ihnen hatte und warum die Entdeckung, die kurz vor den Zwischenwahlen gemacht wurde, erst jetzt ans Licht kam „Der Missbrauch geheimer Dokumente ist immer eine ernste Angelegenheit“, sagte der ehemalige US-Staatsanwalt Brandon van Grack gegenüber NPR Radio. Allerdings weist er auf die Differenzen zwischen Trump und Biden hin: Bidens Anwälte sollen sich an das Nationalarchiv gewandt haben, das wiederum das Justizministerium informiert habe. In Trumps Fall wurden die meisten Dokumente jedoch erst bei einer Razzia in Mar-a-Lago gefunden.

Mit Informationen von Julia Kastein, ARD Studio Washington

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