Konjunktur- und Zinssignale dürften in der neuen Handelswoche über das Auf und Ab des DAX entscheiden. „Die Märkte dürften Anfang des Monats anhand wichtiger Daten prüfen, ob sie die erwarteten Signale senden, die die Fed dazu veranlassen könnten, ihr Straffungstempo zu verlangsamen“, resümiert Helaba-Strategin Claudia Windt. Die jüngsten starken Kursverluste machten die Anleger nervös.
Am Freitag ist der DAX deutlich unter die Räder gekommen. Deutschlands wichtigster Aktienindex fiel um 300 Punkte oder 2,3 Prozent und schloss mit 12.971 wieder unter 13.000. Auch die Wall Street wurde erschüttert und die Rabatte waren erheblich. Der Grund für den Kursverfall liegt in den Worten des US-Notenbankchefs Jerome Powell, der im Kampf gegen die Inflation deutliche neue Zinserhöhungen ankündigte. Aktuell ist der DAX mit rund 12.750 Stellen bewertet.
Die Inflation wird durch steigende Energiepreise angeheizt. Die Situation auf den Gasmärkten dürfte sich weiter verschärfen, da der russische Exporteur Gazprom angekündigt hat, den Betrieb der Nord Stream 1-Pipeline für Wartungsarbeiten zum Monatsende erneut vorübergehend einzustellen. An den Terminbörsen hat sich der Preis für europäisches Gas seit Jahresbeginn bereits mehr als verdreifacht. Experten zufolge ist noch kein Ende in Sicht. Im Oktober dürften die Gaspreise wieder steigen, wenn viele Versorger in Deutschland erstmals den Gastarif erhöhen, sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil. „Damit könnte die Inflationsrate im Euroraum auf über zehn Prozent steigen“, sagt Weil. Auch andere Ökonomen sehen, dass der Höhepunkt der Preissteigerungen noch nicht erreicht ist. Ökonom Weil rechnet damit, dass das Auslaufen des Neun-Euro-Scheins und der Spritrabatt in Deutschland Ende August die Inflation weiter steigen lassen dürften.
Unternehmen und Haushalte dürften weiter über steigende Preise stöhnen. In Deutschland deuteten Stimmungsindikatoren zuletzt auf eine weitere Wachstumsverlangsamung hin. „Angesichts der Datenlage stellt sich nicht mehr die Frage, ob Deutschland in eine Rezession rutscht, sondern in welchem Ausmaß“, sagt Deutsche-Bank-Anlagestratege Ulrich Stephan. Prognosen für Unternehmen trübten sich entsprechend ein. „Deshalb rechnen wir mit deutlich sinkenden Gewinnmargen“, sagt Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp. Daher dürften sinkende Gewinnerwartungen die Aktienmärkte regelmäßig bremsen.
Zu Beginn der Woche ist der Terminkalender fast leer. Seitens des Unternehmens stehen die Quartalsergebnisse der Mutter von Poco Steinhoff und der Adler-Gruppe aus. Darüber hinaus werden Daten zu den deutschen Gewerbesteuereinnahmen, Grundsteuereinnahmen und Reallohnentwicklungen veröffentlicht.