Menschen mit Down-Syndrom werden schwerer krank

Virusinfektion

Ein US-Forschungsteam zeigt in einer neuen Studie, dass Menschen mit Down-Syndrom seltener, aber schwerer an Virusinfektionen erkranken. Verantwortlich ist eine Fehlregulation der Immunantwort.

17.10.2022 11.48

Online ab heute, 11.48 Uhr

Menschen mit Down-Syndrom werden mit größerer Wahrscheinlichkeit mit einer Grippe oder einem schweren akuten respiratorischen Syndrom aufgrund einer CoV-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert als Menschen ohne die Chromosomenanomalie. Nach einer Virusinfektion entwickeln sie eher eine Lungenentzündung oder Sepsis. Zwischen 20 und 40 Prozent der Todesfälle bei Menschen mit Down-Syndrom stehen in Zusammenhang mit einem Virus. Eine im Fachjournal „Immunity“ veröffentlichte Studie zeigt nun, warum Betroffene durch Virusinfektionen so schwer erkranken. Forscher in den USA haben eine besondere Funktion des Immunsystems untersucht.

Starke Immunantwort

Interferone sind wichtige Botenstoffe, die bei einer Infektion im Körper freigesetzt werden und helfen, Viren zu bekämpfen. Dazu binden sie an einen bestimmten Rezeptor und informieren umliegende Zellen über das Virus. Dann wird ein Mechanismus aktiviert, der dafür sorgt, dass die Botenstoffe nicht mehr an ihre Rezeptoren binden können. Diese negative Rückkopplung ist wichtig, da zu viel Interferon eine Entzündungsreaktion hervorrufen kann.

Menschen mit Down-Syndrom haben ein zusätzliches Chromosom 21, weshalb es auch als Trisomie 21 bezeichnet wird. Die Anomalie äußert sich meist in körperlichen und geistigen Behinderungen. Auch der Bauplan für Interferon-Rezeptoren liegt auf Chromosom 21. Das bedeutet, dass die Betroffenen, weil sie drei statt zwei Chromosomen haben, auch mehr Rezeptoren als sonst haben und damit überempfindlich auf den Botenstoff reagieren. Wenn also Menschen mit Trisomie 21 mit einem Virus infiziert werden, ist die Immunantwort zunächst sehr stark und sie werden seltener krank.

Nur die Spitze des Eisbergs

Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch, dass eine Überaktivität von Botenstoffen und deren Rezeptoren auch zu einer Überaktivität der negativen Rückkopplung führt. Dadurch wird die Bindung von Botenstoffen an ihre Rezeptoren übermäßig verhindert. Dies hindert den Körper daran, wichtigere Schritte zur Abwehr des Virus zu unternehmen. Diese Herunterregulierung macht Menschen mit Down-Syndrom viel stärker von Virusinfektionen betroffen, sobald sie sich angesteckt haben.

Studienautorin Louise Malle beschreibt diesen Befund jedoch nur als „die Spitze des Eisbergs“. Denn über das komplexe Immunsystem von Menschen mit Down-Syndrom gibt es noch viel zu erforschen. In der Studie schlagen sie und die anderen Autoren vor, dass die vorübergehende Unterbrechung oder Unterdrückung eines bestimmten Teils dieser Immunantwort Menschen mit Trisomie 21 helfen könnte, ein Virus abzuwehren. Dies muss aber weiter untersucht werden.

Elena Deutscher, Ö1 Wissenschaft

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