Mehr entzündliche Darmerkrankungen nach Antibiotika-Einsatz

Jede Verwendung von Antibiotika scheint das Risiko einer entzündlichen Darmerkrankung zu erhöhen, aber Antibiotika, die bei Darminfektionen eingesetzt werden, tun dies am meisten. Das Risiko ist ein bis zwei Jahre nach der Anwendung am größten, fand ein Forschungsteam, das mehr als 6,1 Millionen Menschen in Dänemark analysierte. 5,5 Millionen (91 %) wurde zwischen 2000 und 2018 mindestens einmal Antibiotika verschrieben. Im gleichen Zeitraum wurde bei 36.017 Menschen Colitis ulcerosa und bei 16.881 Menschen Morbus Crohn diagnostiziert.

Die Einnahme von Antibiotika war mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung dieser Erkrankungen verbunden: Bei den 10- bis 40-Jährigen wurde mit 28 % höherer Wahrscheinlichkeit eine entzündliche Darmerkrankung diagnostiziert, bei den 40- bis 60-Jährigen um 48 % und bei den über 60-Jährigen. sie sind 47 Prozent wahrscheinlicher.

Das Risiko, unter Antibiotika an Morbus Crohn zu erkranken, war etwas höher als bei Colitis ulcerosa. Das Risiko stieg, wenn mehr Antibiotika eingenommen wurden: Jede Antibiotika-Kur erhöhte das Risiko um weitere 11, 15 oder 14 Prozent, je nach Altersgruppe. Menschen, die fünf oder mehr Antibiotika-Zyklen erhalten hatten, hatten ein bis zu doppelt so hohes Risiko, an entzündlichen Darmerkrankungen zu erkranken.

Dies wurde am häufigsten bei Nitroimidazolen und Fluorchinolonen beobachtet. Das sind Breitbandantibiotika, die unter anderem zur Behandlung von Darminfektionen eingesetzt werden. Sie zielen auf viele verschiedene Bakterien ab und nicht nur auf bestimmte Krankheitserreger. Entzündliche Darmerkrankungen wurden auch bei Schmalspektrum-Penicillinen berichtet, jedoch in viel geringerem Ausmaß. Dies unterstützt die Vermutung, dass Veränderungen der Darmflora eine Schlüsselrolle bei der Entstehung entzündlicher Darmerkrankungen spielen könnten. Das Forschungsteam sieht diese Ergebnisse als weiteren Beleg dafür, dass Antibiotika mit Vorsicht und möglichst gezielt eingesetzt werden sollten.

Was: DOI 10.1136/gutjnl-2022-327845

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