Mehr als 1.300 Festnahmen bei Demonstrationen in Russland

Die Zahl der Festnahmen bei Protesten gegen die von Kreml-Chef Wladimir Putin angeordnete Teilmobilmachung steigt weiter: Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation OVD-Info befinden sich mehr als 1.300 Menschen in Polizeigewahrsam. In mindestens 38 Städten sind den Angaben zufolge Festnahmen bekannt. Zuletzt gab es auch Berichte über ausverkaufte Flüge aus Russland. Die finnischen Behörden relativieren einen Bericht über einen langen Stau an der Grenze zu Finnland.

Online seit gestern, 8.23 ​​Uhr

Valentin Simettinger (Text), Patrick Bauer (Bild), Birgit Samer (Video), Iris Preißler (Schnitt), alle ORF.at/Agenten

Putin hatte zuvor eine Teilmobilisierung der Streitkräfte angekündigt. Ein entsprechender Erlass wurde bereits unterzeichnet, Details wie Ausnahmen und eine mögliche Grenzschließung sind noch offen, Teilmobilisierungen beginnen aber heute. Russlands Ziel ist es, die Donbass-Region in der Ostukraine zu „befreien“. Der Westen wolle keinen Frieden zwischen der Ukraine und Russland, sondern wolle Russland zerstören, sagte Putin. Laut Putin wird Russland alle seine Ressourcen einsetzen, um sein Volk zu verteidigen, was den Einsatz von Atomwaffen nicht ausschließt.

Starke Kritik an der von Kremlchef Putin angeordneten Teilmobilmachung kommt unter anderem aus Brüssel. Aus Sicht des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell ist es “ein weiterer Beweis dafür, dass Putin nicht am Frieden interessiert ist, sondern an der Eskalation seines Angriffskrieges”. Aus Sicht der EU-Kommission spielt Putin zudem ein sehr gefährliches „Atomspiel“.

China will Waffenstillstandsgespräche

Die internationale Gemeinschaft müsse Druck auf Putin ausüben, damit er “dieses rücksichtslose Verhalten beendet”, sagte ein Kommissionssprecher heute in Brüssel. London sprach von einer “besorgniserregenden Eskalation” und Berlin von einem “schlechten und falschen Schritt”.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sieht wie viele Vertreter westlicher Staaten die nächste Eskalation des Krieges. Der Schritt überraschte jedoch nicht. Unterdessen fordert sogar China, an das Russland kürzlich herangetreten ist, „alle relevanten Parteien auf, durch Dialog und Konsultationen einen Waffenstillstand zu erreichen“.

Wie weit ist Frieden?

Auf die erfolgreiche Offensive der Ukraine im Osten des Landes hat Russland nun mit einer Teilmobilmachung reagiert. Militärexperten bezweifeln jedoch, ob dies schnell militärische Konsequenzen haben wird. Wie wird sich der Krieg in den kommenden Wochen und dann bis in den Winter hinein entwickeln? Welche Folgen hat die Teilmobilisierung für die Stimmung in Russland? Wie weit ist Frieden?

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