Veröffentlicht20. November 2022, 20:14 Uhr
Meggen: Schweine ja, Kinder nein: Waldpionierschule von Behörden jäh beendet
Die Naturbasisstufe in Meggen ist die erste und einzige öffentliche Forstschule der Schweiz, und zwar ein voller Erfolg. Aber: Die Schulleitung hat überraschend das Aus angekündigt. Der Wald wird zu sehr gestresst. Die Wut darüber ist groß.
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Das Tipi des Naturkindergartens in Meggen. Im Hintergrund die Jurte für die Basis-Naturszene. Spätestens im Sommer 2023 müssen Jurte und Schüler ausgezogen sein.
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Es sei zu nah am Wald, was den Wald und den Waldrand zu sehr belaste, so die Gemeinde.
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Die Naturbasisebene ist ein in Europa einzigartiges Projekt, das versucht, Kindern Wissen über ihre Umwelt zu vermitteln.
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Das ist es, worum es geht
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Der Waldkindergarten und Naturgrundstufe in Meggen ist ein schweizweit einzigartiges Projekt. Lehrer, Eltern und die Kinder selbst sind vom Erfolg überzeugt.
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Doch die Schulleitung und die Gemeinde wollen den Unterricht im Wald nun beenden. Laut Rat wird der Wald dadurch zu sehr belastet.
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Der Förster und Besitzer von Wald und Land widerspricht jedoch: Kinder sind sehr sensibel für die Natur. Er sagt: “Diese Kinder wissen mehr über den Wald als die meisten Erwachsenen.”
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Fun Fact: Ganz in der Nähe des Waldschulgeländes dürfen ab 2023 Schweine durch den Wald streifen. Schulkindern wird dies jedoch ab dem kommenden Sommer verwehrt.
Rund 50 Schüler und 45 Kindergärtnerinnen lernen in Meggen im Freien. Die natürliche Sockelstufe ist ein einzigartiges Projekt in Europa. Dort erhalten Kinder Wissen in direktem Bezug zu ihrer Umwelt. Tatsächlich ist die Forstschule ein ziemlicher Erfolg. Naturpädagogen aus dem ganzen Land loben die Pionierarbeit. Eine anonyme Umfrage zeigt eine überwältigende Zufriedenheit und Unterstützung von Eltern und Kindern. Im vergangenen Sommer wurde eine Masterarbeit auf der Natursockelebene in Meggen mit dem Master of Arts in Design der Hochschule Luzern ausgezeichnet.
Aber all das scheint nichts zu nützen. Am Donnerstagabend teilten die Schulleitung und der Bürgermeister Eltern und Lehrern ihre Entscheidung mit: Ab dem nächsten Schuljahr findet kein Unterricht mehr im Wald statt. Lediglich die Baumschule soll erhalten bleiben.
Der Grund: Eine globale Bestandsaufnahme im Frühjahr habe ergeben, dass “die Nutzungen und Einrichtungen sowie die Anzahl der Klassen das für die Belastung des Waldes, des Waldrandes und der landwirtschaftlichen Fläche verantwortliche Maß bei weitem übersteigen”, erklärte die Gemeinde Meggen im „Luzerner“. Zeitung”.
Für die Waldschule wurden am Waldrand ein Tipi, eine Jurte und weitere kleinere Einrichtungen, wie eine Toilette, errichtet. Das Projekt startete 2018 als Kindergarten und wurde zwei Jahre später auf eine natürliche Ebene erweitert. Das bedeutet, dass Erst- und Zweitklässler gemischt lernen. 2018 hat das kantonale Amt für Raum und Wirtschaft (Rawi) eine Ausnahmebewilligung für ein Tipi und einen Bauwagen erteilt, diese gilt jedoch nicht für die 2020 installierte Jurte.
“Diese Kinder wissen mehr über den Wald als die meisten Erwachsenen”
„Ich sehe nicht, dass sich die Kids im Wald zu sehr anstrengen“, sagt Walter Scherer. Er ist Förster und Eigentümer des beanspruchten Grundstücks und Waldgebiets. Im Gegenteil, Kinder sind sehr sensibel für die Natur. „Als sie mir halfen, Bäume zu pflanzen, wurden alle Würmer vor einer Schaufel gerettet und bewegt“, sagt er. Mittags sind die Kinder 30 Minuten still, damit die Tiere und Vögel des Waldes ihre Ruhe haben können. „Diese Kinder wissen mehr über den Wald als die meisten Erwachsenen“, sagt Scherer.
Schweine ja, Kinder nein.
Das Kuriose: Ab 2023 dürfen Schweine durch den Wald in der Nähe des Forstschulgeländes streifen. Das Projekt „Pig Experience“ soll ein Forschungs- und Weiterbildungsangebot für Schulklassen und die breite Öffentlichkeit sein. Dort könne man “die Schweine bei ihrem täglichen Leben beobachten, wie sie durch die Wälder streifen, gemeinsam die Weide erkunden oder sich im nassen Matsch abkühlen”, heißt es auf der Website. Das Projekt wird von der Albert-Koechlin-Stiftung unterstützt.
Auf die Frage, ob ein Schwein oder ein Kind mehr Druck auf den Wald ausübt, muss der Ranger lachen. Das ist eine einfache Frage: „Kinder kümmern sich um Pflanzen und Tiere. Ein Schwein tut das nicht.“ Eine Lösung des Problems sieht er in einer Änderung des Raumordnungsgesetzes. Es muss eine Möglichkeit geben, diese Anweisung bereitzustellen. „Leider sind inhaltlich noch viele Fragen offen“, sagt Melanie Kistler. Er vertritt den Vorstand der IG Naturpädagogik Meggen, einer Vereinigung von Eltern und Interessenvertretern, die sich für die Waldpädagogik engagieren. “Es ist nicht klar, ob das Projekt hätte gerettet werden können oder nicht.”
Die Gemeinde und die Schulverwaltung blockieren sich gegenseitig
Was bleibt, ist tiefe Frustration bei Eltern und Projektbeteiligten. Weder die Rawi noch die Gemeinde und die Schulleitung selbst hätten sich dem Projekt ausreichend gestellt: „Anfangs wurden Ausnahmegenehmigungen für Gebiete erteilt, wo die Errichtung der Gebäude physikalisch nicht möglich war“, sagt einer der Beteiligten vor den 20 Minuten. Auch versuchten die Projektmitarbeiter mehrfach, Lösungen zu finden, die den Wald weniger belasten, aber dennoch Teile des Unterrichts dort stattfinden lassen. Aber die Gemeinde und die Schulverwaltung stießen auf taube Ohren.
René Duss, Direktor der Schule Meggen, wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern und verwies auf die Gemeinde. Bürgermeister Urs Brücker war bei Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
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