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Weniger Fälle bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes
von Michael Richter
(13.01.2023) Die diabetische Retinopathie (DR) ist die vierthäufigste Augenerkrankung bei Erwachsenen weltweit und kann zur Erblindung führen. Laut einer Studie nehmen die Komplikationen bei Kindern und Jugendlichen ab. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) begrüßt dies, weist aber darauf hin, dass einige Gruppen von Diabetikern aufgrund suboptimaler interdisziplinärer Kommunikation und langer Wartezeiten noch zu selten auf diabetesbedingte Augenerkrankungen überwacht werden.
Außerdem würde nur ein Drittel des Bluthochdrucks bei Diabetikern konsequent behandelt. „Das Potenzial für eine bessere Versorgung ist angesichts der Ärztedichte in Deutschland groß“, sagen die DDG-Experten.
Die diabetische Retinopathie stellt seit langem eine große Komplikation bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes dar. Mittlerweile gibt es jedoch einen Trend zu weniger Augenerkrankungen in dieser Patientengruppe, wie eine aktuelle internationale Kohortenstudie im Fachjournal „Pediatric Diabetes“ zeigt. „Wir können davon ausgehen, dass diese Entwicklung mit der Verbesserung der Blutzuckereinstellung in den letzten Jahren zusammenhängt.
Möglich wurde dies auch durch den verstärkten Zugang zu Diabetes-Technologien wie der kontinuierlichen Blutzuckermessung (CGM) und Insulinpumpen“, erläutert Medizinprofessor Dr. Reinhard Holl die Ergebnisse der Studie, an der er mit der Deutschen DPV (Diabetes-Verlaufsdokumentation) beteiligt war )-Register: „Offenbar hat dies erheblich dazu beigetragen, die mikro- und makrovaskulären Komplikationen, die zu Retinopathie, aber auch zu Nephropathie und Neuropathie führen, zu verzögern oder sogar zu verhindern.“
Anhand von Daten von mehr als 156.000 jungen Patienten mit Diabetes in elf Ländern konnten die Autoren der Studie zeigen, dass die Zahl der Fälle von Retinopathie international zurückgeht. Holl, Leiter der Arbeitsgruppe Qualitätsmanagement in der Computergestützten Medizin am Epidemiologischen Institut der Universität Ulm, begrüßt diese positive Entwicklung, nimmt die aktuelle Studie aber auch zum Anlass, um auf Lücken in der Versorgung von Patienten mit Diabetes hinzuweisen. Denn die Studie zeigt auch, dass in einigen Ländern – darunter auch Deutschland – noch zu wenig Maßnahmen ergriffen werden, um Bluthochdruck vorzubeugen, was wiederum Gefäßschäden fördert. „Trotz des hohen Zusammenhangs zwischen Bluthochdruck und Gefäßschäden bei Diabetes ist die frühzeitige Behandlung des Bluthochdrucks noch zu selten Teil der Diabetestherapie“, kritisiert er. Nur etwa jeder dritte Erwachsene mit Diabetes erhält eine angemessene medikamentöse Behandlung des anhaltenden Bluthochdrucks.
Studien zeigen, dass nur etwa ein Drittel der Betroffenen von einem leitliniengerechten Augenscreening bei Diagnose profitieren und nur die Hälfte der Patienten nach zwei Jahren Diabetes das einzige Gefäßareal mit hyperglykämischen Schäden, im Wechsel zum Beispiel die Nieren, hauptsächlich reagieren auf Insulinresistenz“, sagt Medizinprofessor Dr. Hans-Peter Hammes, ehemaliger Co-Vorsitzender des DDG-Arbeitskreises „Diabetes & Augen“. „Viel mehr Fälle von DR könnten identifiziert und eine Verschlechterung verhindert werden, Augenärzte würden sie konsequenter untersuchen , oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck effektiver behandelt würden.”
Neben dem Erhalt des Augenlichts hilft das Augenscreening auch, mögliche Schäden an großen Blutgefäßen vorherzusagen und zu verhindern und im besten Fall sogar das Todesrisiko beispielsweise durch daraus resultierende Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. „Die Augen sind ein Spiegel des allgemeinen Gefäßzustandes, präventive Maßnahmen in diesem Organ sind gerade bei Diabetes unerlässlich“, betont Hammes, ehemaliger Leiter der Sektion Endokrinologie der 5. Medizinischen Klinik der Medizinischen Universität Mannheim.
Eine DR entwickelt sich lange Zeit unbemerkt, weil sie im Anfangsstadium keine Symptome hat. Sehprobleme treten erst auf, wenn die Netzhaut des Auges bereits erhebliche und irreversible Schäden aufweist. Im Folgenden finden Sie Tipps zur Vorbeugung und Warnzeichen für fortgeschrittene DR.
Tipps zur Vorbeugung von diabetischen Augenerkrankungen
Frühzeitige und regelmäßige Augenuntersuchungen: Unmittelbar nach Manifestation von Typ-2-Diabetes oder bei Menschen mit Typ-1-Diabetes mit elf Jahren oder nach fünf Jahren Krankheit.
Kontrollieren Sie Ihren Blutspiegel so gut wie möglich: Streben Sie einen möglichst normalen HbA1c an
Bluthochdruck konsequent behandeln
Halten Sie Vorsorge- und Kontrolltermine beim Augenarzt ein
Melden Sie jegliche Sehstörungen sofort Ihrem Arzt. Dazu gehören: Sehverlust, der nicht mit einer Brille korrigiert werden kann, Veränderungen der Farbwahrnehmung, Leseschwierigkeiten, verzerrtes Sehen oder „Rußregen“.
Warnzeichen einer fortgeschrittenen Retinopathie
Eine Sehbehinderung, die nicht mit einer Brille korrigiert werden kann
Leseschwierigkeiten bis hin zum Verlust der Lesefähigkeit
Farbsehstörung
allgemeine Verschlechterung des Sehvermögens
verzerrtes Sehen
„Rußregen“ vor dem Auge
Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9.200 Mitgliedern eine der größten medizinisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, beteiligt sich an Fort- und Weiterbildungen, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Richtlinien. Ziel ist eine effektivere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck führt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten durch.