Macron und Scholz: Deutschland und Frankreich müssen vereint sein

Auf einer Konferenz in Berlin verglich SPD-Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt kürzlich Deutschland mit einem Teenager auf einer Selbstfindungsreise. Es war eine ungewöhnliche Selbstbeobachtung aus dem Kontrollzentrum der Macht. Es beschreibt ziemlich gut, wie Frankreich die Bundesregierung im Moment sieht: egozentrisch, instabil, mal protzig (100 Milliarden Sonderfonds, 200 Milliarden Doppelboom), mal entmutigt (Panzer), mal stur (Atomkraft), wenig engagiert

„Deutschland isoliert sich“, sagte Emmanuel Macron schließlich so laut, dass es auch die Kanzlerin hörte. Olaf Scholz und Macron waren sich bei ihrer Debatte unter der Woche in Paris einig, dass sie sich zum Wohle Europas künftig besser abstimmen wollen.

Zwar enthält der Koalitionsvertrag in schwarzen Lettern ein Bekenntnis zur deutsch-französischen Zusammenarbeit. Doch wer am Kabinettstisch verkörpert diese Beziehung, die durch die Aachener Verträge weiter vertieft wurde? Wer füllt sie mit Leben? Vielfältige Netzwerke, private oder berufliche Verbindungen sowie gegenseitige Urlaubsbesuche bringen die deutsch-französische Freundschaft in den Alltag. Aber das ist noch kein Ersatz für entschlossenes und koordiniertes staatliches Handeln.

Die Bundeswehr als “stärkste konventionelle Armee Europas” erregt Verdacht

Natürlich ist Frankreich oft ein unangenehmer Partner. Dies ist seit Beginn des europäischen Einigungsprozesses der Fall. Spontanes abweichendes Denken und unterschiedliche Reaktionen trotz räumlicher Nähe erklären, dass das europäische Haus um uralte Erbfeinde herum gebaut wurde.


In dem immer größer werdenden Gebäude haben Berlin und Paris nicht mehr so ​​viel zu sagen. Aber es liegt immer noch an ihnen. Daher ist es gut, dass sich die Bundeskanzlerin in den mehr als dreistündigen Gesprächen zu einer intensiveren Abstimmungsarbeit verpflichtet hat. In Anbetracht der „Zeitwende“ ist dies sehr notwendig.

Zu wenig beachtet wird in Berlin, dass tief vergrabene Ängste in Frankreich geweckt werden, als der Kanzler ankündigt, die Bundeswehr zu “Europas stärkster konventioneller Armee” ausbauen zu wollen. Es herrscht große Sorge darüber, wie die Bundesregierung Milliarden ohne transparente Verwendung zur Schau stellt. Das Verfahren stärkt die Meinungsmacht der Le Pens und der Mélenchons, die seit langem vor einer Überwältigung Deutschlands warnen.


Scholz zeigt Macron bislang die kalte Schulter

Die deutsch-französische Entfremdung ist das Letzte, was Europa angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine braucht. Der Widerstand der Bundesregierung gegen eine europäische Gaspreisobergrenze wirkt sich verheerend auf Frankreich aus. Viele Franzosen vermuten, dass sie für Deutschlands selbst auferlegte Abhängigkeit von russischem Gas bezahlen müssen. Dieser Eindruck wurde von der Bundeskanzlerin noch nicht korrigiert.

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Macron hat seine Landsleute davon überzeugt, ihm eine zweite Amtszeit zu gewähren. Doch die Popularität von Le Pen wächst, auch weil Scholz bisher Frankreich die Kontrolle überließ. Der Bundeskanzler müsste in seiner eigenen Partei nicht lange suchen, um ein Vorbild für einen funktionierenden deutsch-französischen Austausch zu finden. Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing zeigten, wie es bis ins hohe Alter geht.

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