Luzern: “Wie weiter? Katzen verbrennen?” Der Protest gegen Gansabhauet wird immer stärker

Veröffentlicht am 14. November 2022, 05:06

Luzern: “Wie weiter? Katzen verbrennen?” Der Protest gegen Gansabhauet wird immer stärker

Einer toten Gans wird mit einem stumpfen Säbel die Kehle durchgeschnitten. Tausende Zuschauer feuern die Fledermäuse an. Tierschützer fordern die Abschaffung dieses Brauchs. Ein Anwalt erklärt, wie das passieren konnte.

gehen

Vanessa Federli

Mathias Giordano

“Was kommt als nächstes? Katzen verbrennen?”, empörte sich Nationalrätin Meret Schneider auf Twitter. Und mit ihr zahlreiche andere Tierschützer. Wie jedes Jahr gibt es einen Protest, wenn am 11. November in der Altstadt von Sursee einem der Kopf abgeschlagen wird Aufhängen einer toten Gans mit einem stumpfen Säbel. Von den sogenannten Rotmantel-Schlägern mit verbundenen Augen. Registrierte Frauen und Männer haben einen Versuch – normalerweise braucht es fünf bis zwanzig Hiebe, um die Gans zu enthaupten. Eine alte Tradition.

1/3

11.11.2022, Sursee LU, erste Gänsejagd seit 2019. Ein Schläger ist bereit für seinen Versuch.

20min/News-Scout

Rund 4.000 Zuschauer feuern jedes Jahr die Teilnehmer an.

20min/News-Scout

Die Tradition reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück.

20min/News-Scout

Eine Tradition, die «das Ehrgefühl und die Würde des Tieres verletzt, wie es das schweizerische Tierschutzgesetz festlegt», findet nun aber ein Petitionsausschuss, der die Abschaffung des Gänseraubs fordert Bisher wurden einige hundert Stimmen gesammelt. Der Protest wächst von Jahr zu Jahr. Die Nationalrätin (Grüne) und Mitbegründerin der Initiative Industrielle Landwirtschaft, Meret Schneider, ist empört:

Die Tradition muss fortgeführt werden

Diese Debatte könne geführt werden, sagt Erich Felber, Präsident der Gansabhauet-Kommission. “Wir akzeptieren das.” Die Wertschätzung der Gans will er aber betonen: «In Sursee gibt es viel Liebe zum Tier. Der Ursprung der Tradition geht zurück, als die Gans von den Klöstern als wertvolles Lebensmittel präsentiert wurde. So gesehen können wir den Brauch verantworten“, sagt Felber.

Als Hauptquartier dient eine Bühne vor dem Rathaus, vor der rund 4.000 Zuschauer die Schläger anfeuern. „Ein nüchterner Blick auf die Tierethik macht deutlich, dass der Umgang mit der toten Gans auf diese Weise fragwürdig ist“, sagt Antoine F. Goetschel, einer der führenden Tierschützer. Er ist Gründer und Präsident des Global Animal Law Project. Ein weltweites Netzwerk von Tierschutzgesetzausbildern und -anwälten. Unter anderem wurde dank seines Engagements die «Würde der Kreatur» in die Schweizer Verfassung aufgenommen.

Ist die Gänseabhauet mit dem Tierschutzgesetz vereinbar?

Das Problem bei der Gansabhauet in Sursee sei, dass «der Tod des Tieres ritualisiert gefeiert und nicht nur statt Schlachtung und Verzehr hingenommen wird». Und doch: „Daraus aber direkt eine Art ‚tierische Ruhestörung‘ abzuleiten, ohne das Gesetz zu ändern, ist rechtlich nicht haltbar“, räumt er ein.

Dies könnte durch eine Erweiterung von Art. 262 StGB geändert werden (Art. 262 StGB). Es befasst sich mit den Strafen für die Entweihung einer Leiche. „Die Hinzufügung einer Nummer 3: ‚Wer die Ruhestätte eines toten Wirbeltiers in grober Weise entehrt, wer den Leichnam eines Wirbeltiers öffentlich entehrt oder beleidigt, wird mit Geldstrafe bestraft‘, wäre bereits mit dem Verfassungsbegriff vereinbar. der Würde der Kreaturen”, deutet Goetschel zuvor an. Dann könnte auch der unsittliche Umgang mit Tierkadavern nach der Jagd oder im Schlachthof sanktioniert werden. Ob sich dafür eine parlamentarische Mehrheit finden ließe, könne er allerdings nicht abschätzen.

“Dieses Ritual, selbst mit toten Gänsen, sieht überhaupt nicht zeitgemäß aus”, sagt Goetschel. Man könne sich „in Zeiten wirklich spannender öffentlicher Spiele mit elektronischen Hilfsmitteln“ durchaus etwas Einfallsreiches und Zeitgemäßes vorstellen. Laut Ausschussvorsitzendem Felber war es in Sursee nie ein Problem, ein Tierimitat oder eine Alternative für den Anlass zu verwenden. Felber sagt: „Wenn es von der lokalen Bevölkerung unterstützt wird, kann die Tradition fortgeführt werden.“

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *