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Erstellt: 30.07.2022, 13:58
Von: Raphael Digiacomo, Thomas Copytz, Stefan Rampfel, Bernd Schlegel
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Kampfmittelspezialisten: Die Abbruchexperten Thorsten Lüdeke (links) und Marcus Rausch können jetzt mit ihrem Gerät ihre eigentliche Arbeit beginnen. © Stefan Ramffel
Am Wochenende (30. und 31. Juli 2022) werden im Westteil der Stadt Göttingen fünf Mündungen aus dem Zweiten Weltkrieg außer Dienst gestellt. Wir berichten im Liveticker.
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+++ 13.58 Uhr: Das allgemein gut besuchte „Kaffeehus“ liegt am Weender Tor in Göttingen, direkt am Rande des Sperrgebiets, und profitiert an normalen Tagen stark vom Publikumsverkehr Stadt aus Richtung Universitätscampus und Nordstadt. Morgens ist es ruhig im gemütlichen Café mit schönem Innenhof. Das fünfköpfige Team arbeitet hinter der Theke. „Wir können Gäste sehr individuell bedienen“, witzelt ein Mitarbeiter. Kurz darauf trifft eine Gruppe von zehn Gästen ein. So kann man sich täuschen… Ein Kellner scherzt: “Wir haben hier eine Bombenstimmung.”
+++ 13.51 Uhr: Cafés und Restaurants an der Promenadenstraße und der Fußgängerzone Weender Straße boomen. In der Stadt ist es an einem Samstag immer um diese Zeit: viele Besucher, viele auf Shopping-Tour, viele Gäste, die etwas Leckeres essen oder einfach nur ein kühles oder heißes Getränk zu sich nehmen und einfach nur bummeln wollen. Auch auf dem Wochenmarkt rund um die Johanniskirche ist wie immer der starke Markttag am Samstag. „Es sind etwas weniger Kunden da“, sagt ein Zubringer am Stand. In der Stadt ist nichts davon zu sehen, dass etwa 1,5 Kilometer Luftlinie entfernt Bombenexperten unter größter Anstrengung fünf verdächtige Orte nacheinander untersuchen – und dabei mit Samthandschuhen die Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg aufdecken.
+++ 13.44 Uhr: In einer kurzen Pressekonferenz lobte der Leiter der Artillerieabteilung Christian Schmetz ausdrücklich das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger vor allem im Westteil der Stadt: Fast alle wären äußerst kooperativ gewesen, wenn sie herausgekommen wären des Sperrgebiets rechtzeitig im Voraus. Manche hätten sogar zu früh „das Land verlassen“, nämlich gestern Abend um sechs Uhr, wie es ein städtischer Mitarbeiter an der Hotline schilderte. “Das war ein Missverständnis.” Auch Christian Schmetz sagte: „Ein Lob an alle, die sich vorbildlich verhalten.“
Bombenräumung in Göttingen: Ein Blick in den Krisenstab Breslauer Straße. © Thomas Copytz
+++ 13.23 Uhr: Wie Pia Zojer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) berichtet, haben bislang rund 230 Menschen die Evakuierungsunterkünfte des Felix-Klein-Gymnasiums (FKG) erreicht, rund 150 können noch untergebracht werden dort. Für den ASB bedeutet dies eine vorzeitige Außerbetriebnahme und eine minimierte Anzahl von Einsatzkräften vor Ort. Auch der ASB kann derzeit nicht in seine Räume zurückkehren, da er sich ebenfalls im Evakuierungsradius befindet.
+++ 13.08 Uhr: Pressekonferenz im Polizeihubschrauber mit dem Bürgermeister: Petra Broistedt wurde vor dem Polizeirevier in Weende über die Besatzung der „Phoenix 91“, so der Funkname des Hubschraubers, informiert. Pilot Stefan Scharfschwerdt, Co-Pilot Jörg Maass und Operator Stefan Jahn gaben ihr und den Reportern bereitwillig Auskunft. Der Hubschrauber war gerade gelandet. Er kam aus Duderstadt, wo er die Bundespolizei besetzte. Nun geht es zurück zum Flughafen Hannover, ein Flug von etwa 30 Minuten. Ein weiterer Polizeihubschrauber steht dann in Göttingen bereit.
Der Polizeihubschrauber „Phoenix 91“ ist in der Leitstelle Otto-Hahn-Straße gelandet. Oberbürgermeisterin Petra Broistedt und Polizeidirektor Rainer Nolte lassen sich von Pilot Stefan Scharfschwerdt die Funktionsweise der Wärmebildkamera erklären. © Stadt Göttingen/Mischke
Seit dem Morgen hat „Phoenix 91“ mehrere Runden im Evakuierungsgebiet gedreht, um Personen zu finden, die dort nicht sein durften. „Mit unserer hochauflösenden HD-Kamera konnten wir mehrere Personen orten“, sagt Stefan Jahn. “Unter anderem im Iduna-Zentrum”.
+++ 13.01 Uhr: Scharfe Kontraste: Während die Göttinger Fußgängerzone in der Innenstadt voll ist, herrscht nur wenige hundert Meter entfernt Totenstille in den Straßen der Evakuierungszone und des Bahnhofs Göttingen. Die Polizei sorgt für entsprechende Absperrungen. Die Leute wollen aber immer noch zum Bahnhof gehen, um einen Zug zu erwischen, sagt ein Polizist. Es gebe bereits Menschen, denen die Bombenentschärfung nicht aufgefallen sei, sagte der Beamte. Glück hat die Esso-Tankstelle an der Weender Landstraße. Es kann erreicht werden, aber beim Verlassen müssen Autofahrer um die Mittelinsel der Hauptstraße fahren, um zum Weender Tor zurückzukehren.
+++ 12.54 Uhr: Wie der Leiter der Ordnungsabteilung in Göttingen Christian Schmetz mitteilt, erwägen die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes eine kontrollierte Probesprengung in einem Zünder. Grund ist das Regenwetter. “Bitte wundern Sie sich nicht, wenn Sie ein Klopfen hören”, warnt Schmetz die Bürger. Die Testexplosion würde nur am Detonator stattfinden, entfernt von der Störung. Auf jeden Fall wird keiner der Käfer einzeln gesprengt, da eine Explosion auch die Zünder auf nahe gelegenen Bomben aktivieren könnte.
+++ 12.29 Uhr: Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt lobt die insgesamt positive Stimmung bei einem Mitarbeiterbesuch. “Aber es ist ärgerlich, dass sich immer Leute im Sperrgebiet aufhalten.” Insgesamt sollen sich drei Personen illegal in dem Sperrgebiet aufgehalten haben. “Es ist sehr nervig.” Sie freut sich, dass der EOD-Entsorgungsservice gut vorankommt. Der erste Fehler wurde identifiziert. Die Langzeitzündbombe ist identifiziert und soll später gezündet werden. Sie sieht gute Chancen, dass die Deaktivierungskampagne heute gut ausgeht.
Stadt und Landkreis bilden den Arbeitskreis
Der heutige Betrieb wird von einem zentralen Stab geführt. Ihm gehören Vertreter der Stadt- und Kreisverwaltungen an. Darüber hinaus sind einzelne Organisationen durch Fachberater im Stab vertreten.
+++ 11.55 Uhr: Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen hat den ersten verdächtigen Gegenstand am Leineufer entdeckt und identifiziert. Es ist eine amerikanische 10-Zentner-Bombe mit Langzeitzünder.
Zunächst werden die anderen vier Verdachtspunkte untersucht. Danach ist nur noch eine kontrollierte Detonation der Artillerie geplant.
+++ 11.40 Uhr: Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen musste seine Arbeit zweimal unterbrechen. Der Grund: Personen wurden im Sperrgebiet gemeldet. Die Polizei musste die Sperrzone betreten, um die Situation zu klären. Inzwischen wurde das Areal gesäubert. Es gilt: Das Betreten des Sperrgebietes ist ausdrücklich untersagt, es handelt sich um eine Sicherheitsfrage! Durch die Unterbrechung verzögern sich die Arbeiten.
+++ 11.35 Uhr: Der Albaniplatz ist zum zentralen Umsteigepunkt für den Schienenersatzverkehr geworden. Von dort fahren Busse nach Northeim, Eichenberg, Heiligenstadt, Adelebsen und Kassel-Wilhelmshöhe. An diesen Punkten erreichen Sie die Züge. Pendler warten geduldig auf die Abfahrt ihrer jeweiligen Busse. Vier Mitarbeiter helfen vor Ort, den richtigen Anschluss zu finden. Tobias Festerling, Leiter der Bahnhofsleitung Braunschweig/Göttingen, war rundum zufrieden. Das Konzept ging auf. Um das Aufkommen zu bewältigen, wurden Busse aus vielen Regionen Deutschlands angemietet, darunter Südniedersachsen, Eichsfeld und Witzenhausen. Offenbar hatten sich die Reisenden aber an die Situation angepasst, denn der Ansturm auf die Busse war nicht so groß wie erwartet. Die Bahn hatte im Vorfeld Empfehlungen ausgesprochen.
Albaniplatz: Über diesen zentralen Punkt in Göttingen wird der Schienenersatzverkehr geführt. Tobias Festerling, Leiter Bahnhofsmanagement Braunschweig/Göttingen, freut sich über die Aktion. ©Bernd Schlegel
+++ 11.25 Uhr: Im Evakuierungszentrum sind derzeit 235 Personen registriert. Mehr als die Hälfte der Plätze sind noch verfügbar. Falls das Evakuierungszentrum nicht ausreicht, steht eine weitere Einrichtung zur Verfügung. Aller Voraussicht nach wird dies nicht erforderlich sein.
+++ 11.10 Uhr: Oberbürgermeisterin Petra Broistedt ist ins Polizeirevier Otto-Hahn-Straße geladen. Rainer Nolte, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, berichtet: „Seit 10 Uhr morgens gibt es Sicherheit.“ Broistedt: „Ich möchte mich bei allen für dieses außerordentliche Engagement bedanken.“
+++ 10.52 Uhr: Der Einsatz von Bombenräumungsmaterial aus dem Zweiten Weltkrieg ist beachtlich: 78 Überseecontainer sollen die S-Arena bei der Bombenräumung an diesem Wochenende schützen. Unter der Woche ließen sie sich in der Gegend zwischen Sportzentrum und Leine nieder. Auch die Fensterfronten der Arena wurden mit schwerem Bauvlies verkleidet. Etwa die Hälfte der „Stahlkisten“ wurden von der Berufsfeuerwehr mit jeweils 24 Kubikmeter Wasser gefüllt und sollen die S-Arena vor Schäden schützen, falls auf dem Gelände Trümmer gesprengt werden sollen. 56 Wassersäcke, 70 Großpackungen, 100 Kubikmeter Bausand, 100 Sandsäcke, 160 Strohballen (gespendet von der Landbevölkerung) und fünf Holzkonstruktionen des Technischen Hilfswerks sind vor Ort und sollen Schutz im Ereignisfall bieten einer Explosion.
Michael Neugebauer (rechts), Vorstandsvorsitzender der Göttinger Verkehrsbetriebe, berichtete von den Evakuierungsfahrten. © Verena Schulz
+++ 10.45 Uhr: Die Göttinger Oberbürgermeisterin Petra Broistedt ist bei den Göttinger Verkehrsbetrieben (GöVB) eingetroffen. Geschäftsführer…