Einem vertraulichen UN-Bericht zufolge bereitet sich Nordkorea offenbar auf einen Atomtest vor
05.08.2022 04:31 Uhr
Seit Nordkoreas letztem Atomtest sind fast fünf Jahre vergangen. Plant Herrscher Kim Jong Un einen neuen? Nach Angaben der Vereinten Nationen mehren sich die Beweise. Offenbar hat auch Pjöngjang mit Hackerangriffen das nötige Geld gestohlen.
Nordkorea bereitet sich nach Angaben der Vereinten Nationen auf seinen ersten Atomtest seit 2017 vor. Bauarbeiten wurden kürzlich in einer unterirdischen Testanlage im Norden des Landes gesichtet: “Arbeiten auf dem Atomtestgelände Punggye-ri ebnen den Weg für weitere Atomtests für die Entwicklung von Atomwaffen”, so eine zuvor vertrauliche UNO. Expertenbericht Satellitenbilder zeigten, dass Nordkorea sein Tunnelnetz in Punggye-ri reparierte und Gebäude an der Stelle wieder aufbaute, die 2018 im Rahmen von Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten abgerissen wurden. Auch die Kapazität zur Produktion von spaltbarem Material in der nordkoreanischen Nuklearanlage Yongbyon ist laut dem UN-Bericht der letzten Monate gestiegen.
Seit Monaten befürchten Beobachter, dass nach zahlreichen Raketentests der erste Atomtest von Machthaber Kim Jong Un seit fast fünf Jahren bevorstehen könnte. Bereits im Juni hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) auf die Aktivitäten in Punggye-ri hingewiesen. Nordkorea führte dort zwischen 2006 und 2017 sechs Testexplosionen durch.
Das Land erlaubt keine internationalen Vor-Ort-Inspektionen. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat Nordkorea in diesem Jahr bereits mehr als 30 ballistische Raketen abgefeuert, darunter mehrere Interkontinentalraketen, und damit gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates verstoßen. Angesichts des nordkoreanischen Nuklearprogramms sagte UN-Generalsekretär António Guterres am Montag, die Welt befinde sich in einer „Zeit nuklearer Gefahr, wie es sie seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges nicht mehr gegeben habe“. Die Menschheit läuft Gefahr, die Lehren aus Hiroshima und Nagasaki zu vergessen. “Heute ist die Menschheit nur noch ein Missverständnis, eine Fehleinschätzung von der nuklearen Vernichtung.”
Cyberkriminalität füllt die Kassen
Laut UN-Experten finanziert Nordkorea sein Atomprogramm immer noch durch Hacking-Angriffe, bei denen Computerspezialisten Geld nach Pjöngjang schmuggeln, indem sie Daten stehlen. Sie haben angeblich „Hunderte Millionen Dollar“ in Kryptowährungen gestohlen. Entgegen UN-Sanktionen gegen die Autokratie exportiert das Land auch Kohle.
Mit Raketentests und seinem Atomprogramm will Kim Jong Un den Druck auf die Weltgemeinschaft erhöhen, die Sanktionen aufzuheben. Gleichzeitig ist die Diplomatie mit den USA seit Kims gescheitertem zweiten Gipfeltreffen mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump im Februar 2019 ausgesetzt. Nordkorea machte damals mehrfach deutlich, dass es an neuen Gesprächen solange nicht interessiert sei Washington machte keine neuen Vorschläge. Im Mai scheiterten die USA im UN-Sicherheitsrat an einer Resolution für härtere internationale Sanktionen gegen Pjöngjang. Russland und China legten ihr Veto gegen die Abstimmung in New York ein.