1/6
In einer Gewerkschaftsumfrage sprechen sich 20.000 Bauarbeiter für einen Streik aus.
Die Gewerkschaften und der Baumeisterverband verhandeln seit Anfang des Jahres über einen neuen Staatsvertrag, in dem die Löhne und Arbeitsbedingungen der Bewohner von Büezer geregelt werden. Aber die Verhandlungen gehen weiter, und die Uhr tickt.
Kommen beide Seiten bis Jahresende nicht zu einer Einigung, rutscht die Branche im neuen Jahr in einen vertragslosen Zustand. „Die Verhandlungen haben im Februar begonnen und wir haben immer noch keine Lösungen auf dem Tisch. Das Unverständnis unter den Bauarbeitern wächst», sagt Nico Lutz (51), Bereichsleiter Bau der Unia, gegenüber Blick.
Hohe Unterstützung für den Streik
Die Gewerkschaften erhöhen den Druck auf die Bauarbeiter: Mehr als 20.000 Bauarbeiter stimmten bei einer landesweiten Abstimmung für einen Streik. Die Gewerkschaft Unia teilte am Donnerstag mit, dass 92 Prozent der Wähler den möglichen Streik unterstützen würden.
Hauptkritikpunkte der Gewerkschaften: Vorarbeiter würden ältere Arbeiter weniger bezahlen und länger arbeiten. Ältere Arbeitnehmer, die nicht mehr so viel leisten können, sollen laut Bauherren künftig schneller entlassen und auf den Mindestlohn reduziert werden. Wir wehren uns vehement“, sagt Lutz.
Auch die Gewerkschaften wehren sich gegen die Forderungen der Arbeitgeber nach mehr Flexibilität in der Arbeitsteilung. „Sie wollen im Winter Bereitschaftsdienst einführen und im Sommer die Arbeitstage noch mehr verlängern. In Verhandlungen werden derzeit bis zu zwölf Stunden Arbeits- und Reisezeit pro Tag und 58 Stunden pro Woche gefordert“, sagt Lutz.
„Das wäre ein Verstoß gegen die Friedenspflicht“
Stattdessen wollen die Gewerkschaften genau das Gegenteil erreichen. „Nach dem letzten heißen Sommer bedarf es dringend einer klaren Regelung zur Arbeitszeitverkürzung an heißen Tagen, damit die Gesundheit der Belegschaft nicht leidet“, bekräftigt Lutz. Zudem muss die maximale Arbeits- und Pendelzeit pro Tag auf zehn Stunden begrenzt werden und anders als heute muss die komplette Fahrt vom Firmendepot zum Standort und zurück bezahlt werden.
Die Streikdrohung kommt beim Schweizerischen Baumeisterverband nicht gut an. „Die Verhandlungen, die wir für konstruktiv halten, sind noch nicht abgeschlossen und werden am 21. Oktober fortgesetzt, aber die Gewerkschaften planen weiterhin einen Streik. Dies wäre ein klarer Bruch der Friedensverpflichtung, die auch während Verhandlungen gilt. Wir werden das aufmerksam verfolgen“, sagt Verbandssprecher Matthias Engel auf Nachfrage.
Bauherren verlangen eine Gegenleistung
Eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten sei für Unternehmen wegen der Wetterabhängigkeit der Arbeit wichtig, so Engel. „Für Meister hätte das den Vorteil, dass sie ihre Mitarbeiter bei schlechtem Wetter früher nach Hause schicken und diese Stunden dann anderweitig nutzen können.“ Aber auch Bauarbeiter würden mehr Flexibilität fordern, ergab eine Umfrage unter Polieren.
Außerdem zahlen sie die höchsten Handwerkerlöhne in Europa. „Der Verband der Baumeister hat sich bereits bereit erklärt, über Gehaltsanpassungen zu sprechen, aber es ist klar, dass es mehr Spielraum gibt, wenn der LMV modernisiert wird“, sagt Engel. Eines scheint sicher: Ein heißer Verhandlungsherbst steht bevor.