Marktbericht
Stand: 22.07.2022 09:34 Uhr
Nach einer schnellen Rally, die den DAX zeitweise um mehr als 1.000 Punkte nach oben schickte, drückten einige Anleger am Ende der Woche auf den Verkaufsknopf. Ist das nur Gewinnmitnahme oder steckt mehr dahinter?
Nach einer rasanten Rally, die den DAX von seinem Tief bei 12.434 Punkten über 1.000 Punkte auf 13.399 Punkte brachte, geht den Bullen die Puste aus. Nach dem gestrigen kleinen Minus von 0,3 Prozent geht es am letzten Handelstag der Woche zunächst weiter nach unten.
Der DAX startete in den XETRA-Handel mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 13.180 Punkte. Was offensichtlich fehlt, sind die Nachkäufer, die den deutschen Leitindex nach oben treiben könnten.
Konzern-DAX: Wichtige Marken auf einen Blick
„Das Zögern der Anleger lässt sich auf zweierlei Weise interpretieren: Entweder besteht kein wirkliches Kaufinteresse. Dann besteht die Gefahr eines weiteren Rückgangs, wenn der Index wieder unter 13.000 Punkte fällt“, erklärt Jochen Stanzl, Chefanalyst bei CMC Markets. „Oder alle warten auf einen erneuten Test der technischen Breakout-Marke bei 13.020 Punkten und steigen erst ein, wenn diese gehalten hat.“
Derweil sehen die technischen Analysten von HSBC die aktuelle DAX-Konsolidierung als „ziemlich glatt“. Lediglich ein Abrutschen unter die Haltezone oberhalb von 12.900 Punkten – hier unter anderem der jüngste durchbrochene Abwärtstrend seit Anfang Juni – würde sie beunruhigen. „Darunter würde der Blick wieder nach Süden schwenken und jede Hoffnung auf ein Ende der Baisse wäre verloren.“
Anleger verdauen EZB-Zinsänderung
Aus fundamentaler Sicht verdauen die DAX-Anleger die gestern begonnene Zinswende noch. Mit ihrer ersten Zinserhöhung seit 11 Jahren machte die EZB angesichts steigender Inflation einen unerwartet starken Schritt von 50 Basispunkten.
Ein solch deutlicher Zinsanstieg ist in zweierlei Hinsicht ein negatives Signal für die Aktienmärkte. Erstens macht es Aktien im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv. Zweitens zeigt es, wie düster die Situation ist, wenn selbst die bisher so schwankende und zögernde EZB-Präsidentin Christine Lagarde plötzlich einen großen Zinsschritt wagt
Kommt die EZB zu spät?
Andere Notenbanken wie die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hatten den Kampf gegen die Inflation bereits viel früher und engagierter zu einer kräftigen Anhebung der Zinsen geführt. Global betrachtet steht die EZB klar hinter der gerade erst begonnenen Zinswende.
Viele Experten befürchten daher, dass die EZB nun gezwungen sein wird, die Zinsen in den kommenden Sitzungen schneller und deutlicher anzuheben, als dies bei einem früheren Eingreifen nötig gewesen wäre.
Der Gasfluss durch Nord Stream 1 bleibt konstant
Denn als am Donnerstag die Ostsee-Pipeline in Betrieb ging, waren Befürchtungen, Moskau könnte den Wasserhahn dauerhaft zudrehen, zunächst unbegründet.
Netzdaten zufolge fließt seit Abschluss der Wartungsarbeiten kontinuierlich Gas durch die Pipeline Nord Stream 1, obwohl sich Regierung, Unternehmen und Experten auf eine Fortsetzung oder gar Verschärfung der Gaskrise einstellen.
Verspätete Demonstration an der Wall Street
Gute Richtlinien für den DAX-Handel kommen von der Wall Street. Dort beschleunigten sich die wichtigsten US-Indizes gestern spät und schlossen auf oder nahe ihren Tageshöchstständen.
Der US-Leitindex Dow Jones stieg um 0,5 Prozent auf 32.036 Handelspunkte. Der breite S&P 500 stieg um 0,9 Prozent auf 3.998 Punkte. Der technologielastige Nasdaq legte um 1,4 Prozent auf 12.059 Stellen zu.
Tesla spricht Tech-Schnäppchenjäger an
Eine Verdoppelung der Gewinne beim US-Elektroautohersteller Tesla hat Schnäppchenjäger angezogen, insbesondere bei Technologieaktien. Die Gewinne des Unternehmens könnten etwas besser ausgefallen sein als befürchtet, sagte J. Bryant Evans, Anlageberater und Portfoliomanager bei Cozad Asset Management. “Als Investoren denken wir, dass insbesondere der Technologiesektor zu weit gefallen ist und es einige gute Gelegenheiten geben könnte.”
Shanghai wegen Corona runter – Nikkei rauf
Erneute Kronenaustriebe schlugen heute früh an der chinesischen Börse ein. Die Shanghai Stock Exchange fiel zum Wochenschluss um 0,7 Prozent auf 3.249 Punkte. Japans Nikkei-Index mit 225 Aktien setzte seine Rallye fort und stieg um 0,4 Prozent auf 27.908 Punkte.
Die Gaskrise und Italien belasten den Euro weiterhin
Von der ersten Zinserhöhung in der Eurozone seit elf Jahren konnte der Euro gestern nur kurz profitieren. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel im frühen Devisenhandel um 0,2 Prozent auf 1,0198.