Influenza und Covid-19: Gemischtes Doppel gegen das Immunsystem

© NIAID Heute 12:04 Uhr Patrick Eickemeier

Grippe und Coronaviren greifen dieselben Zellen in den Atemwegen an. Wenn beide infiziert sind, könnte die Vermehrung des einen die des anderen verlangsamen.

Ein grippaler Infekt könnte eine gleichzeitige Sars-Cov-2-Infektion hemmen. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher in einer Studie im “Journal of Virology”.

Anhand von Zellkulturen und Tierversuchen mit Hamstern fanden Wissenschaftler um Kohei Oishi von der New York University heraus, dass das Influenza-A-Virus die Vermehrung des Coronavirus in der Lunge noch mehr als eine Woche nach einer Influenza-Infektion schädigt.

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Virale Interferenz ist ein bekanntes Phänomen

Die Forschung sei wichtig, weil mit Sars-Cov-2 und Influenza A derzeit zwei RNA-Viren in der menschlichen Bevölkerung zirkulieren, die ein hohes Pandemiepotenzial haben, schreiben die Forscher. Da beide Viren die Atemwege infizieren und schwere Schlaganfälle bis hin zum Tod verursachen können, sei es „zwingend“, die Folgen einer Koinfektion zu verstehen.

Die Forscher infizierten Hamster gleichzeitig mit beiden Viren und untersuchten die Tiere anschließend regelmäßig. Sie führten auch Experimente durch, bei denen sie die Tiere zuerst mit einem der beiden Viren und drei Tage später mit dem anderen Virus infizierten.

Bei einem Teil der koinfizierten Hamster waren die Mengen an Sars-Cov-2 im Lungengewebe geringer als bei Tieren, die nur mit dem Coronavirus infiziert waren. Wurden hingegen Hamster erstmals mit Sars-Cov-2 infiziert, so scheint diese Infektion keinen Einfluss auf die Vermehrung nachträglich eingeschleppter Influenzaviren zu haben.

Die Verringerung der Vermehrung des Kronenvirus nach Infektion mit dem Influenza-Erreger war mit höheren Interferonspiegeln gekoppelt. Diese Botenstoffe regen die Produktion antiviraler Proteine ​​in den Zellen an. Interferone sind Teil des angeborenen Immunsystems. Generell ist die Wirtsantwort auf die beiden Viren vergleichbar mit der einer Sars-Cov-2-Infektion alleine.

„Das beschriebene Phänomen, dass offenbar ein Virus versucht, ein zweites Virus am Eindringen in die Zelle zu hindern, ist seit vielen Jahrzehnten bekannt“, sagte Ortwin Adams, Virologe am Universitätsklinikum Düsseldorf des Science Media Center Deutschland (SMC). Der hierfür verwendete Begriff „virale Interferenz“ ist auch für die hier wirksamen Interferone gleich. „Das Grippevirus ist bekanntermaßen ein Virus, das in der infizierten Zelle eine starke Interferonreaktion hervorruft“, sagt Adams.

Die Koinfektionsstudie könnte den Forschern zufolge als Beispiel dafür dienen, wie eine Immunantwort auf etwas Fremdes Schutz vor Sars-Cov-2 bieten könnte. Die Daten deuten darauf hin, dass eine Koinfektion mit Sars-Cov-2 und Influenza wahrscheinlich nicht zu einer schwereren Erkrankung führen wird. Frühere Studien, wie sie kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurden, zeigten einen Anstieg der Sterblichkeitsraten bei Koinfektionen mit beiden Erregern.

Der Impfschutz gegen beide Erreger verlangsamt die Koinfektion

„Die Grippe versetzt den Körper des Hamsters in einen antiviralen Zustand, in dem nach der Infektion interferonstimulierte Gene reguliert werden“, sagte Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg, gegenüber der SMC. Dies ist die natürliche Abwehrreaktion des Körpers auf fremde Organismen oder Substanzen. „Nach den Ergebnissen dieser Studie hemmt diese native Immunantwort offenbar eher Sars-Cov-2 als die Grippe“, sagt Becker.

Das Hamstermodell lässt jedoch keine allgemeingültigen Schlüsse zu. „Ich würde mich nicht auf Hamsterdaten verlassen, um anzunehmen, dass Koinfektionen harmlos sind“, sagt Becker. Das Tiermodell sei „näher am Menschen“ als Zellkulturen, sagt Adams, aber das Immunsystem sei nicht dasselbe wie beim Menschen. „Außerdem hatten die Tiere bis zum Versuch keinen Kontakt mit Influenza oder Sars-Cov-2“, sagt der Virologe. Erwachsene haben jedoch jahrzehntelange Erfahrung mit Influenzaviren und Covid-19 geimpft und auch mit Sars-Cov-2 genesen.

Für grundlegende Aussagen sollten Personen vor, während und nach Koinfektionen untersucht werden. Außerdem sollten der Impfstatus der Studienteilnehmer und Virusvarianten berücksichtigt werden. In der Studie wurden zwei ältere Virusvarianten verwendet. „Neuere Virusvarianten könnten eine andere, möglicherweise pathogenere Wirkung haben, wenn man mit beiden Erregern infiziert ist“, sagt Becker.

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Er und Adams empfehlen, für Herbst und Winter einen umfassenden Impfschutz gegen Sars-Cov-2 und die Grippe zu schaffen. „Auf diese Weise minimieren wir sicher das Risiko möglicher Co-Infektionen, insbesondere für ältere Menschen.“

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