Veröffentlicht am 13. Januar 2023, 22:24 Uhr
Incel-Foren: Die Schweizer Polizei untersucht Online-Frauenfeindlichkeit
Sie werden radikaler: Die Incel-Szene wird künftig von der Schweizer Polizei genauer analysiert.
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Mit Aussagen wie „Die Frau ist das Eigentum des Mannes“ oder der Behauptung, Vergewaltigungsopfer seien mitschuldig, hat er viele Anhänger unter den Incels gewonnen.
Reuters
Die Influencerin versuchte Ende 2022, die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg zu verspotten. Doch sie wehrte sich. Die Interaktion endete mit seiner Verhaftung.
AFP
Andrew Tate, der vor wenigen Tagen in Rumänien festgenommen wurde, wird in der Incel-Szene bewundert.
Getty Images
Das ist es, worum es geht
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Incels sind heterosexuelle Männer, die unfreiwillig weder Sex noch Beziehungen haben.
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Sie machen emanzipierte Frauen dafür verantwortlich.
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Sie radikalisieren sich online: Die Polizei verfolgt das Phänomen.
Die Schweizer Incel-Szene steht seit dem 1. Januar unter Beobachtung. Bund, Kantone, Städte und Gemeinden haben einen Aktionsplan zur Prävention von Radikalisierung und gewaltbereitem Extremismus lanciert. Einige Austauschforen von Incel in Europa seien bereits wegen ihres Gefahrenpotenzials gesperrt worden, sagten die Autoren des Aktionsplans dem Tages-Anzeiger. Auch das Bundesamt für Polizei (Fedpol) hat das Phänomen der Incels in jüngster Zeit weiterverfolgt.
„Incel“ – ein Akronym für „involuntary“ (unfreiwillig) und „celibate“ (zölibatär) – ist eine Internet-Subkultur heterosexueller Männer, die nach eigenen Angaben unfreiwillig keine sexuellen oder romantischen Beziehungen haben und der Ideologie folgen des Festhaltens an hegemonialer Männlichkeit.
“Incels geben der Emanzipation die Schuld, dass sie nicht die Frauen bekommen, die sie ihrer Meinung nach verdienen”, erklärt Markus Theunert, Leiter des Dachverbandes der Schweizer Väter- und Männerorganisationen (Männer.ch). Anhänger dieser Bewegung propagieren Frauenfeindlichkeit in Bezug auf Gewaltphantasien. Die von Incels zum Ausdruck gebrachten Überzeugungen sind geprägt von Frauenfeindlichkeit, dem Anspruch auf das Recht auf Sex, Selbstmitleid und Duldung sowie der Anwendung von Gewalt gegen sexuell aktive Frauen und Männer.
Der Incel-Ton wird radikaler
Der Informatiker und Kommunikationswissenschaftler Manoel Horta Ribeiro von der ETH Lausanne und sein Team haben 28 Millionen Beiträge untersucht, die zwischen 2005 und 2019 weltweit in frauenfeindlichen Foren gepostet wurden. Wie gross die Incel-Bewegung in der Schweiz ist, kann der Forscher nicht sagen. Viele der Teilnehmer kommunizieren auf Englisch und verstecken sich hinter Decknamen. Aber es sei klar, dass die Szene weltweit wächst und ihr Ton radikalisiert, sagt Horta Ribeiro im «Tages-Anzeiger».
Mit einem realen Eintrag in einem Schweizer Forum zeigt der Wissenschaftler, wie sich Selbstmitleid und Aggression im Weltbild dieser Männer mischen. Letzten September kontaktierte ein Mitglied die Community, nachdem es von einer Frau an einer Schweizer Universität angesprochen worden war. „Das ist mir noch nie passiert. Super positiv, immer lächelnd, ziemlich liebevoll. Wir haben die ersten zwei Tage normal geredet und heute sagt sie fünfmal, dass sie einen Freund hat. Soll ich aufhören, mit ihr zu reden?“, fragte er.
Ein anderes Mitglied antwortete: „Sprich nicht noch einmal. Sieh sie nicht an. Wie ein Tschad Wenn sie klebt, schnapp sie dir, riech sie, drück sie an die Wand und mach es mit ihr, dann schlag sie.“ Ein besonders attraktives Männchen in der Szene ist ein Chad, auch Alpha-Männchen genannt.
Laut Fedpol werden weltweit Incels im Internet “mit teilweise tragischen Folgen und geringem logistischen Aufwand” radikalisiert. Der Schritt gefährdet die innere Sicherheit Europas. Schweizer Behörden wollen nun ihre Polizeikräfte für dieses Phänomen sensibilisieren, um potenziell gefährliche Personen besser identifizieren zu können.
Sind Sie oder jemand, den Sie kennen, von sexueller, häuslicher, psychischer oder sonstiger Gewalt betroffen?
Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz
Beratung zu sexueller Gewalt an Frauen
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein
Zwuschehalt, Unterstände für Männer
LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133
Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13
Angebotene Hand, Anliegen Hotline, Tel. 143
Pro Juventute, Kinder- und Jugendberatung, Tel. 147
Beratungsstellen für gewalttätige Menschen
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