Hurrikan Ian fegte über die Westküste Floridas

Das Zentrum von vier von fünf Hurrikanen traf die Küste nahe der Stadt Cape Coral, teilte das US-Hurrikanzentrum am Mittwoch mit. Es handele sich demnach um einen “extrem gefährlichen Hurrikan”, der meterhohe Sturmfluten, Überschwemmungen und Starkregen verursachen dürfte.

Die Behörden warnten davor, dass Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Stundenkilometern schwere Schäden an der Infrastruktur, Kommunikationsleitungen und weit verbreitete und anhaltende Ausfälle verursachen könnten.

Bilder der Zerstörung auf Kuba, mindestens zwei Tote

„Ian“ traf am Dienstag als Hurrikan der Kategorie drei von fünf auf Kuba. In der besonders betroffenen Provinz Pinar del Río seien zwei Menschen beim Einsturz ihrer Häuser gestorben, teilte die kubanische Regierung am Dienstag mit. In dem Bundesstaat mit gut elf Millionen Einwohnern wurde zeitweise im ganzen Land der Strom abgeschaltet, der staatliche Stromkonzern UNE kündigte an, die Versorgung nachts und morgens schrittweise wieder herzustellen.

Aufgrund von Stromausfällen und Unterbrechungen der Internet- und Telefonverbindungen gelangten Informationen aus den besonders betroffenen Gebieten Kubas nur nach und nach an die Öffentlichkeit. Die Fotos zeichneten ein Bild großflächiger Zerstörung: Sie zeigten Trümmer in den Straßen, überflutete Häuser, entwurzelte Bäume, bedeckte Häuser und überflutete Straßen. „Der Schaden ist groß, obwohl er noch nicht statistisch erfasst wurde“, schrieb Präsident Miguel Díaz-Canel nach einem Besuch in der Provinz Pinar del Río auf Twitter.

Unterdessen sank ein Schiff mit Migranten aus Kuba vor der Küste Floridas. Die US-Küstenwache suchte am Mittwoch nach 23 Personen, wie sie auf Twitter mitteilte. Vier Migranten hatten zuvor die US Stock Island in Key West erreicht, indem sie bei stürmischem Wetter vom Boot aus schwammen, hieß es aus Quellen.

Evakuierungsanweisungen für 2,5 Millionen Menschen

Evakuierungsanweisungen galten für 2,5 Millionen Menschen in der Region. Frühe Fotos und Videos in sozialen Medien zeigten bereits schwere Überschwemmungen in den Städten Fort Myers Beach, Cape Coral und Naples, die teilweise mehrere Meter hoch waren. Laut der Website Poweroutage waren am Mittwochnachmittag (Ortszeit) bereits rund 800.000 Haushalte in Florida ohne Strom.

Das Zeitfenster schließe sich, warnte der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, die betroffene Bevölkerung in einer Rede am Dienstagabend. „Du musst dich jetzt in Sicherheit bringen, sonst wirst du ziemlich bald die Auswirkungen des Sturms spüren“, sagte er.

Sturm des Jahrhunderts

Die vom Sturm erwartete Region habe seit rund 100 Jahren keinen solchen Hurrikan mehr erlebt, warnte Deanne Criswell von der US-Katastrophenschutzbehörde Fema. Es ist wichtig, dass Menschen, die längere Zeit nicht in dem südöstlichen Bundesstaat gelebt haben und wenig Erfahrung mit Hurrikanen haben, die Angelegenheit ernst nehmen. Experten befürchten zudem, dass sich das Bauen in der Region in den vergangenen Jahrzehnten immer näher ans Wasser gerückt hat. Überschwemmungen könnten viele Gebäude beschädigen oder zerstören.

Das US-Verteidigungsministerium sagte, dass mehr als 3.200 Mitglieder der Florida National Guard aktiviert wurden, weitere 1.800 stehen bei Bedarf noch aus. Florida hat Soldaten und Ausrüstung auf Stützpunkten im ganzen Bundesstaat stationiert, um sich auf den Einsatz in den vom Sturm betroffenen Gebieten vorzubereiten, sagte ein Ministeriumssprecher in Washington. Beispielsweise kann die Nationalgarde die Straßen räumen und bei Such- und Rettungsaktionen helfen.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte der Gegenwind des Hurrikans die Stadt Key West, den südlichsten Punkt Floridas, erreicht. Bilder von überfluteten Straßen und meterhohen Wellen waren in den sozialen Netzwerken zu sehen. Das Orkanzentrum hatte vor mehr als dreieinhalb Meter hohen Sturmwellen auf der Halbinsel gewarnt, die „Leben bedrohen“.

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