Hohe Energiekosten Kritik an der Mehrwertsteuersenkung auf Gas

Stand: 19.08.2022 06:42 Uhr

Sozialverbände, die Gewerkschaft ver.di und die Industrie haben die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Erdgas kritisiert. Die Räte hingegen lobten die Maßnahme.

Soziale Organisationen und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di haben kritisch auf die Senkung der Gas-Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent reagiert. „Die Mehrwertsteuersenkung ist eine Entlastung für alle, auch für diejenigen, die sie gar nicht brauchen“, erklärte der gemischte Verband der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Dazu gehören auch bessere Löhne, die unsere Sozialsysteme mit der Mehrwertsteuer entlasten könnten.“

Stattdessen sprach sich der Verband für “konkrete Hilfen für diejenigen aus, die ihre Gasrechnung nicht mehr bezahlen können”.

Sozialverband: Die Steuersenkung muss kommen

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, sagte der „Rheinischen Post“, die Steuersenkung müsse bei den Menschen ankommen. „Dieser Schlag darf nicht gleich sein wie beim Panzerrabatt. Die Steuersenkung muss bei den Menschen ankommen.“

Um dies zu gewährleisten, brauche es eine “rechtswirksame Regulierung”, sagte Bentele. „Denn der Wechsel des Gasanbieters ist komplizierter als die Fahrt zur nächsten Tankstelle.“

Ver.di fordert eine Preisobergrenze für Benzin

Der Chef von Ver.di, Frank Werneke, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, er halte die vorübergehende Senkung der Erdgas-Mehrwertsteuer nicht für ausreichend. “Außerdem ist es notwendig, die von uns geforderte Gaspreisobergrenze für den Normalverbrauch durchzusetzen; bei einer vierköpfigen Familie sind das beispielsweise 12.000 Kilowattstunden im Jahr.”

Der Ver.di-Chef schlug vor, die Kosten auf das Niveau von 2021 zu begrenzen und von den Energieversorgern zu kompensieren. Die Ankündigung der Regierung, die Gas-Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent zu senken, sei “ein Schritt in die richtige Richtung”.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte am Donnerstag die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas angekündigt. Damit sollen die Menschen mehr entlastet werden, als sie der Gaszuschlag belastet.

Industrie: Mehrwertsteuersenkung auf Gas sendet falsches Signal

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie bezeichnete die Mehrwertsteuersenkung als falsches Signal. „Benzinsparen bleibt wichtig. Die angekündigte Mehrwertsteuerentlastung bleibt von Unternehmen unbemerkt, weil Unternehmen keine Mehrwertsteuer zahlen“, sagte Holger Loesch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Gassteuer belastet Unternehmen laut Loesch mit Kosten von bis zu 30.000 Euro pro Mitarbeiter. „Unternehmen kämpfen schon jetzt mit steigenden Energiekosten. Die Politik muss jetzt die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stetig erhalten und schutzbedürftige Unternehmen entlasten.“

Loesch forderte die Bundesregierung auf, die Höhe der Gassteuer zu senken und die Erhebungsdauer zu verlängern. Der BDI fordert außerdem eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Minimum, eine staatliche Mitfinanzierung der Netzentgelte für alle Verbraucher und die Fortsetzung bisheriger Energiesteuersenkungen wie etwa den Spitzenausgleich.

Mehrwertsteuersenkung auf Gas bringt Entlastung für Kommunen

Deutsche Kommunen hingegen erwarten erhebliche wirtschaftliche Einsparungen durch die Senkung der Mehrwertsteuer auf den Gasverbrauch. „Die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Gas von 19 auf sieben Prozent ist ein wichtiges Signal und eine deutliche Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger, die Wirtschaft und nicht zuletzt für die Kommunen selbst“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages und Kommunen, Gerd Landsberg, so die “Funke Mediengruppe”.

Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas – politische Reaktionen

Dietrich Karl Mäurer, ARD Berlin, 19.8.2022 5:59 Uhr

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