Einige Spieler des Teams hatten den Vergleich mit dem fiktiven Internat der Kunstfigur Harry Potter angestellt. „Das ganze Hotel ist ein bisschen wie ‚Hogwarts‘“, sagte Sarah Zadrazil. Ähnlich äußerten sich Manuela Zinsberger und Laura Feiersinger. Als „Märchen“ bezeichnete Kapitänin Viktoria Schnaderbeck das Luxushotel, das etwa 40 Meilen südwestlich von London und abgeschieden inmitten einer 50 Hektar großen Parklandschaft in Bagshot liegt.
Tatsächlich hat sich der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) nicht die Mühe gemacht und der Mannschaft für die Endrunde eine Wohlfühloase geboten. Vor allem, weil die Vorschläge des Kontinentalverbands (UEFA) Teamchefin Irene Fuhrmann und ihre Mitarbeiter nicht begeisterten. „Als wir uns das ansahen, wollten wir es“, berichtete Sportdirektor Peter Schöttel. Das war nicht billig, „es brauchte ein paar Gespräche mit den CEOs“, sagt Schöttel. „Aber wir wollten Frauen das gleiche Setup bieten wie Männern.“ Davon konnte sich ORF.at bei einer Begehung vor Ort überzeugen.
APA / Georg Hochmuth Englands Rugby- und Fußballer haben hier schon trainiert, jetzt sind die österreichischen Kicker an der Reihe
Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen
Bagshot ist da, wo sich der sprichwörtliche Fuchs und Hase gute Nacht sagen; Tatsächlich ist es zumindest ein Treffpunkt. Seit die 50-köpfige österreichische Delegation für ihr zweites EM-Finale ihr Quartier bezogen hat, wurden hier mehrere Füchse gesichtet. Wenn Sie sich öffentlich auf den Weg machen, können Sie die South Western Railway in etwa einer Stunde vom Zentrum Londons nach Ascot nehmen. Dort befindet sich nicht nur die bekannte Pferderennbahn, in dem kleinen und feinen Bahnhof kannst du auch bequem in einen leeren Bus umsteigen, der dich bis zum „Haupttor“ bringt. Das Schild räumt jeden Zweifel aus: Sie sind im Pennyhill Park angekommen.
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Der Lärm von der Straße verschwindet bald und es wird sehr still, es sei denn, es werden Schlammtauben auf dem Feld geschossen. Bald leuchtet das Logo des englischen Rugby-Teams, das hier trainiert, durch die Büsche. Vor einem Jahr war es das Basislager von Harry Kane und seinen englischen Fußballkollegen, und viele andere Spitzenteams haben sich hier bereits vorbereitet. An diesem Freitag sind es allerdings die Österreicher, die sich ausdrücklich auf den nächsten Euro-Konkurrenten Nordirland vorbereiten. Nicht alle stehen im satten Grün, Schnaderbeck schont die Knie und pedaliert einen Hügel hinunter.
Der kurze Weg war das Ziel
Der Weg zum Training war nicht weit, man ist zu Fuß in wenigen Minuten dort. Es weckt Erinnerungen an Wageningen in den Niederlanden, das vor fünf Jahren als Grundlage für das Erreichen des Halbfinals diente. Dort verbrachte er auch ein paar Minuten in einem Waldstück. Für Fuhrmann, damals stellvertretender Teamchef Dominik Thalhammer, ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl der Unterkunft, für Zinsberger sogar ein „Lebensretter“.
„Wenn man weiß, dass man in Manchester, Southampton und Brighton spielt und das Reisen sowieso schwer fällt, ist es unglaublich wichtig, dass man eine Wohlfühloase hat und vom Hotel aus zu Fuß ins Grüne laufen kann.“ sagte der Torhüter. Alle unterschreiben. „Wir fühlen uns sehr wohl“, sagte der Tenor. Wandern, schwimmen, Rad fahren oder einen Kaffee trinken: All das ist hier möglich. Die ihn umgebende Natur bietet zudem Gelegenheit, den Kopf frei zu bekommen.
ORF.at/Bernhard Kastler Wenige Minuten nach dem Training kehren die Österreicher ins Hotel zurück
Das Fitnessstudio gehört heute ausschließlich Fußballern, es gibt einen eigenständigen Wellnessbereich und Rückzugsmöglichkeiten. Sie sind von den Urlaubern isoliert, die Sie für Hunderte von Pfund pro Nacht hierher fliehen lassen. Außerdem gibt es einen Kunstrasenraum, in dem auch Analysen gemacht werden, zum Beispiel das verlorene Spiel gegen England (0:1) am Samstag. Wenn Sarah Puntigam das Gegentor sieht, wird sie darüber nachdenken, was sie Reportern am Vortag gesagt hat. “Ich trage das Tor in meiner Mütze, ich hätte den Ball besser spielen sollen, dann wäre es nicht passiert.” Die Emotionen rund um das Anfangsspiel konnten hier ruhig verarbeitet werden.
„Respekt vor dem Verein“
In den Tagen zwischen den Spielen bleibt auch Zeit, andere Dinge zu klären. Katharina Naschenweng ist mit Sängerin Melissa nicht verwandt, obwohl beide aus Kärnten stammen. Mittlerweile zieren etwa zwölf Tattoos die Haut von Laura Wienroither, deren Motive vor allem ihre Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt Frankenburg in Oberösterreich dokumentieren. Und der frisch verheiratete Mittelfeldspieler Puntigam, der sozusagen seine „Flitterwochen in Hogwarts“ verbringt, freut sich über die außerordentlich „bequemen Betten“.
Die Fußballer nehmen das nicht als selbstverständlich hin und erwidern den Dank. „Respekt dafür, dass die Partnerschaft das möglich macht“, sagte Arsenal-Legionär Wienroither. Carina Wenninger sagt: “Besser hätte man es nicht nehmen können.” Und Schnaderbeck ergänzte: „Das könnte für uns ein kleiner Vorteil sein, den andere Teams nicht haben. Das wollen wir auch nutzen.“
Er kam, um zu bleiben
Die Mannschaft will mit guten Leistungen etwas aufholen. Nach Englands 0:1-Niederlage gegen Manchester, wo sie viel verkauft haben, treffen sie am Montag in Southampton auf Nordirland. Alles andere als ein Sieg gegen den EM-Neuling, der einen Tag später Norwegen mit 1:4 unterlag, wäre eine herbe Enttäuschung im Kampf um den lang ersehnten Einzug ins Viertelfinale. Druck verspüre man keinen, aber „wir brennen darauf, die ersten Punkte zu holen“, versprach Puntigam. Österreich ist in den Pennyhill Park gekommen, um länger zu bleiben.