„HIIIIIIIT“: In was für einer Gesellschaft leben wir?

In ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung als Duo in Österreich untersuchen Stefan Panhans und Andrea Winkler die unterschiedlichen gesellschaftlichen Ausprägungen und Kontexte dieses „neoliberalen Ethos“ der Eigenverantwortung und des privaten Überlebens des Stärkeren.

Wie schützen Sie sich vor chronischen Krisen?

In einem intelligenten Set aus Filmen, Fotografien, Performances und Installationen zeichnen sie das Bild einer Gesellschaft, für die der Ausnahmezustand längst zur Normalität geworden ist. “HIIIIIIIT”, so Katharina Brandl, Kuratorin der Ausstellung, “spiegelt individuelle und gesellschaftliche Vorstellungen von Risikomanagement und -abwehr wider und fragt: Wie vollziehen wir unsere zwanghaften Versuche, uns vor chronischen und systemischen Krisen zu schützen?”

Der Titel der Ausstellung ist eine Anspielung auf den gleichnamigen aktuellen Fitnesstrend „High Intensity Interval Training“, kurz HIIT, eine Form des Zirkeltrainings, das maximale Fettverbrennung und Muskelaufbau bei minimalem Zeitaufwand verspricht. Es ist keine Überraschung, dass HIIT in den letzten Jahren aufgrund der Coronavirus-Pandemie weltweit einen regelrechten Boom erlebt hat. Trainingseinheiten können zwischen E-Meeting und Webinar bequem in den eigenen vier Wänden durchgeführt werden.

Fotoserie mit 6 Bildern

Stefan Panhans Andrea Winkler, Border Control, 2021, Videofoto (Ausschnitt) Aus der Videoinstallation „Border Control“ (2021, Koproduktion von Stefan Panhans und Andrea Winkler, Foto/Ausschnitt) Stefan Panhans Andrea Winkler, Border Control, 2021, Foto Video (Ausschnitt) Aus der Videoinstallation „Border Control“ (2021, Koproduktion von Stefan Panhans und Andrea Winkler, Rahmen/Ausschnitt) Stefan Panhans Andrea Winkler, Border Control, 2021, Videostill (Ausschnitt) Aus der Videoinstallation „ Border Control” (2021, koproduziert von Stefan Panhans und Andrea Winkler, Rahmen/Detail) Stefan Panhans/Andrea Winkler, DEFENDER, 2021, Videofoto Aus der Videoinstallation “Defender” (2021, koproduziert von Stefan Panhans und Andrea Winkler, Standbild) Stefan Panhans/Andrea Winkler, DEFENDER, 2021, Videofoto Aus der Videoinstallation „Defender“ (2021, Koproduktion von Stefan Panhans und Andrea Winkler, Foto) Stefan Panhans/Andrea Winkler, DEFENDER, 2021, Foto von video Aus der Videoinstallation “Defender” (2021, Koprodenaktion von Stefan Panhans und Andrea Winkler, Still)

„Zirkeltraining verspricht ‚explosive‘ Übungen, die effizient Ergebnisse liefern sollen, mit maximaler Leistung und wenig Zeitaufwand. Für uns alle, die in Zeiten großer Unsicherheit navigieren, lässt uns dieser Trainingstrend fragen – uns: Können wir so viel trainieren, uns anpassen so gut, dass wir unsere jetzige Krise überstehen?“, heißt es auf der Website des Kunstraum Niederösterreich.

Was ist Fiktion: „Grenzkontrolle“ und „Pro Grenzen“

Panhans und Winklers Zweikanal-Videoinstallation „Border Control“ (2021) zeigt, wie schmal der Grat manchmal sein kann zwischen privatem Training und Survival-Training, in dem sich eine Gruppe von Tänzern performativ auf Trainingsprogramme von der Landesgrenze einlässt und damit auseinandersetzt zivilen Bereich. Schutz Erinnert sei unter anderem an die Grenzschutzübung „Pro Grenzen“ von 2018, bei der Einheiten des Bundesheeres und der Polizei die konzertierte Abwehr eines „Migrantenangriffs“ an der österreichischen Grenze erprobten.

Stefan Panhans/Andrea Winkler, „Hostel“, 2018, Fotovideo aus der Miniserie „Hostel“ (2018, Koproduktion von Stefan Panhans und Andrea Winkler)

Seit 2017 arbeiten Stefan Panhans und Andrea Winkler zunehmend zusammen und haben gemeinsam eine Reihe überzeugender Videoinstallationen geschaffen, die erstmals in einer Duo-Ausstellung in Wien neben Werken beider Künstler gezeigt werden. Die Ausstellung im Kunstraum Niederoesterreich in der Herrengasse 13 in Wien ist noch bis 26. November 2022 zu sehen.

Stefan Panhans lebt in Hamburg und Berlin. Er arbeitet vor allem mit den Medien Video und Fotografie „und untersucht in seiner Praxis den medialen Charakter unserer Gegenwart, die (Macht-)Struktur hinter Digitalisierungsprozessen und deren Auswirkungen auf unser Denken und unseren Körper“, heißt es in der Einladung zur Ausstellung. Andrea Winkler lebt außerdem in Hamburg und Berlin. Der Künstler arbeitet vor allem „in raumgreifenden Installationen, die szenografisch wirken. Es rekontextualisiert die Semantik von Objekten, die choreographisch in den öffentlichen Raum eingreifen, wie Absperrbänder oder Ketten.”

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