Stand: 31.10.2022 20.35 Uhr
Die Galerie Karstadt Kaufhof strebt erneut in einem Schutzschirmverfahren auf Kaution an, zum zweiten Mal innerhalb von weniger als zwei Jahren. Das hat Folgen für die Beschäftigten: Mehr als 40 der 131 Warenhäuser sollen schließen.
Der letzte große deutsche Warenhauskonzern in Deutschland, Galeria Karstadt Kaufhof, sucht erneut Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Das teilte ein Unternehmenssprecher in Essen mit.
Dem Konzern drohen weitere Filialschließungen. Laut Galeria-Chef Miguel Müllenbach muss das Filialnetz um mindestens ein Drittel reduziert werden, mehr als 40 Warenhäusern droht die Schließung.
Betriebsbedingte Kündigungen seien daher unvermeidlich, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der Warenhausriese betreibt derzeit 131 Filialen in 97 deutschen Städten mit 17.000 Mitarbeitern.
„Rund ein Drittel der 131 Filialen sind nicht nachhaltig“, Michael Heussen, WDR, zur Insolvenz der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof
Tagesschau 20.00, 31.10.2022
Verhandlungen mit der Bundesregierung scheiterten
Nach Informationen der FAZ waren zuvor Verhandlungen über ein weiteres Darlehen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung gescheitert. Es habe sich gezeigt, dass zusätzliche Fremdmittel mit ihren Zinsen den Warenhauskonzern finanziell zu sehr belasten würden, sagte Müllenbach der Zeitung. Sowohl Bundesgläubiger als auch der Eigentümer, der österreichische Immobilienunternehmer René Benko, unterstützten den Schritt.
Ein vom Gericht bestellter Konkursverwalter überwacht nun die Rettung, während das Management die Kontrolle behält, aber von einem externen Bergungsexperten beraten wird. Bei Galeria wird nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ der Düsseldorfer Rechtsanwalt Frank Kebekus die kommissarische Verwaltung besetzen. Restrukturierungsspezialist Arndt Geiwitz soll daher die operative Restrukturierung leiten.
Bereits zweite Insolvenz
Es ist das zweite Mal innerhalb von weniger als zwei Jahren, dass die aus der Fusion von Karstadt und Kaufhof entstandene Warenhausgruppe Insolvenz anmelden muss. Bereits während der ersten Corona-Sperre im April 2020 hatte das Unternehmen Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Der Wettbewerb dauerte bis Ende September. Das bedeutete große Einschnitte: Rund 40 Büros wurden geschlossen, rund 4.000 Stellen abgebaut und mehr als zwei Milliarden Euro Schulden abgeschrieben. Das soll dem Unternehmen einen Neuanfang ermöglichen.
Die Hoffnung, dass der Konzern befreit von vielen Altlasten erfolgreich durchstarten könnte, erfüllte sich jedoch nicht. Im Gegenteil: Anfang 2021 und Anfang 2022 musste der verkleinerte Handelsriese angesichts der Pandemie um staatliche Unterstützung bitten. Insgesamt half der Wirtschaftsstabilisierungsfonds dem Konzern mit insgesamt 680 Millionen Euro.