Fledermäuse und das in Russland entdeckte Corona-Pandemie-Virus könnten gefährlich werden
27.09.2022 13:26
Angesichts der Pandemie suchen Forscher weltweit noch intensiver nach neuen Krankheitserregern. Fledermäuse in Russland tragen einen potenziellen Kandidaten. Diese kann nicht nur in menschliche Zellen eindringen, sondern sich sogar im Labor gegen Corona-Antikörper und Impfstoffe durchsetzen.
Forscher der Washington State University haben zwei neue Arten von Coronaviren auf ihre Gefährlichkeit untersucht und einen neuen möglichen Auslöser für die Krankheit beim Menschen entdeckt. Die beiden in Fledermäusen in Russland gefundenen Coronaviren wurden Khosta-1 und Khosta-2 genannt. Beide gehören wie Sars-CoV-2 zur Untergattung der sogenannten Sarbecoviren.
Bisher sind Wissenschaftler vor allem bei Tieren in Asien fündig geworden. Aber nur sehr wenige von ihnen hatten das Potenzial, in menschliche Zellen einzudringen. „Genetisch ähnelten diese seltsamen Viren aus Russland einigen anderen, die anderswo auf der Welt entdeckt worden waren“, sagte Michael Letko, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hatte, laut Mitteilung der Universität. Aber weil sie Sars-CoV-2 nicht sehr ähnlich sahen, hielt sie niemand für bedenklich. Das Team um Stephanie Seifert hat sich die beiden neuen Coronaviren genauer angesehen, die bereits Ende 2020 in Russland in zwei Arten von Hufeisennasen entdeckt worden waren.
Schockierend: Infizierte menschliche Zellen im Labor
In einem ersten Schritt wurden im Labor sogenannte Pseudoviren generiert. Diese wurden verwendet, um zu testen, ob Khosta-1- und Khosta-2-Bindungsstellen auf dem Spike-Protein menschliche Zellen infizieren könnten. Zu ihrer Überraschung stellte das Team fest, dass Khosta-2 dazu durchaus in der Lage ist. Denn es hat die Fähigkeit, sich an das Rezeptorprotein ACE2 anzulagern, das in allen menschlichen Zellen vorkommt. Genau wie Sars-CoV-2. „Diese Bindungsstelle ist über verschiedene Varianten von Sars-CoV-2 zu etwa 60 Prozent vergleichbar“, berichten Seifert und Kollegen im Fachblatt PLOS Pathogens. Bei Khosta-1 hingegen sah das Forscherteam nur ein geringes Risiko für den Menschen.
In einem nächsten Schritt untersuchten sie, wie sich Khosta-2 sowohl mit monoklonalen Antikörpern verhält, die sich nach einer Infektion im Körper bilden, als auch mit Serum von Menschen, die gegen Covid-19 geimpft wurden. Khosta-2 war in beiden Labortests resistent. Auch wenn das Khosta-2-Coronavirus bei einer Ansteckung des Menschen immer noch nicht gefährlich wäre, könnte es sich mit Sars-CoV-2 in einer sogenannten Koinfektion verbinden und zu einer gefährlichen Rekombination werden. Diese Doppelinfektion ist sowohl bei Menschen als auch bei Tieren möglich.
Das Team schreibt, dass eine Rekombination von Khosta-2 und Sars-CoV-2 ein realistisches Szenario sei, da bereits Übertragungen von Sars-CoV-2 vom Menschen auf Tiere nachgewiesen wurden. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis neue Varianten des Coronavirus auftauchen, die Menschen krank machen können. Die Erkenntnisse der Forscher zu Khosta-2 machten die Notwendigkeit deutlich, universelle Impfstoffe zu entwickeln, die nicht nur gegen bereits bekannte Varianten von Sars-CoV-2 schützen, fasst Letko zusammen.