Fahrstuhl-Ärgernis: Warum Menschen im Aufzug in die gleiche Richtung blicken

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Erstellung: 20.11.2022, 19:00 Uhr

Von: Judith Braun

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Mit Fremden in einem Aufzug zu fahren, ist für viele Menschen ein Albtraum. Angespanntes, peinliches Schweigen kann zur Qual werden. Wie man die Situation entspannt und die Stimmung aufhellt.

Corona hat unser Zusammenleben drastisch verändert und teilweise auch psychische Spuren hinterlassen. Sicherlich erinnern sich viele noch an die Zeiten von Ausgangssperre & Co., als eines besonders angesagt war: größtmöglicher Abstand, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Eine Fahrstuhlfahrt mit mehreren Fremden? Völlig undenkbar. Aber diese Situation ist für manche Menschen ein Albtraum, nicht nur in Zeiten, in denen ein Virus grassiert. Man muss nicht einmal sozialphob sein, um eine Solo-Reise einer Kabinenreise vorzuziehen, die man zum Beispiel mit Freunden unternehmen muss. Warum wir uns im Fahrstuhl mit anderen unwohl fühlen und wie uns ein Gespräch vor einer peinlichen Stille bewahren kann, die oft entsteht.

Psyche: Aufgeregt im Fahrstuhl: Mit harmlosen Fragen die Situation entschärfen

„Hält der Aufzug auch im fünften Stock?“: Mit harmlosen Fragen können Sie eine peinliche Stille im Aufzug vermeiden. © Monkey Business 2/IMAGO

„Die meisten Menschen fühlen sich im Fahrstuhl unsicher“, sagt Silke Schneider-Flaig, Autorin des Buches „Der neue große Knigge“, gegenüber Focus Online. Sie sind hier also nicht allein mit Ihren unangenehmen Gefühlen. Dies wiederum könnte ein Anreiz für jeden Einzelnen sein, die Atmosphäre in den Aufzügen aufzulockern, indem er die Initiative ergreift und ins Gespräch kommt. Es müssen keine großen Worte sein. „Oft reicht ein Nicken oder ein Lächeln, um die ungemütliche Atmosphäre zu verändern“, sagt der Experte.

Aus ihrer Sicht sollten Sie dies im Arbeitsumfeld tun, unabhängig davon, ob Sie die anderen Mitarbeiter oder die Personen im Aufzug kennen. Anstatt hinterher schweigend auf den Boden oder die Decke zu schauen, fragt man Dinge wie „Hält der Aufzug auch im fünften Stock?“ Sie können eine harmlose Art sein, ein Gespräch zu beginnen. Ob daraus ein längeres Gespräch wird, hängt natürlich immer von der Situation und dem Gegenüber ab. Die anderen Gäste beantworteten diese Fragen jedoch fast immer. Es besteht also fast keine Peinlichkeitsgefahr. Neben der sozialen Komponente ist aber auch die Enge des Fahrstuhls für viele Menschen eine Herausforderung, selbst wenn man nicht unter Klaustrophobie leidet.

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Fahrstuhlbeschwerden: trotz Enge einen angenehmen Abstand halten

Klaustrophobiker haben Angst vor geschlossenen oder geschlossenen Räumen, was zu Panikattacken führen kann. Viele Menschen, die nicht unter dieser Angst leiden, fühlen sich in einem Aufzug aufgrund der Enge schnell unwohl. Trotz des geringen Platzes sollten Sie immer darauf achten, anderen Fahrgästen nicht zu nahe zu kommen. Denn laut Professor Erich H. Witte, Sozialpsychologe an der Universität Hamburg, hängt der Kontakt zwischen Menschen vom Grad der Intimität ab.

„Je mehr zwei Menschen sich kennen und je netter sie sind, desto kürzer ist die Distanz zwischen uns“, sagt der Experte. Daher halten die meisten Menschen einen größeren Abstand zu Fremden. Unsere Wohlfühldistanz beträgt laut Schneider-Flaig im Schnitt etwa eine Armlänge. Allerdings ist dieser dem Lift zwangsläufig unterlegen. Sätze wie „Ach, jetzt wird es eng“ oder „Ich muss leider näher ran“ können die Stimmung wieder aufhellen, wenn Abstand nicht eingehalten werden kann oder der Kontakt nicht gewollt ist

Soziologie von Aufzügen: Warum Menschen in Aufzügen in die gleiche Richtung blicken

Auch das Verhalten von Personen in Aufzügen ist immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. 1962 erkannte der Sozialpsychologe Solomon Asch in seinem berühmten Aufzugsexperiment den Grund, warum Menschen in Aufzügen automatisch in die gleiche Richtung blicken, insbesondere mit Blick auf die Tür: Der Gruppenzwang in dem engen Raum ist so groß, dass wir verpflichtet sind in die gleiche Richtung blicken zu lassen, weil wir uns absolut konform verhalten wollen.

Auch der Mainzer Soziologe Stefan Hirschauer hat beobachtet, dass Blickkontakte bei der Benutzung des Aufzugs oft vermieden werden. Übrigens, laut der Analyse der Kognitionswissenschaftlerin Rebekah Rousi aus dem Jahr 2013 sind ältere und oft höherrangige Männer immer hinter der Mauer. Jüngere Männer hingegen stehen eher in der Mitte und Frauen vor der Tür. Obwohl Männer oft ständig auf den Boden schauen, studieren sie den Bildschirm auf dem Boden oder betrachten sich selbst oder andere durch den Spiegel.

Wer Augenkontakt lieber vermeidet und keinen Smalltalk betreiben will, muss laut Hirschauer desinteressiert gegenüber seinen Mitreisenden sein. Gleichzeitig muss aber die Balance gehalten werden, damit dies nicht respektlos wirkt. Kein Wunder, dass eine Fahrstuhlfahrt für manche zur „sozialen Terrorfahrt“ werden kann. Manchmal hilft nur die Treppe.

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen zum relevanten Gesundheitsthema und ist daher nicht zur Selbstdiagnose, Behandlung oder Medikation gedacht. Es ersetzt keinesfalls einen Arztbesuch. Individuelle Fragen zu klinischen Bildern kann unsere Redaktion leider nicht beantworten.

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