Experte warnt: „Wasserstoffexplosion wäre am Tunnelportal trotzdem tödlich“

Veröffentlicht am 15. Oktober 2022, 18:52

Experte warnt: „Wasserstoffexplosion wäre am Tunnelportal trotzdem tödlich“

Ein Experte der International Fire Academy warnt davor, dass die Folgen einer Wasserstoffexplosion bei einem Unfall in einem Tunnel nicht mit früheren Einsätzen vergleichbar seien.

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In Tunneln passieren immer wieder Unfälle. Ein Experte warnt nun vor den Folgen der Sprengung eines Wasserstofftanks.

20min/Michael Scherrer

Sollte aus einem undichten Tank austretender Wasserstoff explodieren, könnte dies eine Detonation verursachen, deren Druckwelle selbst an Tunnelportalen tödlich wäre.

Polizei BL

Auch in der Schweiz sind immer mehr wasserstoffbetriebene Fahrzeuge unterwegs. Hier zum Beispiel ein Bus der Luzerner Verkehrsbetriebe.

VBL

  • Auf den Straßen kommen zunehmend wasserstoffbetriebene Fahrzeuge zum Einsatz.

  • Ein Experte warnt nun vor den Folgen von Tunnelunfällen mit Wasserstofffahrzeugen.

  • Im Falle einer Detonation hätte eine Druckwelle verheerende Folgen.

Ein Lastwagen bremst nicht rechtzeitig, prallt am Stauende auf ein Auto und bricht es. Alles passiert in einem Tunnel. Und der Pkw fährt mit Wasserstoff. Das Szenario wird immer wahrscheinlicher, warnt Dietmar Schelb vom Karlsruher Institut für Technologie. Die Folgen dieses Szenarios skizzierte der Experte der Forschungsstelle Brandschutztechnik in einem Online-Forum der International Fire Academy des Interkantonalen Fire Training Centers in Balsthal. Die Folgen wären verheerend, warnt er, wie der IFA-Bericht zeigt.

Sollte der Wasserstofftank bei dem Tunnelunglück bersten, könnte sich der austretende Wasserstoff mit der Luft so vermischen, dass ein explosives vorgemischtes Gas entstehen würde. Bei einer Zündung „könnte es zu einer Explosion mit einer Druckwelle kommen, die sogar an den Portalen eines Tunnels, unabhängig von seiner Länge, tödlich sein könnte“, warnt Schelb. Er geht bei seinen Berechnungen von einer Druckwelle von fünf Bar an den Portalen aus, zwei Bar gelten als fatal.

Das hat mit der Architektur des Tunnels zu tun, erklärt Schelb. In einem Rohr kann sich eine Druckwelle ohne Hindernisse nahezu ungehindert ausbreiten. Zudem ist die Flammengeschwindigkeit von Wasserstoff um ein Vielfaches höher als die anderer Kraftstoffe wie beispielsweise Benzin.

“Die Frage ist nicht, ob es passiert, sondern wann es passiert”

Dietmar Schelb, Karlsruher Institut für Technologie

Das Tückischste an dem Szenario ist, dass die Flamme nicht oder fast nicht sichtbar ist, wenn der Wasserstoff brennt, weil er nicht rußt. Dadurch erhöht sich die Gefahr für Einsatzkräfte im Ereignisfall. Ob die Wasserstoffflamme auf dem Bildschirm einer Wärmebildkamera zu sehen wäre, sei noch zu klären, so Schelb weiter. Angesichts der steigenden Zahl von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen wird ein solches Szenario immer wahrscheinlicher. „Die Frage ist nicht, ob es passiert, sondern wann es passiert“, sagt Schelb.

Klar scheint, dass Feuerwehrleute mit der zunehmenden Verbreitung alternativer Antriebstechnologien vor neue Herausforderungen gestellt werden. Elektrofahrzeuge haben Pannendienste und Feuerwehren gezwungen, große Wannen und Spezialcontainer zu kaufen. Laut IFA gibt es noch keine entsprechenden Anwendungskonzepte für das Wasserstoffhandling.

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