Evakuierung von Lützerath aus Deutschland
THW-Einsatz scheitert: Aktivisten sitzen noch im Tunnel
Stand: 04:00 | Lesezeit: 4 Minuten
„Man muss damit rechnen, dass auch hier extremistische Täter aktiv werden“
Die Reinigung des Braunkohlereviers in Lützerath geht weiter. “Die Taktik der Polizei hat bisher funktioniert”, sagt der frühere niedersächsische Innenminister Uwe Schürmann von der CDU. Gleichzeitig lobt er die konstante Leistung der Funktionäre.
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Bei der Räumung von Lützerath stößt die Polizei auf ein Problem: Klimaaktivisten haben sich in einem unterirdischen Tunnel versteckt. Das Technische Hilfswerk versuchte in der Nacht zum Freitag vergeblich, sie herauszuholen.
Am dritten Tag der Evakuierung von Lützerath für den Braunkohleabbau konzentriert sich die Polizei auf die Aktivisten, die sich an diesem Freitag in den unterirdischen Gängen versteckt haben. „Wir wissen nicht, wie stabil diese unterirdischen Strukturen sind. Wir wissen auch nicht, wie die Luftversorgung dort ist“, sagte der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach am Donnerstagabend dem WDR. Entsprechend gefährlich ist die Lage.
In der Nacht zum Freitag beendete das Technische Hilfswerk seinen Einsatz, ohne die Aktivisten aus dem Tunnel zu entfernen. Besetzer des Geländes, das dem Braunkohleabbau weichen soll, hatten zuvor in sozialen Medien von einem Tunnel berichtet und die Polizei davor gewarnt, das Gelände mit schwerem Gerät zu betreten.
Die Polizei bestätigte, dass es mindestens zwei Tunnel gab, von denen sich in einem Aktivisten befanden. Bisher wurden sie nicht angesprochen. Die Spezialkräfte von RWE und der Bundesanstalt für Technische Hilfeleistung sollen nun übernehmen, “wie die Bergung in geeigneter Weise durchgeführt werden kann”, sagte Weinspach. “Wichtig wird auch sein, sehr behutsam vorzugehen und kein Risiko einzugehen.” Es ist nicht absehbar, wie lange sich die Sanierung des Geländes dadurch verzögern könnte.
Einsatzkräfte stehen vor einem Gebäude, in dem sich Aktivisten in einem Tunnel versteckt haben
Quelle: dpa/David Young
Über Nacht hielten heftige Regenfälle, starke Winde und Temperaturen unter zehn Grad die Klimaaktivisten an der Oberfläche. Nähere Angaben machte die Polizei zunächst nicht. Es waren noch zahlreiche Polizisten vor Ort. Laut einem Polizeisprecher wollten sie jedoch nur nachts aktiv werden, wenn Aktivisten aus potenziell gefährlichen Situationen befreit werden mussten.
Im Allgemeinen war der Polizeichef mit dem Verlauf des Einsatzes zufrieden. „Die Sanierung der oberirdischen Bauwerke ist weitgehend abgeschlossen“, betonte er gegenüber dem WDR. „Wir haben fast alle Häuser bis auf eines geräumt. Die Wiese ist geräumt, die meisten Baumhäuser sind geräumt. Da bleibt nicht viel übrig.“
Es gibt normalerweise keinen großen Widerstand
Am Donnerstag wurden zahlreiche Holzhütten und Barrikaden der Aktivisten von Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht. Während der Evakuierung wurden die Hausbesetzer meist ohne großen Widerstand entlassen. Einige waren den Tränen nahe. Auch zwei symbolträchtige Häuser der ehemaligen Lützerather wurden geräumt. Dort flog das Feuerwerk laut einem dpa-Journalisten in Richtung der Einsatzkräfte. Ein Beamter sei leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Die alten Dorfhäuser sind jedoch noch nicht abgerissen.
Selbst aus bis zu zehn Meter hohen Baumhäusern konnten Retter Hausbesetzer ohne großen Widerstand niederschlagen. Die Polizisten durchschnitten daraufhin die Kabelbinder, sodass die Baumhäuser krachten und in viele Stücke zerbrachen, berichtete ein dpa-Reporter.
Am zweiten Tag der Räumung wird ein Baum gefällt, der ein Holzhaus schützte
Quelle: dpa/Henning Kaiser
Am Donnerstag nahm die Polizei auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer von der Zufahrtsstraße nach Lützerath fest. Neubauer hatte sich dort mit etwa 100 Aktivisten zu einem Sitzstreik getroffen. Die Teilnehmer wurden von der Polizei umzingelt und nach und nach festgenommen oder abgeführt. Schließlich nahmen drei Beamte den Fridays-for-Future-Aktivisten Neubauer mit.
„Wir wollen hier bleiben, bis wir uns davontragen“, hatte Neubauer zuvor der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Ein Polizeisprecher sagte, die Teilnehmer seien auf dem Weg zum Rand des Einsturzes. Das war gefährlich und musste von der Polizei verhindert werden.
Laut Neubauer ging die Polizei gelegentlich mit Pfefferspray gegen die Aktivisten vor. Der Sprecher sagte, er könne das weder bestätigen noch ausschließen. Insgesamt Hunderte Menschen beteiligten sich an einer Demonstration aus dem Dorf Keyenberg in Richtung des rund vier Kilometer entfernten Lützerath.
Umweltaktivistin Luisa Neubauer wird bei einem Sitzstreik von der Polizei abgeführt
Diese: dpa/Federico Gambarini
Aktivisten aus Lützerath stehen mit Fackeln am Fenster eines Hauses
Quelle: AP/Michael Probst
In der Nacht zum Freitag ging die Evakuierung zunächst im Dunkeln weiter. „Die erledigten Gegenstände werden noch bearbeitet“, sagte ein Polizeisprecher. Auch zementierte oder gefesselte Aktivisten wurden trotz der Dunkelheit freigelassen. „In diesen Fällen müssen wir helfen“, sagte der Sprecher.
RWE will die Braunkohle unterhalb des von Anwohnern längst verlassenen Dorfes Lützerath ausbeuten. Kohle wird benötigt, um Gas für die Stromerzeugung in Deutschland während der Energiekrise einzusparen, argumentiert die Gruppe. Aktivisten dementieren: Als Gegenleistung für die Wegbereitung des Braunkohleabbaus unter Lützerath durch die Politik wurde der Kohleausstieg in NRW um acht Jahre auf 2030 vorgezogen.
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