Das große Musikevent findet erstmals wieder ohne Corona-Einschränkungen statt. „Wir freuen uns sehr, wieder mit voller Kapazität spielen zu können“, sagte Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer bei der Vorstellung am Donnerstag. Schließlich sei das Neujahrskonzert eine “Botschaft des Friedens und eine Botschaft der Liebe”.
Viele unbekannte Schätze der Strauss-Dynastie
2023 wird ein Jahr der Innovationen. Immerhin 14 der 15 Werke werden zu Beginn des neuen Jahres erstmals in diesem Rahmen zu hören sein. Lediglich der Walzer „Aquarelle“ von Josef Strauss stand 2002 auf dem Programm.
„Die Vorbereitung auf das Neujahrskonzert ist eine Entdeckungsreise“, betonte Franz Welser-Möst, der bei der Recherche auf viele unbekannte Schätze aus der Strauss-Dynastie und ihrem Umfeld stieß. Welser-Möst gab zu, dass sein persönlicher Favorit der Walzer „Perlen der Liebe“ von Josef Strauss ist, der fast schon als Tondichtung zu verstehen ist. Entsprechend wächst die Erwartung: „Ich fühle mich wie ein Kind, bevor das Christkind kommt.“
Erstmals Chormädchen neben Chorknaben
Was 2023 trotz aller Neuerungen gleich bleibt, ist die große Dominanz der Familie Strauss zu Jahresbeginn. Von der Polka „Auf und vom“ von Eduard Strauss über die „Zigeunerbaron-Quadrille“ von Johann Strauss über die „Heldengedichte“ von Josef Strauss erstreckt sich der neue, noch unerschlossene Klangkosmos für das Concert de Cap d‘ Year. Aber man muss kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass am Ende etwas Vertrautes mit dem „Donauwalzer“ und dem „Radetzky-Marsch“ klingen wird.
Senden der Notiz:
„Wiener Philharmoniker Neujahrskonzert 2023“, 1. Jänner, 11.15 Uhr, ORF 2
Etwas Neues gibt es jedoch an der Gender-Front: 2023 werden erstmals in der Geschichte die Wiener Sängerknaben gemeinsam mit den Wiener Sängerknaben, der Frauensektion des Traditionschores, Teil des Neujahrskonzerts sein 2004. Passend zum Matrosenoutfit tragen sie eine nautisch inspirierte Tunika, wenn sie gemeinsam mit den Sängerknaben „Heiterer Muth“ von Josef Strauss singen.
Ausstrahlung in fast 100 Ländern
15 ORF-Kameras werden ab 11.15 Uhr dieses musikalische Großereignis fotografieren, das in fast 100 Länder der Welt ausgestrahlt wird und für das die Gärten der Stadt Wien den Goldenen Saal noch einmal in ein Blumenmeer verwandeln werden. Michael Beyer verantwortet bereits zum siebten Mal die TV-Regie, ORF-Intendant Roland Weißmann freute sich am Donnerstag.
Film des Silvesterkonzerts zur Weltausstellung
Der Musikfilm in der Konzertpause ist dem Jubiläum „150 Jahre Weltausstellung in Wien“ gewidmet. 2023 kommt von Barbara Weissenbeck und Nicholas Pöschl. Dafür lässt er den Ausstellungsbereich des Praters rund um die Rotunde, damals das größte Kuppelgebäude der Welt, praktisch wieder auferstehen – und überzeugte dort mit Welser-Möst und Vertretern der Philharmoniker auch prominente Akteure zur Teilnahme
APA/HERBERT NEUBAUER Für Welser-Möst ist es bereits das dritte Neujahrskonzert im Musikverein
Das ausführliche Programm
1. Eduard Strauss Wer tanzt? Polka fast, op. 2512. Heldengedichte von Josef Strauss. Walzer, Op. 873. Johann Strauss Quadrille des Zigeunerbarons. op. 4224. Carl Michael Ziehrer In gemütlicher Nacht. Walzer, Op. 4885. Johann Strauss Demnächst! Schnelle Polka, Op. 386
6. Franz von Suppè Ouvertüre zur komischen Operette Isabella7. Josef Strauss Perlen der Liebe. Konzertwalzer, op. 398. Josef Strauss Angelica Polka. Polka française, op.1239. Eduard Strauss Auf und davon. Schnelle Polka, op. 7310. Josef Strauß Heiterer Muth. Polka française, op.281 mit den Wiener Sängerknaben11. Josef Strauß für immer. Polka schnell, op.193 mit den Wiener Sängerknaben12. Josef Strauß Zeißerln. Walzer, op.11413. Joseph Hellmesberger Bell Polka und Galop aus dem Ballett Excelsior14. Phantastisches Allegro von Josef Strauss. Orchestrale Fantasie, App. 26b15. Aquarelle von Josef Strauss. Walzer, Op. 258
APA/Eva Manhart Welser-Möst, Philharmoniker Daniel Froschauer und ORF-Intendant Roland Weißmann
„Regisseurin, wenn es soweit ist“
Wann auch eine Frau den Silvestermorgen im Musikverein mitgestalten wird, steht noch in den Sternen. „Wir werden eine Dirigentin haben, wenn es soweit ist“, sagte Philharmoniker-Vorstand Froschauer auf Nachfrage.
Franz Welser-Möst hingegen betont, dass es hier nicht auf das Genre, sondern auf die mit dem Orchester gesammelten Erfahrungen ankomme: „Es ist eine künstlerische Frage, keine politische.“ Denn für ein Silvesterkonzert gilt einfach: „Das ist das Komplexeste, was man dirigieren kann.“ Wie bei der Komödie ist hier das Timing extrem wichtig.